Nepalhilfe: Bäcker Hoffmann sammelt für Gesundheitstationen

Corona hat keine Höhenangst

Eindrücke aus Nepal: Bäcker Günter Hoffmann mit seinen Freunden Mingmar Sherpa (von links), Shirley Blair und Wangchuk Rapten Lama. Blair ist die Leiterin der SMD-Schule, Sherpa und Lama kümmern sich um die Gesundheitsstationen in den Bergdörfern (rechts).
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Eindrücke aus Nepal: Bäcker Günter Hoffmann mit seinen Freunden Mingmar Sherpa (von links), Shirley Blair und Wangchuk Rapten Lama. Blair ist die Leiterin der SMD-Schule, Sherpa und Lama kümmern sich um die Gesundheitsstationen in den Bergdörfern (rechts).

Wie so vielen fehlt auch Günter Hoffmann während der Pandemie ein Podium. Nun ist der ehemalige Bäcker kein Künstler, schon gar kein Selbstdarsteller. Hoffmann nutzt öffentliche Diavorträge, um damit Geld für gute Zwecke zu sammeln – für seine Nepal-Projekte.

Mühlheim – Egal, ob in Gemeindesälen, in seiner alten Backstube an der Rumpenheimer Straße oder im Schanz: Wenn Hoffmann Dias von seinen Reisen einlegt, gibt es viel über ein Land zwischen Tibet im Norden und Indien im Süden zu erfahren, das nicht nur sieben der zehn höchsten Berge der Erde und eine einmalige Landschaft bietet, sondern auch von Erdbeben und Armut geplagt ist. Und dessen Bevölkerung durch die Nähe zu Indien und der dort grassierenden neuen Virusvariante sowie Bergsteigertouristen im Himalaja, die das Virus ins Land bringen, aktuell sehr von der Pandemie bedroht ist. Corona hat keine Höhenangst. „Mit jeder Einreise setzt man das Leben der Einheimischen aufs Spiel“, sagt Hoffmann, der sich, wenn er in Deutschland Berichte von Demonstrationen und Kritik an den Einschränkungen der persönlichen Freiheit sieht, immer die Bilder aus Nepal vor Augen führt, „was die notwendigen Einschränkungen dort bedeuten“, sagt der Mühlheimer. „Arbeitslosigkeit, Not, Hunger, ohne jegliche Absicherung und Unterstützung vom Staat – das sind Probleme, die wir uns hier nicht mehr vorstellen können.“

Insgesamt schon rund 200.000 Euro Spenden für Nepal gesammelt

Hoffmann besuchte Nepal das erste Mal vor 30 Jahren. Zunächst war es die Faszination für die Berge. Die sind aber in den 15 Malen, in denen er in Nepal war, inzwischen nur noch Kulisse. Es ist das Menschliche, die Freundschaften, die er und seine Familie über die Jahre geknüpft haben, die ihn mit dem Land bis heute verbinden. „Wenn man individuell reist, bekommt man mit, wie die Menschen wirklich leben und auch ein Bedürfnis, etwas zu tun.“

Seit 20 Jahren engagiert sich der Bäcker im Ruhestand für die SMD-Schule in Kathmandu, die Kinder aus den armen Bergdörfern kostenlos unterrichtet. Er organisierte Geld, um etwa die Schneiderei der Schule zu unterstützen. Und als sie auf dem Dach der Welt kein Dach mehr auf dem Kopf hatten, hat Hoffmann seine Hilfen für Nepal noch einmal intensiviert. Er sammelte nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2015 in seiner Bäckerei, in Mühlheims Gemeinden, auf Veranstaltungen. 61 .000 Euro für Reparaturen an der SMD-Schule in Kathmandu (wir berichteten) kamen so zusammen. Wenn man bedenkt, dass das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Nepal bei etwa 1000 Euro im Jahr liegt, eine stattliche Summe. Insgesamt, so schätzt der 65-Jährige, habe er schon rund 200.000 Euro für Nepal gesammelt. „Geld“, wie Hoffmann betont, „das ohne Verwaltungs- oder Flugkosten eins-zu-eins in die Arbeit vor Ort fließt“.

Eine von Günter Hoffmann unterstützte Gesundheitsstation in einem Bergdorf in Nepal.

Unter anderem auch in den Bau von zwei Gesundheitsstationen, eine in Chhecampar, einem Bergdorf im Tsumvalley, und eine in Naranthan, einem Bergdorf an der chinesisch-tibetischen Grenze. Beide auf mehr als 3000 Metern Höhe gelegen. Um die Gesundheitsstationen kümmern sich zwei Freunde von Hoffmann. Und genau diese Stationen will Hoffmann nun angesichts der bedrohlichen Pandemie-Lage, die auch einen engen Freund und dessen Familie in einem Bergdorf heimgesucht hat, unterstützen und dafür Spenden sammeln. „Die offiziellen Zahlen stehen in keinem Verhältnis zu dem, was dort wirklich los ist – aktuell ist es sehr heftig“, weiß Hoffmann, der letztmals im Januar 2020 in Nepal war. Es brauche in den Gesundheitsstationen unter anderem Masken und Schutzkleidung. Die fehlten an allen Ecken und Enden. Ebenso wie Lebensmittel in den gleichsam hoch- wie abgelegenen Dörfern. Das vor allem, weil die Kinder, da die Schulen geschlossen sind, in die Dörfer zurückgekehrt sind. Das macht die knappen Mittel noch knapper.

Die Unterstützer hält Hoffmann regelmäßig mit Berichten über die Projekte in seinem Newsletter auf dem Laufenden. Und die möchte er so schnell wie möglich wieder mit eigenen Erfahrungen anreichern. Sobald es möglich ist, wolle er wieder hinfliegen, in seine zweite Heimat. (Ronny Paul)

Infos und Spendenkonto: 0176 21572320; Spendenkonto von Günter Hoffmann bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt; IBAN: DE 42 5065 2124 0108 3482 69; Verwendungszweck: Nepal.

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