Kreis senkt Prognose: 36 statt 55 neue Migranten pro Monat

Ein Blick ins Mühlheimer Flüchtlingszelt

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Gestern Vormittag im Flüchtlingszelt: In den Kabinen rechts und links der Gänge gibt es Schlaf- und Aufenthaltsplätze. Andere Zelte und Container enthalten weitere Infrastruktur.

Mühlheim - Die ersten Flüchtlinge werden das Zelt neben dem Bürgerhaus am Dienstag beziehen. Gestern Vormittag gab es in der Zwischenlösung, die Mühlheim mangels freien Plätzen in festen Unterkünften für Asylbewerber aufgestellt hat, eine offizielle Begehung.

Am Nachmittag war dann jedem Bürger ein Blick möglich. Hunderte kamen. Bis zum Herbst wird das in den letzten Tagen für 100 Menschen eingerichtete Zelt neben der Willy-Brandt-Halle einige Wochen lang die erste Bleibe jedes neu ankommenden Flüchtlings in Mühlheim sein. Der Kreis Offenbach hat der Stadt für nächsten Dienstag die Ankunft von 52 Menschen angekündigt. Darunter acht Familien, eine mit acht Mitgliedern, und acht Alleinreisende. Die große Zahl muss erklärt werden: Zum einen, sagt Mühlheims Erste Stadträtin Gudrun Monat, schwanke die Zuweisung von Woche zu Woche. Auch, weil im Kreis bisweilen Städte Neubürger aufnehmen, wenn andere gerade keinen Platz haben. Im Gegenzug bekommen sie später weniger. Unterm Strich habe Mühlheim aber wie bisher 7,4 Prozent aller Flüchtlinge, die vom Erstaufnahmelager in Gießen zum Kreis geschickt werden, rechnet Bürgermeister Daniel Tybussek vor.

Zum anderen handelt es sich um eine besondere Situation. Denn am 8. Februar, wenn nach dem wegen seines 125-Jahre-Jubiläums größten Rosenmontagszug aller Zeiten in und vorm Bürgerhaus die Narren beim Zugrummel feiern, wird es keine Zuweisung geben. „Das wäre nicht miteinander vereinbar gewesen“, sagt Tybussek. Bisher hatte Mühlheim, das aktuell rund 300 Flüchtlinge beherbergt, mit 55 weiteren pro Monat gerechnet. Diese Zahl hat der Kreis in dieser Woche auf 36 reduziert. Der Rückgang der Flüchtlingszahlen in den Wintermonaten wird mittlerweile also auch in den Kommunen spürbar. Das könne sich aber ganz schnell wieder ändern, verweist Tybussek auf Unplanbarkeit.

„Zeit zum Durchatmen“

So oder so verhelfe die Kombination aus erstmal geringerer Zuweisung und dem Zelt jetzt zunächst zu etwas „Zeit zum Durchatmen“, ergänzt Monat. Anders als in den letzten Monaten. Da hatte die Stadt regelrecht Angst vor den Anrufen vom Kreis. Denn der Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen, standen zum Schluss keine Plätze mehr gegenüber. Deshalb hat die Stadt das Zelt auch aufstellen lassen - weil alle bisherigen Unterkünfte voll, private Räume selbst gegen gute und sichere Bezahlung kaum zu kriegen und neue Bauten noch nicht fertig sind.

Mit einigen Wochen im dank dreilagigen Wänden und Ölheizung winterfesten Provisorium am Bürgerhaus müssen die Asylbewerber rechnen. Wenn das Wetter mitspielt, wird die Leichtbauhalle für 64 Menschen auf dem Sporthallen-Parkplatz an der Dieselstraße im Lauf des März die erste Alternative sein. Dann sollen Flüchtlinge vom Zelt dorthin ziehen und Platz für Neuankömmlinge machen. Das ist logistisch aufwändig für die Stadtverwaltung, aber fairer für die Menschen.

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Von richtigen Zimmern kann frühestens im Mai die Rede sein. Dann soll der Umbau eines gemieteten ehemaligen „manroland“-Bürokomplexes an der Borsigstraße für 110 Menschen fertig sein und perspektivisch auch eine Ehrenamtszentrale aufnehmen. Das Wohnbau-Domizil für 80 Flüchtlinge an der Schillerstraße, die städtischen Modulbauten am Südring-Friedhof (180 Flüchtlinge) und bis zu zehn später für normale Wohnungen nutzbare mehrstöckige Holzhäuser entlang der Anton-Dey-Straße (zusammen mehr als 450 Flüchtlinge) sollen im Lauf des Jahres folgen.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass der Kampf der Stadtverwaltung um die Anmietung von privatem Wohnraum noch nicht verloren ist: Es sei der Stadt doch noch gelungen, sich zwei Objekte zu sichern. Sie würden momentan an die Bedürfnisse von Flüchtlingen angepasst. In einem sollen 16 Menschen leben, im anderen zehn.

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