Walter Beez und seine Familie packen auf dem Hof gemeinsam an

Der letzte Lämmerspieler Landwirt

Walter Beez geht mit der Zeit: Neben dem Verkauf der landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Hofladen gibt es seit zwei Jahren auch einen „Regiomat“, an dem Kunden rund um die Uhr einkaufen können.
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Walter Beez geht mit der Zeit: Neben dem Verkauf der landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Hofladen gibt es seit zwei Jahren auch einen „Regiomat“, an dem Kunden rund um die Uhr einkaufen können.

Für die einen ist’s ein idyllisches Kleinod, für die anderen harte Arbeit. Doch Familie Beez verrichtet ihre zusätzlichen Aufgaben mit viel Erfahrung und Leidenschaft. Die Angehörigen zweier Generationen führen den einzigen landwirtschaftlichen Betrieb in Lämmerspiel, einen der letzten sechs in der Mühlenstadt.

Mühlheim – Bereits Ende der 1970er-Jahre gaben die Kollegen seiner Eltern auf, erzählt Walter Beez. Wie die anderen verbliebenen Bauern bewirtschaftet er im Nebenerwerb Ackerland. „Eine Zusammenlegung der kleinen Flächen haben die Lämmerspieler damals verpasst“, sagt der 51-Jährige, „heute wäre eine Flurbereinigung viel zu teuer“. Er führt einen konventionellen Betrieb, weil die Bio-Version aufwendiger und die Böden in der Gemarkung dafür nicht geeignet seien.

So baut er auf zehn Hektar Kartoffeln und Futtergetreide an, Wintergerste, -roggen und -triticale. Letzteres ist eine Kreuzung aus anspruchslosem Roggen und hochwertigem Weizen. Auf weiteren 25 Hektar sprießen Wiese und Kürbisse. Dazu unterhält Beez noch mehrere Streuobstwiesen auf dem Gailenberg: Die Früchte verarbeitet die Landkelterei Dietesheim, der Apfelsaft ist im Hofladen an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße sehr gefragt.

Dort halten die Lämmerspieler noch mehr regionale Produkte bereit, Hausmacher Wurst, Kartoffeln, Zwiebeln, Äpfel und Gurken, Eier beziehen sie von einem Partnerbetrieb. Ferner bieten sie selbst gemachte Marmelade an, Honig von einem ortsansässigen Imker und ab sofort auch Bio-Eis aus der Rhön.

Seit zwei Jahren können Kunden rund um die Uhr shoppen. Am Beezschen Tor steht ein „Regiomat“, der viele Erzeugnisse aus dem Hofladen hinter Glas bereithält. „Der Automat ist seit Corona ebenfalls stärker frequentiert, im März hätte ich massenweise Klopapier verkaufen können“, blickt Walter Beez zurück und grinst hinter der Maske. „Manche wollen ohne Kontakt einkaufen.“

Die Direktvermarktung ist ein festes Standbein der Familie. „Wir schlachten, seitdem ich denken kann“, sagt der Landwirt. 1998 hat er den Hof von Vater Josef übernommen, leitet ihn in dritter Generation im Nebenerwerb. Der Vater war Maschinenschlosser, er Werkzeugmacher bei Mato, dann Waldarbeiter mit Ziel Forstwirt bei der Stadt. Dieses Ziel erreichte er über den zweiten Bildungsweg. 2005 legte Beez zudem die Prüfung zum Jäger ab, seit 2017 ist er nach dem Besuch der dreijährigen Abendschule in Reichelsheim geprüfter Landwirt. „Jetzt habe ich drei grüne Berufe“, betont der Mitarbeiter des Abwasserverbands Untere Rodau.

Seine drei Söhne und der Neffe Paul „helfen tatkräftig mit, stärken den Zusammenhalt und bringen Ideen ein“. Der 17-jährige Simon schafft gerade frisches Heu in den Stall. Der Teenager beherrscht längst den Traktor, nennt der Papa einen Vorteil des Hoflebens. „Man wächst mit rein, mit vereinten Kräften funktioniert das schon“, schildert er das Engagement und lobt, „ohne die Jungs wäre das alles nicht möglich“.

Auch Schweine hat Bauer Beez in Lämmerspiel.

20 Schweine grunzen, monatlich wird geschlachtet. Weil die Tierverarbeitung in Hausen geschlossen wurde, muss der Bauer nun nach Dreieich fahren. Und damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird, musste er sich einen speziellen Hänger für den Fleischtransport anschaffen. Noch sind Presskopf und Hausmacher in Dosen, Rinds- und Bratwurst gefragt. Mit Beginn der Grillsaison im April gehen dann wieder verstärkt Steaks über die Theke.

„Mit zwei Ziegen und einem Pferd haben Opa Josef und Oma Margarete Beez neben dem alten Kiosk an der Bischof-Ketteler-Straße angefangen“, plaudert der heutige Unternehmer. Nach der Heirat haben sie 1932 gebaut, damals war der Hof das letzte Gebäude am Ortsrand. Josef und Agnes Beez haben die Anlage dann erweitert. Sohn Walter findet bei aller Liebe für den Beruf, dass die Landwirtschaft „immer härter wird“, allein durch Düngeverordnungen und die Dokumentationsvorschrift. Er wünscht sich, dass die Bewohner die Leistung der Landwirte mehr schätzen. (Michael Prochnow)

Weitere Infos: Der Hofladen ist dienstags und donnerstags von 16 bis 18, freitags von 15 bis 18 und samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

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