Brückenmühlparkplatz: Akkus lassen sich einschließen

Gratis-Saft aus Ladestation für Elektroräder

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An der der Pedelec-Station fließt kostenlos er Strom in den vor Diebstahl gesicherten Akku. Von rechts: Roland Pajunk, Daniel Tybussek, Wolfgang Kressel und Yavuz Altiok.

Mühlheim - Wer mit seinem Elektro-Rad ins Zentrum von Mühlheim fährt, um etwa donnerstags über den Markt zu schlendern, kann die Zeit nun nutzen, um seinen Akku aufzuladen. Von Stefan Mangold 

Der Vorteil liegt gleich doppelt auf der Hand: Zum einen gibt‘s den Strom für lau, zum anderen bleibt die wertvolle Batterie vor Dieben geschützt.
Nagelneu auf dem Brückenmühlparkplatz: Bürgermeister Daniel Tybussek und Stadtwerkechef Wolfgang Kressel, der Stadtwerke-Projektentwickler Yavuz Altiok und Roland Pajunk vom Bike Center Obertshausen haben eine Pedelec-Ladestation eingeweiht. Die besteht nicht einfach nur aus ein paar Steckdosen. Großer Vorteil: Der Akku steckt während des Ladevorgangs in einem abschließbaren Fach. Und wer sein E-Bike hier auflädt, muss wie schon für den Saft aus der Elektroauto-Station ein paar Meter nebendran nichts bezahlen.

Für die großen Vehikel war der Ladeschrank schon 2015 in Betrieb gegangen (wir berichteten). Im letzten Jahr wurden dort 3600 Kilowattstunden gezogen. Damit lassen sich rund 30.000 Kilometer fahren. Richtig viel ist das nicht. Aber die beiden Stationen versteht Kressel eben auch als Pilotprojekt, für das es nicht lohne, irgendwelche komplexen Abrechnungssysteme zu installieren.

Einen Kleinwagen aufzuladen, dauert etwa zwei Stunden. Beim E-Rad geht’s natürlich schneller. Wer zum Markteinkauf noch einen Kaffee trinkt, der kann danach wieder bis zu 160 Kilometer durch die Region kurven. So viel schafft ein moderner Akku nach einer halben Stunde am Netz, klärt Roland Pajunk auf.

Der 53-Jährige sieht nicht so aus, als fahre er selbst E-Bike. Das liegt daran, dass die meisten so ein Elektrogefährt immer noch eher mit älteren Semestern verbinden oder mit Zeitgenossen, die vielleicht mit ein paar Kilo zu viel auf den Hüften die Hügel nicht mehr so behände wie gewünscht hochrollen. Pajunk agiert jedoch nicht nur als Geschäftsführer des Bike Centers, sondern auch als der einer Kommunikationsagentur in Frankfurt. Und dorthin fährt er tatsächlich täglich mit dem Elektro-Velo. „Ich kann da nicht fertig und verschwitzt auftauchen“, begründet der sportliche Mann, warum er die Assistenz der Elektrokraft nutzt.

Bilder: Kerb in Mühlheim

Kressel sieht in der Ladestation auch ein Mittel, den Leuten eine Alternative zum Auto zu bieten. Eine größere Schnellladestation ist an der B43 geplant, worüber Yavuz Altiok gerade seine Bachelor-Arbeit schreibt. Der Elektroniker für Betriebswirtschaft fing 2004 mit seiner Ausbildung bei den Mühlheimer Stadtwerken an, absolvierte parallel zur Arbeit auf dem Abendgymnasium in Offenbach das Abitur und studiert wiederum neben der Arbeit E-Technik an der Technischen Hochschule in Darmstadt.

Das Geld, das der Elektro-Radfahrer spart, wenn er die neue Pedelec-Station nutzt, bringt ihn finanziell nicht entscheidend voran. „Das macht vielleicht 15 Cent pro Ladevorgang aus“, rechnet Kressel vor.

Roland Pajunk beobachtet, dass viele leichten Herzens ihr E-Bike aus der Garage holen, die früher tausend Ausreden nutzten, auf keinen Fall aufs Rad zu steigen. Bürgermeister Tybussek wird der Mühlheimer dennoch nicht so schnell an der Station einen Akku aufladen sehen. Ein E-Bike kommt für den 40-Jährigen auf längere Sicht nicht in Frage, „wenn, dann fahre ich mit dem normalen Rad ins Rathaus“.

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