Gesünderer Ehrgeiz

Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“: Mühlheim gewinnt

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Ruderer, die den Sport regelmäßig betreiben, erkennt man am muskelbepackten Rücken. Spaß macht das Durchziehen aber auch den anderen.

Mühlheim - Die Stiftung „Leben mit Krebs“ richtete mit dem Mühlheimer Ruderverein, dem Kreis Offenbach und den Asklepios-Kliniken die Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ aus. Mehr als 60 Vierer nahmen teil. Die meisten Teams stammen aus dem Gesundheitsbereich. Am Ende siegte Mühlheim. Von Stefan Mangold 

Am Ufer steht Robert Müller. Er drückt die Damen für ein Team, das sich auf dem Main einen Wolf rudert. Und er macht sich Sorgen. „Die werden eine Saulaune haben“, prophezeit der Grüne und sucht direkt nach dem Rennen nicht sofort das Gespräch mit den Matadoren des Mühlheimer Radfahrclubs Adler. Denn: die wollen eigentlich ins Finale, weiß Müller. Auf dem Wasser läuft es aber nicht ganz so gut. Wolfgang Klein, der Schriftführer des RC Adler, analysiert den Grund für den letzten Platz. Das Boot sei ungewohnt gewesen, „eins zum Treten wäre uns lieber.“ Der Hoffnungslauf, quasi eine Umleitung zum Finale, soll es richten. Natürlich geht es um den guten Zweck, neben Geldern der Sponsoren auch um das Antrittsgeld in Höhe von 300 Euro, von dem ein Drittel die Kosten der Regatta deckt und 200 Euro für den Veranstalter des „Rudern gegen Krebs“ bleiben: die Stiftung „Leben mit Krebs“.

Nach dem Startschuss denkt daran niemand. Jeder will zumindest nicht ganz hinten liegen. Das gelingt den Stadtpiraten weniger, das Team aus der Verwaltung Offenbachs. Frank Weber, Vize-Chef des Ordnungsamts, wertet den dritten Platz von Dreien aber als Erfolg: „Wir hielten Sichtkontakt.“ Ohnehin seien sie für die falsche Kategorie gemeldet. In der „Meisterklasse“ wähnt sich das Quartett deplatziert. Es ist die zwölfte und letzte Regatta des Jahres, die Stefan Grünewald-Fischer vorbereitete. Der Vertreter der Stiftung war stellvertretender Bundesvorsitzender des Ruderverbands. Ziel der Stiftung, die in Mühlheim seit 2005 Regatten ausrichtet, sei es, für Krebspatienten die Phase nach der Reha zu gestalten. „Wer vor der Diagnose Sport trieb, der bleibt auch dabei“, beobachtet Grünewald-Fischer. Die Stiftung wolle jedoch auch jene durch Angebote motivieren, die Bewegung nur aus dem Fernsehen kennen.

Daniel Tybussek schenkt derweil bei Sonnenschein und frischen Temperaturen Bier aus, quasi inkognito. Sein Sohn Jonas rudert im Verein, weshalb der Bürgermeister hilft. Und Dr. Frank Müller-Hillebrand, Arzt an der Asklepios-Klinik Seligenstadt und ein humoriger Typ, will sich drücken, als die Seinen das Ruderschiff zu Wasser zu lassen. „Ich bin Chef der Anästhesie, ich muss das nicht“, pocht der 51-Jährige auf die Hierarchie. Vergeblich. „Du kommst, wir sitzen alle im gleichen Boot“, bekommt der Mediziner zu hören und packt brav mit an. Nach einem vierten Platz landet sein Team im Hoffnungsrennen auf drei. Das bedeutet zwar das Aus, „aber der Platz ist klasse und wir wollten höflich sein“, kommentiert Dr. Müller-Hillebrand das Ergebnis.

Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“: Bilder

Vom Geist im Boot erzählt Volker Westphal, aktives Mitglied im Ruderverein und Stadtverordneter der Grünen. „In der heißen Biogasanlagenphase saß ich mit dem damaligen Bürgermeister Bernd Müller in einem“, erinnert sich Westphal an keinen Versuch, wenigstens einander nass zu spritzen. Das Boot der Grünschnabel, in dem Westphals Parteifreunde sitzen, landet im ersten Rennen abgeschlagen ganz hinten. Im Hoffnungslauf reicht es mit drei Zehnteln Vorsprung zum dritten Platz nach 300 Metern. Gut läuft das Rennen für das Friedrich-Ebert-Gymnasium. Das Boot mit Sportlehrer Timo Dorst landet zur Ouvertüre auf einem zweiten Platz, der fürs Halbfinale qualifiziert. Dorst bedauert, dass er keinen seiner Schüler aus dem Ruderverein einsetzen konnte, „die sind alle als Steuermänner beschäftigt“.

Der Mühlheimer Ruderverein, der „Rudern gegen Krebs“ im jährlichen Wechsel mit dem WSV Offenbach-Bürgel ausrichtet, trainierte im Vorfeld 26 der über 60 Teams bis zu vier Mal. Den Rest übernahmen Clubs von Frankfurt bis Hanau. Monika Mieth, Ruderwartin und Gattin des Vorsitzenden Stefan Mieth, beobachtet: Frauen hätten den Dreh besser raus, „die Männer versuchen es oft nur mit Kraft“. Die Bembelracer vom RC Mühlheim schaffen es fast in die nächste Runde. Gegen Hasta la vista, die Onkologen vom Frankfurter Nordwest-Krankenhaus, liegen sie mit knapp über einer Sekunde Rückstand auf Platz zwei. Am Ende steht Mühlheim dennoch ganz vorne: Die Power Skulls der Stadtwerke GmbH lassen Pfizer Oncology aus Berlin mit über zwölf Sekunden Vorsprung hinter sich.

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