Gartenwelt ist ein Treffpunkt für E-Zigaretten-Nutzer

Der Dampf im Grünen

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Mit einigen Verhaltenshinweisen versehen, gibt es in der Mühlheimer Gartenwelt eine eigene Ecke für Dampfer.

Mühlheim - Die Mühlheimer Gartenwelt ist seit einigen Jahren auch ein fester Anlaufpunkt für die Nutzer von E-Zigaretten. Mit seinem Dampfgarten war der Chef Ulrich Barthel ein Pionier im Rhein-Main-Gebiet. Von Christian Wachter 

Gleich hinter dem Saatgut und den Gartenscheren links hat sich Ulrich Barthel ein kleines in sein großes Reich gebaut. Neben allem, was mit Pflanzen zu tun hat, bietet der Chef der Mühlheimer Gartenwelt nämlich auch für sogenannte Dampfer ein großes Sortiment an. Und was im Volksmund unter E-Zigaretten läuft, das wird, wenn man ihn reden hört, schnell klar, ist durchaus eine Wissenschaft für sich. Trotz des relativ simplen Prinzips. Es gibt einen Akkuträger und einen Tank, in Letzteren wird eine Flüssigkeit – das Liquid, ein Gemisch aus Propylenglycol, Glycerin und optional Nikotin – gefüllt, die über einen Draht verdampft wird.

2011 hat Barthel mit dem Dampfgarten angefangen. „Ich habe damals durchs Dampfen aufgehört zu rauchen, bin das ganze Rhein-Main-Gebiet abgefahren, um zu schauen, ob es schon ein Geschäft gibt, das sich darauf spezialisiert hat.“ Fündig ist er nicht geworden, einzig einen Tabakladen habe er entdeckt, der ohne die nötige Expertise einige Geräte unter die Leute bringen wolle. Die Szene, sagt er, sei inzwischen groß geworden. „Wir sind damals auf Messen gefahren, haben um sechs Uhr morgens vor der Tür gewartet, um neue Geräte zu bekommen, von denen es nur wenige hundert Exemplare gab.“ Heute gebe es so etwas zwar auch noch, „aber statt einer Handvoll stehen dann tausende Leute hinter uns.“

Die Gartenwelt ist längst zum Treffpunkt geworden. Samstags kommen die Dampfer zum Wickelkurs – um sich zeigen zu lassen, wie man die Drähte der Verdampfer selbst wickelt, statt sich die Fertigversionen zu kaufen, und dabei auch die benötigte Watte richtig verlegt. Darüber, wie man die Liquids selbst mischt, wird ebenfalls rege debattiert. Und im Sommer organisiert Barthel regelmäßig ein Dampfergrillen.

Über die Jahre hat schon so manch prominentes Gesicht bei dem gelernten Floristen und Gärtner vorbeigeschaut. Der Frankfurter Rapper Azad zum Beispiel. „Ich kannte ihn ja gar nicht, ein junger Mitarbeiter hat mich darauf hingewiesen“, erinnert sich Barthel. Der Sprechgesangsartist ließ sich dann von ihm zeigen, worauf beim Dampfen alles zu achten ist. Inzwischen entwirft er selbst Aromen und Liquids. Auch der Youtuber Philgood, der einer der ersten überhaupt war, die Videos über das Dampfen veröffentlicht haben, besuchte ihn. Vielen gilt der als Urvater einer schieren Masse von Youtubern, die massig Klicks unter Pseudonymen wie Dampfdidas oder Steamshots sammeln, indem sie Liquids und Geräte vorstellen.

Ex-Raucher: Diese Promis haben aufgehört

Im Internet sind die Dampfer ohnehin eine rege Gemeinschaft, tauschen sich in unzähligen Facebook-Gruppen aus und kritisieren auch gerne, wenn Medienberichte die Leidenschaft aus ihrer Sicht zu einseitig abhandeln – gerade, wenn es um gesundheitliche Aspekte geht. Ein homogenes Bild ist dabei allerdings auch von Medizinern kaum zu bekommen. Während die Ärztin Martina Pötschke-Langer vom Aktionsbündnis Nichtrauchen und andere vor dem Nikotin als Nervengift, fehlenden Langzeitstudien, Atemwegsreizungen und der E-Zigarette als Einstiegsdroge warnen, gibt es durchaus auch andere Stimmen. Eine vom britischen Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie etwa schätzt die Gefahren im Vergleich zur Zigarette um 95 Prozent geringer ein. Forscher vom Georgetown University Medical Center in den USA wiederum behaupten in einer jüngst veröffentlichten Studie, die E-Zigarette könne bis zum Jahr 2100 bis zu 6,6 Millionen Todesfälle in Amerika verhindern.

Barthel sagt, er habe aufgehört, sich über derlei zu äußern. „Die Leute sollen selbst merken, wie es ihnen geht, wenn sie eine Woche gedampft und keine Kippe angefasst haben, allein schon, wie der Geschmackssinn zurückkommt.“ Dennoch gelte für ihn: „Wer nicht raucht und die Verdampfer nicht zum Umstieg nutzen möchte, den schicke ich wieder weg.“ Die Beratung sei grade bei Anfängern immens wichtig. „Deshalb trage ich auch häufig ein T-Shirt, auf dem ,No Bullshit’ steht“, sagt Barthel schmunzelnd und geht zur Theke gegenüber, um mit einem Kunden über Alpenveilchen zu sprechen.

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