Benefiz-Abend für den Weißen Ring in Mühlheim

Nach Überfall durch drei Männer: Dank für rasche Hilfe

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Giovanna Manicone, alias Gianna Letizia, bedankt sich für die Hilfe nach dem Überfall beim Weißen Ring mit einem Benefizabend. -

Mühlheim - Mit einem großen Benefiz-Abend in der Roten Warte bedankt sich eine Frau beim Weißen Ring. Die Opferschutzorganisation hatte ihr nach einem Überfall durch drei Männer nicht nur materiell geholfen. Eine neue Erfahrung für Alfred Huber, den Regionalverantwortlichen der Organisation. Von Stefan Mangold 

Im Sommer 2014 verändern wenige Sekunden das Leben von Giovanna Manicone. Während der Weltmeisterschaft ruft ihr Freund sie an, ob sie ihn abholen könne. Er habe beim Fußballgucken in der Wohnung des Bruders Alkohol getrunken und wolle sich nicht ans Steuer setzen. An der Ecke Waldstraße/Neusalzer Straße in Offenbach hält die Frau an und will gerade ihrem Lebensgefährten telefonisch Bescheid geben, er solle runter kommen, als sich plötzlich die Fahrertür öffnet. Im ersten Moment denkt sie, es sie ihr Freund, doch dann fällt ihr Blick auf eine Jeansjacke, was so gar nicht dessen Kleiderstil entspricht. Dann öffnet sich auch die Beifahrertür.

Die gerade mal 1,56 Meter große Tänzerin sagt von sich, generell nicht allzu lange zu brauchen, um eine Situation zu erfassen. Sie reagiert blitzschnell und tritt dem Mann, der auf ihrer Seite geöffnet hat, mit so großer Wucht gegen das Knie, dass dieser sich langlegt. Auch Giovanna Manicone fällt hin, als sie aus dem Auto springt, schlägt sich dabei die Stirn und das Gesicht auf, schafft es jedoch, sich sofort wieder aufzurichten und bemerkt noch einen dritten Mann hinten am Auto. Das Trio verfolgt die Frau noch ein paar Meter, gibt dann aber auf. An dem Mann, den sie zu Boden getreten hat, bleib ihr ein markantes Muttermal auf der rechten Wangenseite im Gedächtnis haften.

Ums Eck rufen Passanten die Polizei für sie an. Die nimmt den Fall auf und fährt sie zur Untersuchung ins Klinikum. Außerdem geben sie ihr eine Telefonnummer von der Opferorganisation Weißer Ring. Dort hinterlässt die Frau am nächsten Tag eine Nachricht auf Band. „Eine halbe Stunde später kam der Rückruf“, erinnert sich Giovanna Manicone. Bald erscheint jemand und wechselte ihr Türschloss aus. Ihre Schlüssel waren in der Handtasche samt einem Brief, auf dem ihre Adresse stand. Beides war weg.

Jetzt bedankt sich das einstige Opfer, die sich als Tänzerin auf der Bühne Gianna Letizia nennt, bei ihren Helfern mit dem Event „Pop Meets Orient“ in der Roten Warte an der Henri-Dunant-Straße. Sänger, Tänzer und Tänzerinnen treten unentgeltlich auf. Auch die Firma Securitas berechnet nichts für zwei Sicherheitsleute. Holger Rebell, Geschäftsführer von Internet, Grafik- & Druckpartner GmbH & Co. KG aus Obertshausen, entwirft und druckt als einer von weiteren Sponsoren den Flyer.

SOS vom Smartphone: Das Mobiltelefon als Nothelfer

Marco Musca, der zusammen mit Gianna Letizia auftritt, hat bereits vor einem Millionenpublikum gesungen. Musca nahm 2013 an der Casting-Show „Voice of Germany“ teil. Ohne sich selbst allzu ernst zu nehmen, führt Domenico De Cicco als Moderator durchs Programm. Auch der Offenbacher Bürgermeister Peter Schneider sitzt im Publikum. Der Erlös durch die Spenden am Eingang geht an den Weißen Ring: „Die halfen mir damals vor allem menschlich.“

Einen Tag nach dem Überfall vor zwei Jahren haben ihre Schlüssel im Briefkasten gelegen. Die nächsten Monate habe sie sich in ihrer Wohnung nicht mehr wohl gefühlt. Schließlich wussten die Unbekannten, wo sie zu finden ist. Giovanna Manicone zieht um. Seit dem Ereignis kann sie nur noch mit eingeschalteter Nachttischlampe einschlafen. Die Tür muss verriegelt sein und sämtliche Fenster geschlossen. Im Auto prüft sie ständig im Rückspiegel, ob ihr jemand folgt. Erst während der aufwändigen Organisation für den Abend sei es ihr gelungen, wieder längere Strecken alleine zu fahren.

Alfred Huber, früher Polizeichef am Flughafen und seit vielen Jahren ehrenamtlich beim Weißen Ring für die Region Frankfurt Süd, Kreis und Stadt Offenbach zuständig, erzählt, eine Frau wie Giovanna Manicone noch nicht erlebt zu haben, „die später alles daran setzt, die Hilfe, die sie von uns erhalten hat, wieder zurück zu geben“.

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