Es brodelt am Kulturvulkan

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Das Schanz ist ein Kulturvulkan, der immerzu bebt und brodelt - wie kürzlich bei der Party „We love Dorfdisco“.

Mühlheim - Kulturelle Glückseligkeit ist immer eine Frage der Definition. Manche Kleinstadt beispielsweise ist schon zufrieden, wenn auf ihrem Gebiet ab und zu ein Einzelakteur für eine kleine kreative Eruption sorgt. Von Barbara Hoven

Mühlheim unterdessen muss sich mit solchen Ansprüchen nicht bescheiden. Die städtische Kulturarbeit arbeitet stabil, die Vereinsvielfalt trägt ihren guten Teil bei. Und mit dem Schanz hat die Stadt einen geradezu hyperaktiven Kulturvulkan, der immerzu bebt und brodelt. 6000 Leute ließen sich im vergangenen Jahr allein zu den Veranstaltungen locken. Wie aber lässt eine Stadt den in finanzielle Bedrängnis geratenen Akteuren der Institution im Gewerbegebiet Hilfe zukommen, ohne dass andere Vereine beim Ruf nach Gleichberechtigung bei der Förderung explodieren?

Ausschusssitzung hat einige Zuhörer angelockt

Die Frage muss bald beantwortet werden. Denn der scheidende Bürgermeister Bernd Müller (CDU) will vom Stadtparlament die Zustimmung für seinen Haushaltsantrag, dem „kulturfabrik eigenArt e.V.“ als Keimzelle des Schanz künftig 40 .000 Zuschuss-Euro pro Jahr aus der Stadtkasse zu zahlen. Eine schwierige Entscheidung, wie schon die Diskussion im Kulturausschuss am Dienstagabend zeigte.

Dass das Schanz ein kulturelles Vorzeigeprojekt für die Mühlenstadt sei, das Lob und Anerkennung verdiene, darüber herrschte erwartungsgemäß Einigkeit im Saal. Dennoch war klar: Die Beantwortung der Frage, wie die Fraktionen mit diesem Antrag, dem siebten Tagesordnungspunkt auf der politischen Speisekarte des Ausschusses, umgehen würden, versprach Spannung. Kein Wunder also, dass die Ausschusssitzung vor allem aus den Reihen des Schanz-Teams einige Zuhörer angelockt hatte.

Die Redebeiträge, die sie zu hören bekamen, drehten sich dann fast weniger um den Inhalt des Antrags, als vielmehr darum, warum dem Bürgermeister der erhöhte Zuschussbedarf der Kulturstätte erst ausgerechnet jetzt, kurz vor Ende seiner Amtszeit, aufgefallen sei. Und um die Frage, welche Wirkung ein Ja zum Antrag auf andere Gruppen und Vereine der Stadt haben werde.

„Es wird immer enger“

Folglich gab´s am Ende auch keine Beschlussempfehlung vom Ausschuss. „Alle wollen zunächst Gespräche führen mit den Schanz-Vertretern und mehr Informationen sammeln, um fundiert darüber entscheiden zu können“, fasste Matthias Müller (SPD), der als frisch gewählter stellvertetender Ausschutzvorsitzender die Sitzung leitete, zusammen.

Ohne städtische Streicheleinheiten ist das Schanz indes auch bisher nicht ausgekommen. Allerdings gibt’s seit Mitte 2006 mit 6 500 Euro deutlich weniger, als Müller nun vorschlägt. Zu wenig, da herrscht weitgehend Einigkeit.

Ebenso wie darüber, dass das Schanz Hilfe braucht. Seit 13 Jahren gibt es den Kulturtempel schon. In dieser Zeit hat sich für die Macher so Manches verändert. „Wir sind familiär und beruflich inzwischen soweit eingebunden, dass die Ressourcen nicht mehr so fürs Schanz zur Verfügung stehen, wie das in den vergangenen Jahren der Fall war“, erklärt Schanz-Mann Marc Goss, Mitglied im Vorstand von „eigenArt e.V.“, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es wird immer enger“. Wichtig sei für das Team vor allem, die Kosten von 80. 000 Euro unterzukriegen, die die Immobilie im Jahr verursache - eine Entlastung, um in der Planung des kulturellen Bereichs „etwas weniger existenziellen finanziellen Druck“ zu haben.

„Ohne die Möglichkeit, externe Ressourcen zu generieren und zu bezahlen, ist das Projekt bereits in naher Zukunft finanziell nicht mehr tragfähig - und von den Ehrenamtlichen zeitlich nicht mehr zu leisten“, schreibt auch der Bürgermeister in den Antrags-Erläuterungen. Daher müsse die finanzielle Förderung des Vereins dem kulturellen Stellenwert angemessen gestaltet werden, um das Angebot mittelfristig zu sichern.

Außerdem weist Müller auf eine ungewöhnliche Situation hin: Während üblicherweise in Hessen die kommunale Förderung einer Kulturstätte die Landesförderung um das Vier- bis Fünffache übersteige, sei Mühlheim die einzige Ausnahme. 9000 Euro gab das Land zuletzt, die Stadt aber nur besagte 6500 Euro. Folglich verlange das Land, dass die Stadt mehr beisteure, da sie ja auch vom Angebot profitiere.

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