Boby W. ist weg vom Fenster

Mühlheim - Es gibt Formulierungen, die haben nie Gutes zu bedeuten. Wenn es von offizieller Seite über einen Menschen heißt, er sei „zuletzt wohnhaft in. . .“ gewesen, lässt das nur zwei Schlüsse zu. Von Marcus Reinsch

Er ist wie vom Erdboden verschluckt und wird nun von Familie, Freunden oder Pflegeheimleitung schmerzlich vermisst. Oder er hat seinen Wohnsitz unfreiwillig an eine Adresse verlegt, die niemand gerne aufs Visitenkärtchen druckt. Boby W. , 23 Jahre und „zuletzt wohnhaft in Mühlheim“, zählt zur zweiten Sorte. Falls es nicht klappt mit seiner Revision, wird der Mann vier Jahre und drei Monate im Gefängnis leben. Und vermissen dürfte ihn draußen nun wirklich niemand.

Die 15. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt hat Boby W. verurteilt, weil er seit Juli 2009 mal allein, mal mit seinem nach dem Spruch von Richterin Julia Wulfmeyer für drei Jahre wegzusperrenden Komplizen Ismail G. 29 Wohnungen und Häuser als Einbrecher heimgesucht hat. Viele Domizile auf der Liste der Staatsanwaltschaft befinden sich in Mühlheim, andere in Heusenstamm, Rodgau, Langen, Seligenstadt, Bruchköbel, Frankfurt.

Vor Gericht gestanden beide ihre Taten

Festgenommen wurde Boby W. am 30. März vergangenen Jahres in Frankfurt. Da hatten Fahnder Ismail G., 24, ertappt, und der hatte seinen Mühlheimer Kumpan dankbarerweise sogleich verpfiffen. Vor Gericht gestanden beide ihre Taten. Ebenso wie Pelin D., 31. Die Offenbacherin kassierte ein Jahr und elf Monate Haft auf Bewährung plus 150 Arbeitsstunden, weil sie für ihre Komplizen geklauten Schmuck aufbewahrt und mindestens acht mal Geschmeide als Geschenk angenommen hat, obwohl sie dessen Herkunft kannte.

Beispielsweise die wertvolle Perlenkette, die der bisher als wohnsitzlos geführte Ismail G. am 6. Oktober 2009 erbeutete, als er in der Lämmerspieler Sudetenstraße die gekippte Balkontür einer Wohnung als Einladung zum Einbrechen fehldeutete.

Mühlheim erschien offenbar besonders attraktiv

Boby W. und Ismail G. waren wählerisch. Von den Tatorten schleppten sie nur fort, was leicht zu schleppen war, in der Regel Bares, Schmuck, EC-Karten. Mühlheim erschien da offenbar besonders attraktiv. 9. Februar 2010: Einbruch in ein Haus in der Dietesheimer Bischof-Kaiser-Straße - Schmuck und Computer weg. 4. Februar 2010: Einbruch in eine Erdgeschosswohnung in der August-Bebel-Straße - Schmuck für 1200 Euro, 300 Euro Bargeld. 29. März 2010: Einbruch in der Schillerstraße - Schmuck für 5000 Euro, 700 Euro bar. 17. Dezember 2009: Alter Frankfurter Weg, Doppelhaushälfte, Kellerfenster eingetreten, Schmuck für 2400 Euro, 420 Euro in Scheinen. Die Liste lässt sich fortsetzen, bis unter dem Strich mindestens 110.000 Euro Schaden stehen.

Und nun kommt die Akkord-Täter selbst teuer zu stehen, dass sie offensichtlich unvorsichtig waren. Ismail G. zum Beispiel ist jetzt ein versuchter Einbruch nachzuweisen, bei dem er am 18. Dezember 2009 gestört wurde. Ihm gelang damals die Flucht. Ebenso wie seinem mutmaßlichen Komplizen. Den kennt die Polizei auch schon gut als einen Mehrfach-Intensivtäter. Es ist Mike W., Bobys Bruder.

Rubriklistenbild: © dpa

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