„Bin für einen Baustopp“

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Satte 59,2 Prozent: Wahlsieger Daniel Tybussek am Sonntagabend im Mühlheimer Rathaus.

Mühlheim - Keine 48 Stunden war sein Kantersieg alt, als Daniel Tybussek gestern früh zum Interview in unserem Verlagshaus erschien. Von Heiko Wiegand

Über private und berufliche Konsequenzen für den 33-Jährigen sprach mit ihm unser Redaktionsmitglied Heiko Wiegand.

Herr Tybussek, haben Sie jetzt, an diesem Dienstag, überrissen, was Sie da am Sonntag geschafft haben?

So langsam wird mir bewusst, was am Sonntag passiert ist. Es war für mich emotional, als das Ergebnis des ersten Wahllokals aus dem Markwald auf der Leinwand erschienen ist - 73 Prozent...

...Am Ende waren es gut 59 Prozent. Mal Hand aufs Herz - was haben Sie denn vor der Wahl erwartet?

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie wir alle. Dass es jetzt so deutlich geworden ist, das ist für mich Ansporn und Verpflichtung zugleich. Ich danke meinen Wählern für das in mich gesetzte Vertrauen.

Was hat Ihre Frau denn dazu gesagt?

Sie hat sich natürlich gefreut. Uns wurde aber auch schnell bewusst, dass wir da gemeinsam einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Wir freuen uns beide drauf.

Was werden Sie in den kommenden Tagen, nach diesen anstrengenden Wahlkampfwochen, machen?

Versuchen, mir ein paar mehr Auszeiten zu nehmen. Es gibt allerdings auch einige Fastnachtstermine für mich, auf die ich mich sehr freue. Kurz vor Amtsantritt fahren wir nochmal weg.

Haben Sie denn im Wahlkampf gespürt, dass sich die Stimmung zu Ihren Gunsten dreht?

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Für Müller ein Desaster

In den letzten ein, eineinhalb Wochen vor der Wahl haben wir eine deutliche Wechselstimmung registriert. Gerade nach dem letzten Duell in Dietesheim haben wir gespürt, dass die Bürgermeisterwahl immer mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Aber ich habe nie damit gerechnet, dass das Ergebnis so deutlich ausfällt.

Teilen Sie die Ansicht, dass die Mühlheimer eher den alten Bürgermeister abgewählt haben, als dass man bewusst für Sie votiert hat?

Beides ist richtig, Einerseits habe ich es schon geschafft, deutlich über 5000 Stimmen zu bekommen. Das zeigt, dass sich viele Menschen bewusst für mich ausgesprochen haben. Andererseits hat Müller es aber auch nicht geschafft, sein Klientel zu mobilisieren. Er hat 1500 Stimmen verloren. Das ist ein Hammer.

Bilder der Bürgermeister-Wahl

Bürgermeisterwahl in Mühlheim

Was werden denn die ersten Dinge sein, die Sie ab Juli im Rathaus ändern möchten?

Wir brauchen einen Kassensturz. Wie ist die Situation im städtischen Haushalt, in den städtischen Gesellschaften? Den Stadt-Etat kennen wir nicht, weil der Bürgermeister den Haushalt erst nach den Kommunalwahlen Ende März beraten lassen will. Einen entsprechenden Antrag hat er eingebracht.

Wird es denn im Rathaus, möglicherweise bei den städtischen Gesellschaften nach dem Amtswechsel auch personelle Veränderungen geben? Müssen sich jetzt Mitarbeiter Sorgen machen?

Ich freue mich, mit der Mannschaft loszulegen, die ich vorfinde. Die bürgerliche Kooperation will zehn Stellen streichen, ich will ein nachhaltiges Personalentwicklungskonzept.

Die Biogas-Anlage soll im Sommer in den Probelauf gehen. Können und wollen Sie das Projekt noch stoppen?

ESM-Aufsichtsratschef Müller ist abgewählt worden. Ich möchte jetzt eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe gründen, die alle Fakten bespricht und dann zu einer Entscheidung kommt, wie es weitergeht. Alle Fakten müssen auf den Tisch.

Sind Sie deshalb jetzt für einen Baustopp?

Ja, definitiv.

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