Tatverdächtiger verletzt in Klinik

Millionen-Feuer bei Manroland: Benzinkanister am Brandort

Mühlheim - Die endgültige Aufklärung der mutmaßlichen Brandstiftung in einem Bürobau der Firma „Manroland“ lässt wohl noch auf sich warten. Ein Tatverdächtiger ist zwar gefasst. Doch er liegt verletzt und damit nicht vernehmbar in einer Klinik. Von Marcus Reinsch

Die Feuerwehr berichtet derweil vom Fund zweier Benzinkanister am Einsatzort. Der 25-Jährige, den die Staatsanwaltschaft nach dem Großbrand in einem mehrgeschossigen „manroland“-Bürogebäude an Mühlheims Borsigstraße in der Nacht zum vergangenen Donnerstag der Brandstiftung verdächtigt, konnte noch nicht förmlich vernommen werden.

Alexander Homm, Ober-Staatsanwaltschaft bei der Offenbacher Dependance der Darmstädter Staatsanwaltschaft, sagte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, der Mann befinde sich momentan verletzt in einer Klinik. Mit Rücksicht darauf sei er noch nicht förmlich vernommen worden. Es handele sich nicht um Brandverletzungen. Ins Krankenhaus begeben habe sich der Verdächtige offenbar selbst.

Auf den mutmaßlichen Brandstifter aufmerksam geworden seien die Ermittler, weil sich zwischen der wohl über Chip funktionierenden Einlasskontrolle des Gebäudes und der Zeit des Ausbruchs des Brandes eine Verbindung habe herstellen lassen.

Eine weitere Verknüpfung zwischen Ursache und Wirkung fällt selbst Laien nicht schwer: Mühlheims Stadtbrandinspektor Lars Kindermann berichtete unserer Zeitung heute vom Fund zweiter Fünf-Liter-Ersatzkanister an der Brandstelle. Solche in der Regel für Benzin und andere Brandbeschleuniger genutzten Behälter zählen nicht gerade zur normalen Ausstattung des nach Polizeischätzungen 900 Quadratmeter umfassenden Großraumbüros. Den Sachschaden hatten die Ermittler bereits zum Wochenende auf rund eine Million Euro geschätzt. Verletzt wurde bei dem Brand glücklicherweise niemand.

Das kommt einem kleinen Wunder gleich. Die gesamte vierte Etage des teils fremdvermieteten Gebäudes sei „tief schwarz verqualmt“ gewesen, als die um 3.27 Uhr von der Brandmeldeanlage alarmierten Mühlheimer Feuerwehren anrückten, sagt Kindermann.

Bilder: Großeinsatz bei Manroland in Mühlheim

Schon beim ersten Versuch, sich über die Drehleiter von außen ein Bild von Ausmaß und Ursache des Feuers zu machen, seien auf erhebliche Innentemperaturen deutende Sprünge an den Innenscheiben der Fensterverglasung offenbar geworden. Einsätzkräfte unter Atemschutz hätten dann an zwei Stellen des Hauses ein Feuer im Zwischenboden gefunden und bekämpft.

Das allerdings reichte noch nicht. Die Mühlheimer Feuerwehren alarmierten wegen der massiven Rauchentwicklung und dem Bedarf an mehr Atemschutzgeräteträgern ihre Rodgauer Kameraden nach. Die rückten mit einem weiteren Löschzug und der sogenannten ANTS an. Das steht für „Atemschutz-Notfall trainierte Staffel“. Insgesamt waren gut 70 Einsatzkräfte bis nach 9 Uhr vor Ort.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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