Was wollen die?

Bundestagskandidaten am Friedrich-Ebert-Gymnasium

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Die hiesigen Bundestagskandidaten stellten sich den Fragen der Oberstufenschüler des Friedrich-Ebert-Gymnasiums. Von links: Björn Simon, Karl-Richard Krüger, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Tuna Firat und Christine Buchholz.

Mühlheim - In vielen Staaten der Welt sind freie Wahlen kaum mehr als Alibiveranstaltungen. Deutschland darf sich da was einbilden – ohne Klinkenputzen und Überzeugungsarbeit ist für kaum einen Kandidaten was drin. Zum Beispiel in Mühlheims Friedrich-Ebert-Gymnasium. Von Stefan Mangold 

Da ließen sich hiesige Anwärter von Elft- und Zwölfklässlern löchern. Wie es sich vor dem Bundestag redet, das wissen Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (Grüne) und Christine Buchholz (Die Linke) bereits. Björn Simon (CDU) kennt sich ebenfalls aus. Er arbeitete dem Obertshausener Abgeordneten Peter Wichtel zu, bevor er ihn nun als Kandidat beerben will. Tuna Firat (SPD) möchte dem Christdemokraten das Direktmandat streitig machen. Und die auf den Wiedereinzug hoffende FDP geht mit Karl-Richard Krüger ins Rennen. Bei der Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl im Friedrich-Ebert-Gymnasium stellt sich anfangs Björn Simon vor. Er benennt Infrastruktur und Wirtschaft als seine Schwerpunkte, dazu die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Mit seinem Slogan „Die sozialste Politik ist die, die Arbeit schafft“, variiert Simon, wie auch andere Politiker, einen Spruch aus der Denkfabrik „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“.

Als die beste Bildung betrachtet Karl-Richard Krüger jene, „die einem die besten Chancen am Arbeitsmark ermöglicht“. Er schlägt etwa vor, „Lehrer sollten ebenfalls immer wieder die Schulbank drücken, um in Teilbereichen nicht von Schülern abgehängt zu werden.“ Wolfgang Strengmann-Kuhn benennt die Sozialpolitik als seinen Schwerpunkt. Der Abgeordnete erzählt von seiner Kindheit in Duisburg als Sohn eines Stahlkochers, „es stank, und der Rhein war vergiftet“. Ein Grund, warum er den Grünen beigetreten sei.

Tuna Firat betont ebenfalls seine Arbeiterherkunft: „Ich war der erste in meiner Familie, der Abitur hatte.“ Firat wiederum ergänzt, „sozial ist, was gut bezahlte Arbeit schafft“. Dazu gehöre nicht, als Schichtarbeiter mit 1300 Euro netto heim zu gehen. Aus dessen SPD trat Christine Buchholz 1999 aus, „weil Rot/Grün während der Kosovo-Krise die Bundeswehr in den Krieg befahl“. Von ihrer Skepsis, was militärische Einsätze betrifft, spricht Buchholz auch beim Thema Sicherheit: „Seit der Krieg gegen den Terror 2001 begann, gibt es viel mehr Terroristen.“

Beim Thema Terrorbekämpfung und Sicherheit setzt Björn Simon auf Videoüberwachung. Die habe etwa bei Gewalttaten in Berlin geholfen, die Täter zu ermitteln. Strengmann-Kuhn entgegnet, Videoüberwachung verhindere keinen Terror, „die wollen ihre Tat doch publizieren“. Die Rolle der Geheimdienste sei zu hinterfragen. Anis Amri, den mutmaßlichen LKW-Attentäter von Berlin, hätten die Ermittler längst auf dem Schirm gehabt, „warum wurde der nicht verhaftet, warum nicht abgeschoben?“ Strengmann-Kuhn spricht auch die unscharfe Rolle des Verfassungsschutzmitarbeiters an, der sich zeitgleich in dem Internet-Café aufhielt, wo der NSU letztmals mordete.

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

Was „soziale Gerechtigkeit“ betrifft, sind sich Björn Simon und Karl-Richard Krüger recht einig. Beide halten den Begriff für „subjektiv verortet“. „Das entspringt einer Märchenstunde“, bringt Tuna Firat ein wenig Würze aufs Podium, „Rentner, die Pfandflaschen sammeln müssen, sind objektiv arm“. Christine Buchholz plädiert für einen Mindestlohn von 12 Euro, damit später eine Mindestrente von 1050 Euro bleibt. Strengmann-Kuhn redet neben der Garantierente nach schwedischem Vorbild der Bürgerversicherung das Wort.

Beim Thema Europa erzählt Buchholz von der Begegnung mit einem Krankenhausarzt in Athen, dessen Gehalt bei nur 1000 Euro liege, „der aber seit neun Monaten keinen Cent überwiesen bekam, eine Folge der EU-Sparvorschriften“. Simon sieht in der EU ein politisches Sprachrohr, „außerdem gehen 60 Prozent unserer Exporte in die Union“. Nach Fukushima plädieren beim Thema Energie auch keine Vertreter von CDU und FDP mehr für Kernenergie. Was die Legalisierung von Cannabis betrifft, herrscht überraschenderweise allgemeines Dafür. Strengmann-Kuhn warnt aber vor Psychosen. Karl-Richard Krüger erklärt, dass Kiffen unter 25 Jahren üble Folgen haben kann, „weil die kognitive Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist“. Auch Björn Simon ist für eine Legalisierung, „aber ich weiß, die Mehrheit meiner Partei sieht das anders“.

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