Benefiz-Regatta zum zweiten Mal in Mühlheim

Kraftvoll gegen den Krebs

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Vorfreude auf die Heim-Regatta (von links): Landrat Oliver Quilling, Ernst Hanisch (Asklepios-Klinik Langen), Monika und Stefan Mieth (MRV), Frank Müller-Hillebrand (Asklepios-Klinik Seligenstadt) sowie Klaus Schrott (Stiftung Leben mit Krebs).

Mühlheim -  Sprichwörtlich sitzen sie alle im gleichen Boot. Bei der Regatta „Rudern gegen Krebs“ am 27. September legen sich Patienten, Ärzte, Firmen und Sponsoren für die Stiftung Leben mit Krebs in die Riemen. Von Jörn Polzin

Wenn aus der Theorie ein Praxistest wird, sind selbst die erfahrensten Mediziner vor schmerzlichen Erfahrungen nicht gefeilt. In dem Fall können sie diese aber locker verkraften. „Als ich nach meinem ersten Rudertraining aus dem Boot stieg“, erzählt Ernst Hanisch, „tat mir alles weh“. Das Positive für den Ärztlichen Direktor der Asklepios Klinik in Langen. „Ich habe danach jeden Muskel gespürt, selbst die, die ich bis dahin nicht kannte.“ Sein Kollege aus der Asklepios Klinik Seligenstadt, Frank Müller-Hillebrand, erinnert sich ebenfalls noch gut an die Erfahrungen auf ungewohntem Terrain, die für ihn einer mentalen Achterbahnfahrt glichen. „Beim ersten Mal denkt man nur daran, nicht aufzugeben. Nach dem dritten Training rechnet man sich Siegchancen aus und nach dem vierten macht sich wieder Ernüchterung breit“, erzählt er und schmunzelt.

So wie den beiden Ärzten dürfte es vielen Neulingen gehen, die sich auf „Rudern gegen Krebs“ vorbereiten. „Kraft und Koordination werden besonders gefördert“, sagt Monika Mieth vom Mühlheimer Ruderverein. Gemeinsam mit den Nachbarvereinen ermöglicht der MRV den Vierer-Teams vier Übungsstunden auf dem Wasser. Bei allem Trainingseifer spielen Trophäen und Titel bei der Benefiz-Regatta eine untergeordnete Rolle. Der Wettstreit über 300 Meter auf dem Wasser dient dem Spaß, vor allem aber der Förderung therapieunterstützender Projekte für Menschen mit Krebserkrankung. Und von ihnen gibt es nach wie vor viele. „Wir haben etwa 500.000 Neuerkrankungen“, erläutert Klaus Schrott, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Leben mit Krebs, die seit zehn Jahren die Regatten bundesweit organisiert. „Moderates Ausdauertraining kann den Krankheitsverlauf und die Lebensqualität vieler Patienten positiv beeinflussen“, ist Schrott überzeugt.

15.000 Ruderbegeisterte legten sich bislang bei 60 Regatten in 19 Städten in die Riemen. Etwa fünf Prozent davon sind krebskranke Menschen. Mediziner, Sponsoren und Firmen komplettieren das Teilnehmerfeld. Damit ist „Rudern gegen Krebs“ die größte Breitensportveranstaltung dieser Art. „Wir sind stolz darauf, dass aus der Idee eine Erfolgsgeschichte geworden ist“, betont Schrott. Mühlheim ist zum zweiten Mal Austragungsort. Wie bei der Premiere vor zwei Jahren, rechnen die Veranstalter, zu denen neben den Asklepios-Kliniken, der Stiftung Leben mit Krebs und dem MRV auch der Kreis Offenbach zählt, mit mehr als 80 Booten und etwa 4000 Ruderbegeisterten auf und abseits der Strecke.

Hautkrebs - die unterschätze Gefahr

„Wir haben den größten Anfängerkurs im Rudersport“, sagt Organisator Stefan Grünewald-Fischer. Wobei es neben dem Wettbewerb für Neulinge auch eine Meisterklasse gibt. Ein Großteil der Startgelder – jede Mannschaft zahlt 300 Euro – fließt in Projekte wie „Sport zum Leben“ oder „Kunst zum Leben“ für onkologische Partienten im Kreis Offenbach. Zur Freude von Landrat Oliver Quilling, der die „große Publikumswirksamkeit“ der Regatta hervorhebt. Seine Begründung: „Man kommt mal raus, sieht etwas anderes und tut gleichzeitig etwas Gutes.“ Ähnlich plausibel fällt auch die Erklärung für seine Abstinenz bei der Regatta aus: 27. September ist Landratswahl.

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