Bunte Bikes und eine Bluse

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Beim Besuch im Fundkeller des Rathauses zeigt Brigitte Kaiser unserem Fotografen Michael Prochnow das „Vatertagsrädchen“.

Mühlheim (M. ) - Das „Vatertagsrädchen“ dürfte der Renner werden. Das rosafarbene Lauf-Fahrrad ist noch gut in Schuss. Den Spitznamen hat es von Brigitte Kaiser und ihren Kollegen im Fundbüro bekommen.

„Da kann man auch nach ein paar Bierchen nicht tief fallen“, scherzt die Verwaltungsfachangestellte im Rathaus. Ab heute, 18 Uhr, können das Rädchen und 34 weitere Drahtesel unter 43 Fundsachen im Internet ersteigert werden.

Vorbei sind die Zeiten, als ein städtischer Mitarbeiter auf dem Parkplatz der Zulassungsstelle den Hammer schwang, Kollegen die Fundstücke in die Höhe stemmten. Der Meistbietende im Pulk vor dem Pult zahlte bar und nahm die erworbene Ware gleich mit.

Einzig bei der Bezahlung hat sich nichts geändert. Wer nun einen virtuellen Zuschlag erhält, muss ebenfalls Münzen oder Scheine mitbringen. Heute können Interessierte die Auswahl aus dem Fundsachen-Fundus der Stadt jedoch in Ruhe im weltweiten Netz betrachten. „Ich sag’ den Leuten immer dazu, dass sie nicht damit rechnen sollen, mit so einem Rad nach Hause fahren zu können“, erzählt Kaiser. Denn mindestens ein halbes Jahr lang standen alle Räder in einem engen Kellerraum nahe der Schilder-Prägerei.

Seit 2005 gibt es in Mühlheim diese Form der Versteigerung

Das rosa Kinderrädchen ist für einen Startpreis von zehn Euro zu haben. Die Tourenräder starten bei 30 und 35 Euro, das nobel ausgestattete Mountainbike ist mit 150 Euro eingestellt. Ansonsten gibt´s diesmal zwei Handys im Set, Brillen, Uhren und eine Damenbluse. Und so funktioniert das System: Der Preis sinkt anfangs alle paar Minuten um einen Cent, später schneller und in größeren Schritten. Der niedrigste Preis ist immer ein Euro.

Seit 2005 praktiziert die Mühlenstadt diese Form der Versteigerung. „Früher haben die Männer schon mal 400 Euro reingeholt“, weiß Brigitte Kaiser, „aber die Stadt musste mehr als 500 Euro für die Überstunden bezahlen.“ Heute kommt zwei, dreimal im Jahr ein Mitarbeiter der Firma GMS aus Schüttdorf bei Köln, macht Fotos von den Fundstücken und beschreibt sie mit den Preisen, die vom Fundbüro vorgegeben werden. Das Unternehmen erhält einen Anteil am Umsatz, die Rathaus-Mitarbeiter müssen keine Sonderschichten mehr einlegen. Die Fundstücke sind auf den Seiten sonderauktionen.net und e-fund.eu zu sehen. Auf die Liste gelangt man auch über die Homepage der Stadt. Gekauft werden kann ab heute, 18 Uhr, bis Sonntag, 17. April.

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