Unternehmerfrühstück der Firma Kramwinkel

Brummende Wirtschaft

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Mit Herz und Hand dabei: Wolfgang Kramwinkel zeigte den Besuchern beim Unternehmerfrühstück die Schreinerei.

Mühlheim - Erstmals führte das Unternehmerfrühstück der Sparkasse Langen-Seligenstadt die Netzwerker gestern zur Firma Kramwinkel. Der Geschäftsführer Wolfgang Kramwinkel gewährte dabei Einblicke in die Schreinerei. Von Christian Wachter 

Wer über prekäre Arbeitsverhältnisse oder Altersarmut sprechen möchte, müsste an diesem Morgen wohl etwas länger nach einem geeigneten Gegenüber suchen. Denn die Gesprächsfetzen, die durch das Zelt wabern und auch die Reden beim Unternehmerfrühstück ließen sich wohl am ehesten unter einem ganz anderen Begriff subsumieren: läuft. Die Einladung der Sparkasse Langen-Seligenstadt hatte die netzwerkaffinen Besucher diesmal in die Räume der Firma Heinrich Kramwinkel in Mühlheim geführt. Das Familienunternehmen ist eine Institution im Ort. Nicht nur, weil die Schreinerei seit 60 Jahren in der Mühlenstadt ansässig ist, sondern auch, weil sie mit Wolfgang Kramwinkel einen Geschäftsführer hat, der Fastnacht und Kerb seinen Stempel aufdrückt. Für manche, sagt Kramwinkel bei der Begrüßung, sei acht Uhr ja früh am Morgen. „Als Handwerker ist man’s gewohnt“.

Als Landrat Oliver Quilling übernimmt, spricht er von der guten Stimmungslage, davon, dass man „statistisch eine Vollbeschäftigung“ habe, „die Wirtschaft brummt“. Für Bürgermeister Daniel Tybussek ist die Firma Kramwinkel eines der Unternehmen, die man schätze. „Ehrenamtlich aktiv, Unterstützer der Feuerwehr“. Und schließlich könne man mit den Gewerbesteuern, die in der Stadt fließen, viele Dinge finanzieren, die früher nicht möglich gewesen seien.

Dennis Kern, Vorsitzender der Handwerksjunioren, die neben der Wirtschaftsförderung und der IHK Offenbach ebenfalls zu den Einladenden gehören, weißt auf die Herausforderungen der Digitalisierung hin. „Es geht nicht darum, einfach nur ein Rohr zu verlegen, alles ist vernetzt, eine Heizung lässt sich inzwischen auch aus der Ferne ausschalten“. Ein Experte für nämliche Triebe moderner Kommunikation steht nur einige Meter weiter. Maximilian Matthes ist Fachinformatiker der Mühlheimer GmbH „net-wb“. „In kleineren Unternehmen heißt das aber eher Mädchen für alles“, sagt der 22-Jährige grinsend. Mit 16 sei ihm klar gewesen, dass ein längerfristiger Schulbesuch nicht das Seine ist. „Ich habe meine Ausbildung bei der Stadt Frankfurt gemacht, ein Glück, das sie auch Realschüler genommen hat, das ist selten.“ Danach habe es ihn in die freie Wirtschaft gezogen. Heute ist er Teamleiter, bildet selbst aus. Es sei nicht immer einfach, Firmenchefs zu erklären, warum es sich lohne, viele Tausend Euro in die IT zu stecken. „Manche denken auch: ‘Ich habe vor acht Jahren etwas gemacht, das muss reichen"“. Dabei sei eine IT-Infrastruktur oft hochkomplex. „Vieles ist vernetzt, manchmal reicht es, dass jemand etwas an einem Drucker verstellt, damit andere Geräte ausfallen.“

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Währendessen beginnen Wolfgang Kramwinkel und sein Sohn Florian, ebenfalls Geschäftsführer, die Gäste über das 2000 Quadratmeter große Firmengelände zu führen. Es geht vorbei an großen Apparaturen mit horizontalen Plattensägen, einer Anleimmaschine und den Mitarbeitern, die fürs Fräsen, Bohren und die Löcher zuständig sind, die sich akkurat auf einem Regalbrett aneinanderreihen. In der einen Ecke nehmen für Kitas bestimmte Wickeltische nach und nach Form an, in der anderen eine Inneneinrichtung, die bald in Hotelzimmern stehen wird. In einer Schreinerei, sagt Wolfgang Kramwinkel, müsse man aber wirklich aufpassen mit ebenen Flächen: „Da wird sofort etwas draufgepackt“. Kramwinkel spricht die Mitarbeiter an denen er vorbeiläuft – insgesamt sind es 45 in der Firma – grundsätzlich mit Namen an. Es sei ihm wichtig, jeden zu kennen, betont er, jedem anständig einen guten Morgen zu wünschen.

Kaum mehr ein Thema ist bei den Kramwinkels indes der Schwelbrand im Holzspäne-Silo Mitte März. Dabei sei der Brandgeruch im ersten Moment ein Schock gewesen, schließlich hätte eine Staubexplosion die Wände zum Bersten bringen können. Und einfach Löschen konnte man die Späne auch nicht. „Sie wären aufgequollen, hätten gegen die Wände gedrückt.“ Der Sachschaden sei aber am Ende gering ausgefallen. „Wir hatten zwei Tage Stillstand, das hätte schlimmer kommen können“.

Dass er ins Unternehmen einsteigt, hat Florian Kramwinkel nie wirklich infrage gestellt. „Ich habe ihn jedenfalls nicht gezwungen“, meint sein Vater. „Es gab eigentlich keinen anderen Plan, während andere früher in den Ferien unterwegs waren, habe ich mit hier schon ein Taschengeld verdient“, sagt Florian Kramwinkel.

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