Das Nähkästchen ist eröffnet

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Daniel Tybussek und Karl-Christian Schelzke

Mühlheim (hov) - Verkehrte Welt! Normalerweise sitzt man Bürgermeister Daniel Tybussek als Pressemensch mit Fragen zu heiklen Themen gegenüber und hofft auch manchmal vergeblich, dass er nicht dicht machen wird.

Aber ausgerechnet jetzt, da Dichtmachen wirklich mal praktisch wäre, weil manche besonders sensiblen Dinge tatsächlich nicht allzu viel vom mal ersehnten, mal gefürchteten Licht der Öffentlichkeit vertragen, hat der Mann keine Zeit für die vorgeschlagene Verdunklung. Doch die Lamellenrollos dieses Büros hier müssen geschlossen werden, damit die grelle Wintersonne beim Fotografieren keine komischen Streifen auf sein Gesicht malt. Für Karl-Christian Schelzke - Tybusseks Vorvorgänger auf dem Bürgermeistersessel, seitdem Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes und nun Gastgeber dieser skurrilen Begegnung - gilt das auch. Ein paar Monate, nachdem er in unserer Zeitung als Kenner der Materie Erhellendes zu Licht und Schatten des Mühlheimer Karnevalisten-Daseins zu Protokoll gegeben hat, hat er auch wieder was zu sagen. „Besser gestreift als kleinkariert“, murmelt er freundlich vor sich hin, macht das Rollo runter und erzählt, was er sich eigentlich dabei gedacht hat, zusammen mit dem Daniel als „1. Mühlheimer Bürgermeisterkabarett“ antreten zu wollen.

Eine etwas andere Form der Fastnacht

Das Gastspiel bei der Sonnau-Fastnachtssitzung am 27. Januar wird der erste kabarettistische Auftritt des sozialdemokratischen Duos. Motto: „Jetzt erst recht!“. Gemeint ist damit aber weniger die Politik und mehr die Sonnau. Denn nach dem Austritt der kompletten Tanzsportabteilung im vergangenen Jahr war lange nicht klar, wie´s mit der traditionsreichen Tanz- und Karnevalsgesellschaft weitergeht. Also machte sich Sonnau-Chef Schelzke auf die Suche nach einer Nische, nach „einem Brüller“ für den Neuanfang. „Man kann einen über 100 Jahre alten Verein doch nicht einfach aufgeben“, sagt er. Da lag für den 62-Jährigen, der als Direktor eines kommunalen Spitzenverbands bisher mehr als 400 Bürgermeister beraten hat, der Gedanke an ein Bürgermeisterkabarett nahe. Das sei zugegebenermaßen „eine andere Form der Fastnacht“. Aber er habe Hoffnung, dass die ankomme.

Und der Daniel Tybussek, der macht mit. „Der Karl-Christian hat mich gefragt, ich sagte flüchtig ja, und dann stand´s plötzlich auf den Plakaten“, lacht Tybussek. Dann - „nein, ernsthaft jetzt“ - versichert er, dass er gerne dabei sei, „weil ich seit Jahren eine enge Beziehung zur Sonnau habe und dort schon 2005 in der Bütt stand“.

Bürgernahe Themen sollen‘s sein

Die Themen, die das Gespann aufgreift, wollen nah am Alltag der Mühlheimer sein. Die sollen nicht nur gut unterhalten werden, sondern auch Einblick bekommen in die Welt eines Rathauschefs. Das Nähkästchen ist also eröffnet. Für Tybussek Gelegenheit, zu zeigen, wie menschlich der Job des Bürgermeisters ist. „Man sitzt nicht im goldenen Turm, sondern es sind die kleinen Dinge des Alltags, die die Leute beschäftigen, die man ernst nehmen muss und mit denen jeder zu mir kommen kann“.

Eine gute Viertelstunde werde das Zwiegespräch dauern, bei dem die beiden über Themen wie Fluglärm, Biogas und mehr plaudern. Vielleicht sogar singen. Und wenn´s ankomme könne man sich eine Wiederholung durchaus vorstellen, vielleicht sogar mit einem dritten Bürgermeister, sagt Schelzke. „Bernd Müller etwa wäre uns herzlich willkommen.“

Bei der Fastnachtssitzung im „Rothe Warthe“-Saal soll aber auch die traditionelle Sonnau-Fastnacht nicht vernachlässigt werden. Dazu haben sich Schlagersänger Andy Sommer und Bauchredner Andy Franz, neue Büttenredner und altbekannte wie Jens Niklaus oder Hans-Dieter Seydel angekündigt. Musik macht Richard Kress. Beginn am Freitag, 27. Januar, ist um 19.11 Uhr. Karten kosten neun Euro und sind zu haben im Mühlheimer Buchladen. Der Saal wird um 18 Uhr geöffnet.

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