„CDU muss sich jetzt anstrengen“

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Noch bis zum 30. Juni läuft die Amtszeit von Bürgermeister Bernd Müller, der die Direktwahl gegen Daniel Tybussek (SPD) verloren hat. Müller wird seinen Schreibtisch im Rathaus aber schon früher räumen, da er noch Resturlaub hat.

Mühlheim ‐ Am vergangenen Sonntagabend stand kurz vor 19 Uhr fest, dass es für Bernd Müller keine dritte Amtszeit als Mühlheimer Bürgermeister geben wird.

Der Amtsinhaber hatte die Wahl gegen seinen Herausforderer Daniel Tybussek (SPD) deutlich mit 40,8 zu 59,2 Prozent verloren. Gestern nun, knapp fünf Tage nach dem Urnengang, sprach unser Redaktionsmitglied Karl-Heinz Otterbein mit dem 57-Jährigen über private, berufliche und politische Konsequenzen.

Herr Müller, wie groß ist die Enttäuschung bei Ihnen, jetzt, fünf Tage nach der Wahl?

Ich bin schon noch ein bisschen frustriert, aber auch relativ schnell in der Realität angekommen um zu erkennen, dass was wir an Politik umgesetzt haben, gut geheißen wird. Es ist aber nicht mit Leidenschaft nach außen vertreten worden. Wir haben versäumt, unsere gute Politik mit Projekten wie Rodaurenaturierung, neue Fahrradwege, Wohnungssanierungen, Marktansiedlung, neues Feuerwehrhaus und auch Biogasanlage offensiv und als zukunftsorientiert zu verkaufen.

Was, glauben Sie, haben Sie im Vorfeld der Wahl falsch gemacht? Haben Sie ihren Herausforderer unterschätzt?

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Ich hätte mir von den mich tragenden Fraktion etwas mehr Unterstützung erwartet, etwa bei Projekten wie Leitbilddiskussion und ,Ab in die Mitte'. Da habe ich von meinen eigenen Leuten kaum Unterstützung bekommen.
Ich glaube nicht, dass ich Herrn Tybussek unterschätzt habe. Er steht für eine Generation, die mit Zukunftsängsten belastet ist und hat als junger Familienvater Optimismus für junge Leute ausgestrahlt, die ihn dann schließlich auch gewählt haben. Er hat auch geschickt moderne Medien wie etwa soziale Netzwerke eingesetzt. Das haben wir verpennt, da haben wir die Situation falsch eingeschätzt.

Wie hat Ihre Familie Ihre Niederlage aufgenommen?

Meine Familie hat mich vor der Wahl unterstützt und sie unterstützt mich nach der Wahl. Meine Familie steht hinter mir, wir halten an der Stelle zusammen. Ein intaktes Familienleben ist viel Wert.

Welche Projekte möchten Sie in den letzten Monaten Ihrer Amtszeit noch realisieren?

Ich freue mich, dass ich das neue Feuerwehrhaus noch einweihen darf und ich gehe davon aus, dass der Grundstein für einen neuen tegut-Markt gelegt wird und die Biogasanlage in Betrieb geht.

Die 45-Jahr-Feier anlässlich unserer Verschwisterung mit St. Priest an Pfingsten wird wohl die letzte Großveranstaltung sein, die ich als Bürgermeister mitmache.

Andere Projekte die wir uns vorgenommen haben, wie den Ausbau der U-3-Betreuung und die Weiterführung des Haushaltssicherungskonzepts wird mein Nachfolger umsetzen müssen. Daran wird er nicht vorbeikommen.

Glauben Sie, dass die Realisierung der Biogas-Anlage in Gefahr ist?

Wenn die Vernunft obsiegt, nicht. Sie wird ein Prestige- und Vorzeige-Objekt für Mühlheim sein und auch ein Bürgermeister Daniel Tybussek wird dann stolz auf die Anlage sein.

Denken Sie, dass Ihre Wahlniederlage Auswirkungen auf die Kommunalwahlen im März hat?

Meine Niederlage hat sicher Auswirkungen. Die CDU muss sich jetzt in besonderem Maße anstrengen um ihre Positionen darzulegen. Sie muss herausstellen, was sie für Mühlheim geleistet hat und sie muss darstellen, dass sie nachwievor in Mühlheim eine hervorragende Wahl ist. Das wir nach meiner verlorenen Wahl aber nicht ganz einfach.

Gibt es künftig noch den Politiker Bernd Müller?

Ich kandidiere wieder für den Kreistag und werde dort der Politik erhalten bleiben. Ich werde aber nicht ins Mühlheimer Stadtparlament oder in den Magistrat einziehen. Als Ex-Bürgermeister werde ich mich aus der Tagespolitik heraushalten. Den politischen Bürger Bernd Müller wird es in Mühlheim weiter geben, in welcher Funktion ist aber noch völlig offen.

Was werden sie nach ihrer Amtszeit am meisten vermissen - und was am wenigsten?

Am meisten werde ich die kreativen Runden im Rathaus vermissen in denen es darum ging, Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Am wenigsten vermissen werde ich die Wahrnehmung der vielen fremdbestimmten Termine.

Was habe sie nach dem 1. Juli beruflich vor?

Ich lasse mich wieder als Rechtsanwalt zulassen und eröffne eine Kanzlei mit dem Schwerpunkt Seniorenrecht. Es geht dabei um fürsorgende Beratung in allen Lebensbereichen, die insbesodere Senioren betreffen.

Sind sie den Mühlheimern böse, dass die Sie als Bürgermeister abgewählt haben?

Ich bin nicht böse, aber ich bin schon enttäuscht, dass das Wahlergebnis so deutlich war und meine Leistungen, die unzweifelhaft vorhanden sind, keine entsprechende Würdigung gefunden haben. Aber das ist halt Politik.

Wenn ich das Rathaus verlasse, dann schon mit ein bisschen Wehmut, aber mit aufrechtem Gang und erhobenen Hauptes. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Loyalität und wünsche meinem Nachfolger zum Wohle Mühlheims eine glückliche Hand.

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