Beschwerde

„Ätzender Chemie- und Plastikgeruch“: Gestank nervt Anwohner

Bei Wind aus südwestlicher Richtung stinkt’s: Seit Jahren korrespondiert Dr. Peter Thomas-Stutte mit den Behörden wegen Geruchsbelästigung.
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Bei Wind aus südwestlicher Richtung stinkt’s: Seit Jahren korrespondiert Dr. Peter Thomas-Stutte mit den Behörden wegen Geruchsbelästigung.

In Mühlheim stinkt es. Schon seit Jahren beschweren sich Anwohner bei den Behörden über den Gestank – passiert ist bisher nichts.

Mühlheim – Seit Jahren beklagen sich Dr. Peter Thomas-Stutte und weitere Anwohner der Dammstraße über eine Spielart von Belästigung, gegen die es letztlich keinen Schutz gibt. Je nach Windrichtung breite sich ein Odeur aus, das „zwischen leicht ätzendem Chemie- und Plastikgeruch changiert“.

So formulierte es Thomas-Stutte bereits in einer Mail vom 18. Dezember 2018 ans Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt. Letztlich habe sich in den letzten zweieinhalb Jahren nichts geändert, konstatiert er.

Man reagierte damals schnell beim RP. Bereits zwei Tage nach Thomas-Stuttes Schreiben kam die Antwort, „die Betreiber der Anlagen zeigen sich kooperativ und haben mündlich zugesichert, Maßnahmen zur Geruchsreduzierung zu ergreifen“. Thomas-Stutte hatte zwei Firmen in Verdacht: die Sattler Kunststoffwerk GmbH und die Pal Plast GmbH. Beide produzieren südlich der Dammstraße Kunststoffe.

Mühlheim: Anwohner leiden unter Geruchsbelästigung

Thomas-Stutte erklärt, es stinke nur, wenn der Wind aus südwestlicher Richtung wehe, „leider ist das ziemlich oft der Fall“. Wenn er bei Ostwind und schönem Wetter mit dem Hund Richtung Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde laufe, dann nehme er den Geruch statt zu Hause dort wahr.

Als es vor zweieinhalb Jahren losgegangen sei, habe es manchmal rund um die Uhr übel gestunken, „das fing dann um 22 Uhr an“. Auch geschlossene Fenster nützten nichts. Schließlich habe die zuständige Stelle des Regierungspräsidiums Messungen veranlasst, nach denen die Behörde ihm geschrieben habe, „dass der Gestank zwar unangenehm sei, aber nicht gesundheitsschädlich“. Das RP habe ihm außerdem schon vor zwei Jahren mitgeteilt, „dass die Firma ermittelt und bereit sei, Filter einzubauen“. Ansonsten habe das Unternehmen Sanktionen zu erwarten. Das seien hehre Worte, „geändert hat sich seitdem aber gar nichts“.

Gestank in Mühlheim: Regierungspräsidium erklärt Herkunft

Nur an Wochenenden, an Feier- oder Brückentagen könnten er und seine Frau ohne Risiko Besuch einladen. Während der Woche sei es schon mal vorgekommen, „dass Gäste das Mittagessen kaum runter bekamen, was nicht an meiner Kochkunst lag“. Thomas-Stutte erklärt, was andere aus der Nachbarschaft bestätigen, „im Schnitt stinkt es an 15 Tagen im Monat, immer zu unterschiedlichen Zeiten“. Der pensionierte Physiklehrer tippt, solange der globale Bauboom anhalte, werde es unter den Umständen von selbst nicht besser werden, „die Nachfrage nach Dämmstoffen ist schließlich enorm hoch“.

Auf Anfrage der Offenbach-Post erklärt das Regierungspräsidium Darmstadt, bei der Sattler Kunststoffwerk GmbH würden „die zulässigen Jahres-Geruchsstunden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überschritten, da dort nur in Ausnahmefällen geruchsintensive Stoffe gefahren werden“. Die Bearbeitung von Geruchsbeschwerden sei grundsätzlich mit einem erheblichen Personal- und Zeitaufwand verbunden, „der Weg zum Ziel ist vielfach ein sich schrittweise annähernder Prozess“.

Mühlheim: Problem mit dem Gestank besteht schon lange

Als Hauptverursacher sieht das RP die Pal Plast GmbH. In dem Unternehmen antwortet man zwar auf die Anfragen unserer Zeitung umgehend und freundlich, will aber keine Stellungnahme autorisieren. Thomas-Stutte berichtet, ein Geschäftsführer habe ihn vor einem halben Jahr zu Hause besucht und von diversen anstehenden Maßnahmen erzählt, mit denen man die Emissionen stoppen wolle.

Laut RP habe sich bei der Pal Plast GmbH „die Lieferung des Luftwäschers (1. Reinigungsstufe) aufgrund von Kurzarbeit beim Hersteller“ verzögert. Das Regierungspräsidium sei weiter in der Sache aktiv und werde „die umgesetzten Maßnahmen (Einbau Aktivkohleeinheit 2. Reinigungsstufe) zeitnah vor Ort überprüfen“. Peter Thomas-Stutte betont: „Gehört haben wir sehr lange schon sehr viel. Wir wollen nur, dass es endlich nicht mehr stinkt.“ (Stefan Mangold)

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