Bei Natur-Erlebnistagen im April und Mai

Charmeoffensive für Biber

+
Helge Nyncke hat Anfang Dezember erneut Spuren eines Biebers in Mühlheim fotografiert, diesmal in einer Kurve des Bieberbachs zwischen der Nelkenwegbrücke und der Anton-Dey-Straße an der Markwald-Siedlung.

Mühlheim - Der Mühlheimer Naturschutzbund (NABU) plant für die Natur-Erlebnistage im April und Mai eine ins Detail gehende Charmeoffensive für den Biber. Das Interesse dürfte groß sein. Von Marcus Reinsch

Denn die Menschen im Städtchen diskutieren mal fundiert, mal leidenschaftlich und erfreulich oft mit fundierter Leidenschaft, ob der Nager mehr schadet oder mehr nutzt. Ein „Vogel des Jahres“ hat’s gut. Er ist, ob er als Thema von Fachvorträgen oder persönlich vor Ort auftaucht, immer und jedem höchst willkommen. Ein Biber muss da schon eher aufpassen.
Vor einem Jahr war das so, als der Mühlheimer Kreative Helge Nyncke bei einem seiner Streifzüge eindeutige Spuren mindestens eines Nagers auf Höhe der renaturierten Rodau am Hennigweg fotografierte. Mit seinem breit gestreuten „Biberalarm“ und der Meinung, dass ein Biber der Menschen Mühen um einen naturnahen Bach wegbeißen und auch gleich einen Bau aus der schützenswerten Botanik drumherum zimmern könnte, sorgte Nyncke damals für eine teils öffentlich geführte Kontroverse.

Zum Beispiel mit dem Mühlheim-Offenbach-Ableger des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Dessen Fachleute warnten ihrerseits – vor Panikmacherei bei Anwohnern und naturschutzrechtlichen Schnellschüssen (wir berichteten).

Seit Nyncke vor wenigen Wochen erneut Biberspuren entdeckt hat – diesmal an einem Stück des Rodau-Zuflusses Bieber – dreht sich das Diskussionsrad erneut. Ernst von Hermanni von der NABU-Ortsgruppe gibt die Position der Naturschützer wieder. „Ja, es ist richtig, der Biber ist im Mainbereich aktiv und so besucht er dann auch die Rodau“, beginnt die Stellungnahme. Und manchen Gewässeranrainern seien „die baulichen Begabungen von Meister Bockert ein Dorn im Auge“. Und dabei „verwandeln die gestalterischen Ambitionen des 1,30 Meter großen Nagers begradigte und verbaute Flüsse zum Nulltarif in naturnahe Gewässerlandschaften“. Deshalb setzte sich der NABU für die Ausweisung sogenannter Gewässerentwicklungsstreifen ein. Das sind eine Art Pufferzonen, nämlich zehn bis 30 Meter breite Schutzzonen an beiden Ufern, in denen ein Biber Gewässer frei gestalten kann.

Engagement für den Biber sei ein wichtiger Teil für die Überzeugungsarbeit vor Ort. Doch langfristig müsse diese „Pionierarbeit von Seiten der Politik und Behörden durch ein kluges aktives Bibermanagement und der Ausweisung besagter Gewässerentwicklungsstreifen unterstützt, organisiert und gefördert werden“.

Auf Biber-Safari in der Eifel

Damit der Biber „auch in Mühlheim willkommen ist und vor allem Kundigkeit und Gelassenheit über diesen speziellen Naturgestalter herrscht“, werde der NABU vor Ort das „Bibermobil“ des Wetterau-NABU zu den 13. hessischen Naturschutz-Erlebnistagen vom 28. April bis 6. Mai nach Mühlheim einladen. Das Mobil ist ein Kastenwagen, der nicht alleine viele Informationen zu Bibern an Bord hat, sondern das Thema ganzheitlich betrachtet. Er hält zum Beispiel eine Vielzahl an Bildungsangeboten zum Lebensraum Fließgewässer mit all seinen Tierarten bereit.

Andere Kommunen im Kreis haben schon mehr Erfahrung mit dem Biber gesammelt und sich vorbildlich mit dem Tier arrangiert. Im Großraum Rodgau zum Beispiel ist das Wirken des Tiers in Gestalt neuer Reviere und Dämme sichtbar.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare