Zusammen gegen Sucht aller Art

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Bei ihrem Treffen beraten die Mitglieder der Präventions-AG, wie sie Mitschüler noch besser erreichen können.

Mühlheim ‐ Das Letzte, was Christian (Name geändert) von jenem Abend behalten hat, sind Koordinationsprobleme am Steuer des väterlichen Autos in Höhe der Einfahrt. Von Sebastian Faerber

An die beiden Mädels, die er mit seinem Kumpel nach der Party nach Hause fährt, erinnert er sich nicht mehr. Der Alkohol raubt ihm die Erinnerung und schließlich die Gewalt über den Wagen: Hinter einem Ampelpfeiler überschlägt sich das Auto und bleibt auf dem Dach liegen. Christian und sein Freund überleben, verletzen sich aber schwer. Erzählt der junge Mann am Friedrich-Ebert-Gymnasium von seinem Unfall, kann er sich der Aufmerksamkeit der Schüler gewiss sein. Christian ist von der Präventions-AG eingeladen worden, um von seinem alkoholgeschwängerten Erlebnis zu berichten.

„Es wird immer ganz still in der Runde, wenn er seine Geschichte erzählt“, sagt AG-Mitglied Pierre-Maxime Lother. Und dass aus den sich anschließenden Gesprächen zwischen den Schülern etwas hängen bleibt, darauf zielt die Arbeitsgemeinschaft „Prävention“, bestehend aus rund zehn Schülern, ab. Der Erfolg lasse sich zwar schwer messen, „aber ich spüre, wenn wir auf dem Schulhof für Gesprächsstoff sorgen“, freut sich Pierre-Maxime. Die Themen, denen sich die Präventions-AG widmet, haben die Schüler nach einer Befragung bestimmt und in Schwerpunkte unterteilt - Drogen beziehungsweise Alkohol ist einer davon. Ihre Mitschüler konfrontieren die AG-Mitglieder damit in den neunten Klassen. „Dann nämlich machen viele erste Erfahrungen mit Bier, Wodka und Co“, erklärt ein Mitglied der AG.

Schwerpunkt Online-Spiele und Internet

Auch eine „Rausch-Brille“, die die Sicht eines Betrunkenen auf seine Umwelt vortäuscht, kommt zum Einsatz. „Glaubt ihr, dass ihr so eingeschränkt fahren könnt?“, möchten die Mitglieder der Präventions-AG wissen. Dass dies nicht mehr geht, dafür steht Christian, dessen Unfall eingangs beschrieben worden ist.

Unfallzahlen unter Alkoholeinfluss präsentieren, das könnte selbstredend auch Andreas Suchy, der Pädagoge, der die AG 2006 ins Leben gerufen hat. Doch den Präventions-Aktiven fällt es leichter, die Mitschüler zu erreichen. „Lehrer kommen in solchen Fragen schnell als besserwisserisch rüber“, ergänzt Suchy. Gleichaltrigen werde mehr Gehör geschenkt. Und um das Gefühl einer Maßregelung gar nicht erst aufkommen zu lassen, setzen die Mitglieder der AG darauf, möglichst oft mit ihren Mitschülern ins lockere Gespräch zu kommen.

Einen anderen Themenschwerpunkt stellen Online-Spiele und das Internet dar - wie sie zu einer Sucht wachsen, wie viel Zeit sie rauben können oder welche Risiken soziale Netzwerke bergen. Fragen, über die die Mitglieder der AG nicht nur mit ihren Mitschülern, sondern auch mit deren Eltern diskutieren.

Auf einer solchen Veranstaltung hat Suchy im Hintergrund einen Computer laufen lassen, mit erschreckendem Ergebnis: Auf der Online-Plattform „FaceBook“ hatte der Lehrer ein erfundenes Profil erstellt und Freundschaftsanfragen an Schüler des Gymnasiums verschickt. Bis zum Ende des Abends haben 20 Schüler der Anfrage zugestimmt - ein überraschendes Ergebnis für alle Teilnehmer.

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