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Kuchen nicht nur für Mühlheimer – Café Kinnel eine Institution in der Stadt

Bekannt für seine Kuchen und Torten: Markus Kinnel ist nicht nur Konditormeister, sondern auch Koch, Hotelkaufmann und Diplom-Betriebswirt.
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Bekannt für seine Kuchen und Torten: Markus Kinnel ist nicht nur Konditormeister, sondern auch Koch, Hotelkaufmann und Diplom-Betriebswirt.

In Mühlheim ist das Café Kinnel nicht nur Tradition, sondern geradezu eine Institution – auch für Leute von außerhalb wie den Dalai Lama.

Mühlheim – Das Café Kinnel gilt als Institution. Ständig grüßen dort einander Menschen über die Tische. Der Kuchen, der den Mühlheimer Backofen verlässt, schmeckt nicht nur den Mühlenstädtern, sondern etwa auch dem Dalai Lama. Das religiöse Oberhaupt hatte sich schon mal ein 18-stöckiges Kunstwerk aus dem Hause Kinnel gewünscht.

Der Oberste der tibetanischen Buddhisten kennt den Kuchen aus dem Café Mozart in Frankfurt, das Markus Kinnel beliefert. Wenn der Tibeter dort mit Freunden sitzt, lässt er sich die Schweizer Nuss-Torte seines hessischen Lieblingskonditors auf den Teller legen. Als der Dalai Lama in der Jahrhunderthalle seinen 80. Geburtstag feierte, lieferte das Café Kinnel die Riesentorte nach Frankfurt-Höchst.

Es dürfte in seinem Metier kaum eine Ausbildung geben, die Markus Kinnel nicht absolvierte. Er darf sich neben Konditormeister auch noch Koch, Hotelkaufmann und Diplom-Betriebswirt nennen. Im Jahr 1989 übernahm der 58-Jährige an der Seite seines fünf Jahre älteren Bruders Siegfried Kinnel das Café, das die Eltern 1966 gegründet hatten. Bruder Siegfried ging vor drei Jahren in den Ruhestand.

Café Kinnel in Mühlheim: „Zwei Konditoren arbeiten seit bald vierzig Jahren hier“

Auch Markus Kinnel blickt auf schlimme Monate zurück, „ich war nur froh, dass wir in Deutschland Kurzarbeit haben“. Er habe niemanden entlassen müssen, obwohl er in der Backstube statt acht Angestellten nur noch einen brauchte. Nicht nur im eigenen, sondern in sämtlichen Cafés in der Region, die Kinnel beliefert, lagen die Stühle auf den Tischen.

Zum einen sei er über die Kurzarbeitsoption froh, „weil es hinterher sehr schwer gewesen wäre, neue Kräfte zu finden, wenn die alten derweil woanders arbeiten“. Zum anderen unterscheidet sich der Familienbetrieb etwa vom Geist in Konzernen, deren Mitarbeiter nicht selten als reine Kostenfaktoren gelten. Wer bei Kinnel in der Backstube steht, absolvierte dort auch seine Lehre, „zwei Konditoren arbeiten seit bald vierzig Jahren hier“.

Markus Kinnel erzählt, wie er Glück im Unglück hatte. Die Eltern hatten 1974 fürs Hotel angebaut, „eine Investition, die sich lohnte“. Insbesondere nach der Vereinigung habe das Geschäft gebrummt. Bei den Zimmern über dem Café trugen später die Behörden neue Auflagen vor, „wir hätten umbauen müssen, um die Hotelzimmer weiter vermieten zu dürfen“. Stattdessen wandelte Kinnel die Zimmer in Wohnungen, was sich während der Pandemie als kluge Entscheidung herausstellte. Die meisten anderen Zimmer vermietet Markus Kinnel mittlerweile als Appartements, „zum freien Verkauf stehen nur noch sechs“.

Café Kinnel in Mühlheim: Abholung und Lieferung in der Corona-Krise

Die Corona-Krise schade dem Hotelgeschäft dauerhaft. Firmen merkten, dass eine Videokonferenz zwischen Hamburg und Frankfurt ihren Zweck in der Regel nicht schlechter erfüllt als ein Treffen samt Flug und Übernachtung.

Das Café ist auch ein Restaurant, das zwischen montags und freitags zum Mittagstisch Gerichte wie Jägergulasch oder Seelachsfilet anbietet. Auf der Wochenkarte stehen etwa vegetarische Gemüselasagne oder gebratene Gänsekeule. Die Hälfte der Kundschaft isst vor Ort, die andere holt sich das Essen ab oder lässt sich liefern. Ein Service, der während der Lockdowns half, zu überleben, „die Leute blieben uns treu“.

Für Kinnel bedeutet der Alltag, „morgens um 4.30 Uhr aufzustehen“. Der Konditormeister legt wert darauf, alle Torten frisch zuzubereiten, „pasteurisierter Teig kommt für uns nicht in Frage“. Der Sohn des seit 32 Jahren verheirateten Markus Kinnel wird nicht übernehmen, „der isst zwar gerne Torte, wurde aber lieber Lehrer“.

Den zweiten Lockdown nutzte Markus Kinnel, um den Außenbereich umzubauen. Wo früher maximal 24 Gäste saßen, können sich jetzt bis zu 80 niederlassen, „das half uns sehr, den Betrieb wieder nach oben zu fahren“. (Stefan Mangold)

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