Biberdamm wird erneut abgesenkt

Von Hochwasser betroffene Mühlheimer bleiben trotz weiterer Maßnahmen skeptisch

Um die durch Biber verursachte Hochwasserlage an der Rodau in Höhe der Hildebrandsmühle zu entschärfen, werden seit Montag die nächsten Maßnahmen umgesetzt.
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Um die durch Biber verursachte Hochwasserlage an der Rodau in Höhe der Hildebrandsmühle zu entschärfen, werden seit Montag die nächsten Maßnahmen umgesetzt.

Seit November 2019 sehen einige Anwohner der Straße „An der Hildebrandsmühle“ ihre Häuser durch die von einem Biber verursachten Überschwemmungen der Rodau in Gefahr, das Wasser steht bisweilen in ihren Gärten und Kellern (wir berichteten).

Mühlheim – Laut Anwohnersprecher Torsten Schildwächter haben die bisher von Stadt und Regierungspräsidium Darmstadt im vergangenen Jahr veranlassten Maßnahmen wie die Installation eines kleinen Abflusses und der Einbau diverser Drainagerohre nicht geholfen und seien nahezu wirkungslos geblieben. Die Gesundheitsgefährdung der Familien durch Schimmel im Haus sei geblieben. Seit Anfang der Woche wird nun ein neuer Versuch unternommen, die Hochwassersituation zu entschärfen.

Wie das Regierungspräsidium Darmstadt und die Stadt Mühlheim auf Anfrage mitteilen, werden seit dem 18. Januar im Bereich der Rodau die nächsten Maßnahmen umgesetzt. „Nach Freilegung des Zugangs in das Gelände werden Flachstellen am westlichen Bachufer aufgefüllt, um das Überlaufen in das Gelände einzudämmen“, erläutert Klaus Schäfer, Fachbereichsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Mühlheim. Er betont, dass die Stadt der Anwesenheit der Biber grundsätzlich wohlwollend gegenüber stehe, aber natürlich auch ein Interesse an der möglichst geringen Beeinträchtigung der Anlieger habe. „Ein westlich des Biberdamms neu geschaffenes Ableitungsgerinne solle gleichzeitig helfen, in der Fläche stehendes Wasser in die Rodau zu leiten. Der Biberdamm selbst werde erneut abgesenkt und eine optimierte Dammdrainage eingebaut, um die Stauhöhe in der Rodauaue soweit abzusenken, dass sich die Situation für die Nutzer der angrenzenden Grundstücke ausreichend entschärft.

Nach Umsetzung der Maßnahmen gelte es wieder abzuwarten, wie sich die Arbeiten auf die Gesamtsituation auswirken. Der Prozess sei eine schrittweise und leider langwierige Annäherung an einen Zustand, der eine für Mensch und Biber tragbare Situation darstellt. Wegen der schwierigen, zum Teil auch nicht zu beeinflussenden Randbedingungen werde die Situation in der Rodauaue um die Hildebrandsmühle aber immer sensibel bleiben. „Eine Umsiedlung des Mühlheimer Bibers steht aktuell aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht zur Debatte“, heißt es.

„Eingriffe nur behutsam möglich“

Auch Nina Lipp, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Darmstadt, berichtet, dass seit dem Wochenbeginn im genannten Gebiet wieder gearbeitet werde. „Und zukünftig werden selbstverständlich weiterhin Maßnahmen umgesetzt werden, sofern diese erforderlich sind“, kündigt sie an. „Dabei muss hinsichtlich des Artenschutzes berücksichtigt werden, dass sich unmittelbar oberhalb des Biberdammes ein Biberbau befindet.“ Eingriffe in den Biberdamm beziehungsweise Optimierungen der Dammdrainage könnten daher nur behutsam vorgenommen werden, der Eingang zum Biberbau dürfe dabei nicht trockenfallen. Dies habe zur Folge, dass vor der Planung und der anschließenden Umsetzung weiterer zuerst die Auswirkungen der nun umgesetzten Maßnahmen abgewartet und beurteilt werden müssen. „Zudem ist in diesem Bereich mit einer Belastung durch Kampfmittel zu rechnen, was ebenfalls berücksichtigt werden muss und für weitere Verzögerungen sorgen kann“, erläutert Lipp. Bei allen Überlegungen müssten auch die bekannten Hintergründe beachtet und beurteilt werden. „Es spielen hier diverse Faktoren eine Rolle: Die ohnehin hohen und im langfristigen Trend ansteigenden Grundwasserstände, die Lage der Häuser im Überschwemmungsgebiet, das Einzugsgebiet der Rodau und damit einhergehend die schnell ansteigenden Pegelstände oder die jeweils aktuellen Witterungsbedingungen“, zählt die Pressesprecherin auf.

„Wir können nicht beurteilen, ob die nun eingeleiteten Maßnahmen etwas bringen“, zeigt sich Anwohnersprecher Schildwächter skeptisch. „Wir fühlen uns zudem nicht genügend darüber informiert, was genau gemacht werden soll. Einige von uns Anwohnern haben jedenfalls inzwischen viel Geld in die Hand genommen und lassen unsere Häuser kernsanieren, um sie gegen Druckwasser zu schützen. Es bleibt abzuwarten, ob die jetzt begonnenen Arbeiten Verbesserungen unserer Situation bringen. Wir behalten uns auf alle Fälle vor, weitere Maßnahmen einzufordern“. (Karl-Heinz Otterbein)

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