Beerdigungen nach muslimischer Tradition

Bestattung auch ohne Sarg erlaubt

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Mühlheim - Muslime sollen in Mühlheim künftig so bestattet werden können, wie es ihre Tradition verlangt - ohne Sarg, nur im Leichentuch. Von Marcus Reinsch 

Der Ausländerbeirat hat beim Stadtparlament beantragt, die Möglichkeit einer Beerdigung ohne Sarg in der Mühlheimer Friedhofsordnung zu verankern. Hintergrund ist das seit März 2013 entsprechend geänderte Friedhofs- und Bestattungsgesetz des Landes. Das erlaubt es hessischen Kommunen nun grundsätzlich, eine Bestattung nur im Leichentuch aus religiösen Gründen zuzulassen. Das war vorher verboten; die deutschen Bestattungsgesetze sehen neben dem Friedhofszwang eigentlich auch die Sargpflicht für Erdbestattungen vor.

In Mühlheim selbst hat der Magistrat den Vorschlag, die Beerdigung nach muslimischer Tradition zumindest in Sachen Sargverzicht in der kommunalen Friedhofsordnung zu verankern, bereits einstimmig für gut befunden. Auch bisher schon gibt es ein muslimisches Gräberfeld in Mühlheim. Es liegt auf dem Gottesacker im Südring und ist sozusagen ein Kompromiss-Areal: Einerseits ist es so angelegt, dass die Toten so in den Grübern ausgerichtet werden können, wie es ihr Glaube verlangt, nämlich mit dem Gesicht gen Mekka. Andererseits ist bisher trotzdem ein Sarg, der mit den muslimischen Begräbnisregeln kollidiert, Pflicht. Ganz zu schweigen davon, dass die geforderte Bestattung noch am Todestag mit den hiesigen Regeln nicht vereinbar ist.

Erste Stadträtin Gudrun Monat, in deren Zuständigkeit die Friedhöfe fallen, will dem Ausländerbeirat seinen Wunsch gerne erfüllen. Entsprechende Anfragen von Bürgern habe es bisher zwar äußerst selten gegeben. Weil viele Muslime in ihren Heimatländern beerdigt werden wollen und wohl auch, weil die bisherigen deutschen Regeln bekannt seien. Künftig könnten solche Fragen aber leichter positiv beantwortet werden. Und diese Änderung, sagte sie gestern, wäre sowieso fällig gewesen, sobald ihr Dezernat die Satzung für die seit dem vergangenen Jahr mit Blick auf vor allem bauliche Unzulänglichkeiten in die Kritik geratenen Gottesäcker in mehreren Punkten überarbeite. Gerade habe die Politik beispielsweise auch die Einrichtung einer Gedenkstätte für sogenannte Sternenkinder beschlossen.

Bestattung auf Britisch

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