Ein neuer Pächter möchte dem ältesten Gebäude Mühlheims neues Leben einhauchen

Den Abthof aus dem Tiefschlaf reißen

Neustart: Der Betreiber des Abthofs, Maurizio Ingala (vorne Mitte), kurz nach der Vertragsunterzeichnung mit Vertretern der Stadt und der Wohnbau GmbH.
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Neustart: Der Betreiber des Abthofs, Maurizio Ingala (vorne Mitte), kurz nach der Vertragsunterzeichnung mit Vertretern der Stadt und der Wohnbau GmbH.

Seit drei Jahren ist Maurizio Ingala Wirt im Haus der Siedlergemeinschaft Rote Warte. Und das „Per Bacco“ hat sich weit über die Grenzen der Mühlenstadt hinaus einen Namen gemacht, beweist, dass italienische Küche mehr zu bieten hat als Pizza und Spaghetti. Jetzt hat der 47-Jährige mit der städtischen Wohnbau GmbH einen Vertrag für zunächst drei Jahre unterschrieben, um auch den Abthof in der Altstadt aus dem Tiefschlaf zu reißen.

Mühlheim – Das älteste Gebäude im Ort sei ein deutsches Haus, sagt der Italiener, darum schickt er seinen Koch aus Eritrea hin, um regionale Küche zu kredenzen. Tatsächlich bringt Zerai Mussie 40 Jahre Erfahrung mit. In den 1980er Jahren begann er im Hotel am Markt in Würzburg, bereitete 200 bis 300 Essen am Tag zu. Nächste Stationen waren Tauberbischofsheim und Darmstadt, dort war er Küchenchef in noblen Bistros sowie in der Orangerie.

Wir möchten, dass sich die Gäste wohlfühlen und mit einem Lächeln rausgehen“

Sein „Safari“ war das erste afrikanische Restaurant in der Wissenschaftsstadt, es folgte die Maske an der Paulskirche, das Serengeti an der Frankfurter Hauptwache. Der 54-Jährige kochte auch in der Schlossschenke in Heusenstamm, war Küchenchef in der Hesse-Wirtschaft in Offenbach, in Michelangelo, TGS-Waldschänke, Kapellenhof, Park-Hotel und Cuervo in Hausen. „Die Zeit mit all den guten Beziehungen hat mich jung gehalten“, meint Mussie, „und ich habe alles mit Liebe gemacht“.

Aus der Zeit kennt er Ingala. Dessen Mutter stammt aus Verona, der Vater aus Sizilien. 1996 brachte der Pächter Rezepte aus beiden Gegenden mit nach Hessen. Im eleganten Ambiente des Michelangelo von Pino Micciche habe er die Liebe zur Gastronomie entdeckt, bei Guido Giovo an der Borsigstraße Weine kennengelernt. Ingala kritisiert: „Heute werden Restaurants oft von Geschäftsleuten geführt, nicht von Gastronomen. Wir möchten, dass sich die Gäste wohlfühlen und mit einem Lächeln rausgehen.“ Heute sei der Stil etwas lockerer. An den „romantischen Platz des Abthofs passt nichts anderes“, sagt er zum Konzept. „Das Gebäude hat Geschichte, einen schönen Biergarten und eine Vinothek im Keller“. Mussie kündigt frische, wechselnde Gerichte an, saisonal, regional und bodenständig. Schnitzel, Hamburger und Holzfäller-Steak sowie Schweinhaxe und Weißwurst werden die Speisekarte erobern, aber auch Grünkohl, Grüne Soße und Handkäs’. Der kommt aus Offenbach, Forellen aus Seligenstadt, Kräuter aus Oberrad und Wein aus Groß-Umstadt.

Ingala und Mussie versprechen gute Qualität zu bürgerlichen Preisen, „wie von Per Bacco gewohnt“. Zumindest die 35 Plätze im Biergarten sollen „am 1., spätestens am 15. Mai“ eröffnet werden. Wenn Corona das nicht erlaubt, gibt’s die Spezialitäten zunächst zum Mitnehmen. (Michael Prochnow)

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