Bestellt und nicht bezahlt

Ehepaar steht wegen Online-Käufen im Wert von ehr als 14.000 Euro vor Gericht

Ein Ehepaar hat im Internet Waren im Wert von mehr als 14 000 Euro bestellt, ohne diese zu bezahlen.
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Ein Ehepaar hat im Internet Waren im Wert von mehr als 14 000 Euro bestellt, ohne diese zu bezahlen.

Viel bestellt und nichts bezahlt: Vor dem Schöffengericht in Offenbach hat sich ein Ehepaar wegen Betrugs verantworten müssen. Die Frau kam mit einem eingestellten Verfahren davon, ihr 14-fach vorbestrafter Gatte mit 20 Monate Gefängnis ohne Bewährung. Die Taten liegen Jahre zurück.

Mühlheim – Bei der Urteilsbegründung wird der Vorsitzende Richter Manfred Beck erklären, „das Verfahren hing viel zu lange bei der Justiz“. Als man das erste Mal im Internet bestellte, regierte in den USA Obama und Leipzig spielte nicht in der Champions League gegen Paris, sondern in der dritten Liga gegen Elversberg.

Zwischen Oktober 2013 und November 2014 bestellte das Ehepaar Waren im Wert von mehr als 14 000 Euro, ohne diese zu bezahlen. Es zieht sich, bis der Referendar von Staatsanwältin Sylvia Erdelt in der Anklageschrift jede Kaffeemaschine und jeden Rotweinkelch vorgelesen hat.

Etliche Mahnungen bei Mühlheimern im Briefkasten

Ein Teil der Bestellungen ging auf die eigenen Namen, die meisten landeten jedoch bei Adressen von Bekannten in Mühlheim. Vor Gericht spielt das keine Rolle, aber von der Seite dürfte auch der Hinweis an die Polizei erfolgt sein, als Mahnungen bei Mühlheimern im Briefkasten landeten, die weder ein iPhone für 858 Euro noch fünf Flaschen Whisky für 800 Euro bestellt hatten. Entweder man orderte auf Rechnung oder auf Bankeinzug von Konten, für die es keine Deckung gab. Oder man ließ den Einzug platzen.

Richter Beck erklärt, „eigentlich ist das der Moment für ein Rechtsgespräch“. Sowohl Rechtsanwalt Dr. Jochen G. Schneider, der den 54-jährigen Mann vertritt, als auch Timo Bauer, der Verteidiger der 43-jährigen Ehefrau, stimmen zu. Das Ziel eines Rechtsgesprächs ohne Angeklagte und Öffentlichkeit: Geständnis gegen abgestecktes Strafmaß. Hinterher verkündet Beck, bei einer umfassenden Aussage werde das Urteil zischen 18 und 20 Monaten Gefängnis ohne Bewährung liegen. In Erwartung eines weiteren Prozesses sitzt der Angeklagte ohnehin gerade in U-Haft.

Bisher kassierte der 54-Jährige Urteile wegen Betrugs, Steuerdelikten, Urkundenfälschung, Fahrens ohne Führerschein und fahrlässiger Körperverletzung durch Unfälle im Zustand der Trunkenheit sowie einer vorgetäuschten Straftat.

Verteidiger erklärt, Mandant „verlor den Überblick“

Seine Frau kommt mit einer Verfahrenseinstellung nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung davon. Der besagt, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen kann, wenn die Angeklagte wegen eines anderen Delikts bereits ein Urteil kassierte, das genügend „Einwirkung auf den Täter“ hatte und einer „Verteidigung der Rechtsordnung“ nicht widerspricht. Um welches Delikt sich der Prozess der Frau damals drehte, bleibt unerwähnt.

Durch Verteidiger Schneider lässt der 54-Jährige erklären, er habe damals von einem Arbeitgeber eine Abfindung bekommen und sich selbstständig gemacht, was nicht gut gelaufen sei. Die Frau habe erklärt, sie wolle in ihr Heimatland zurück, worauf er beabsichtigt habe, ihre Laune durch Geschenke zu heben. Dazu gehörten Schuhe des Internetanbieters Zalando und Schmuck vom Teleshopping-Sender Channel 21. „Er verlor den Überblick“, erklärt Schneider, „außerdem kam ein Alkoholproblem dazu“. Seiner Frau habe er damals erzählt, er könne so viel bestellen, weil sein Geschäft brummt.

Ringe und Schuhwerk konnten die Ehe nur kurzfristig stabilisieren. Mittlerweile trennte sich das immer noch verheiratete Paar.

Sylvia Erdelt fordert 20 Monate Gefängnis. Die Staatsanwältin betont, „es handelte sich um Luxusgüter, nicht um Waren des täglichen Bedarfs“. Durch die Gesamtschau der kriminellen Karriere komme Bewährung nicht in Frage. Anwalt Jochen G. Schneider schließt sich an.

Richter Beck und die Schöffen verhängen 20 Monate Haft. Beck konstatiert „ein Fehlverhalten in einer bestimmten Lebenssituation“. Weil das Verfahren so lange dauerte, gelten sechs Monate als bereits verbüßt. (Stefan Mangold)

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