„Ich brauch’ immer mal was Neues“

Der Mühlheimer Rudi Eitel ist nicht nur als König Henninger, Querbeet-Gründer und XXL-Barde erfolgreich

In Rudi Eitels „König-Henninger-Museum“ gibt es Plakate,
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In Rudi Eitels „König-Henninger-Museum“ gibt es Plakate,

König von Mühlheim. Wenn diese Stelle einmal ausgeschrieben werden sollte – Rudi Eitel wäre die Idealbesetzung. Der Mühlheimer hat sich immerhin schon als König Henninger einen Namen gemacht, als Apfelweingeschworener und Barde XXL. Er zaubert mit Blumen am Strohhut und Gitarre im Arm ein Lächeln in die Gesichter der Marktbesucher, rüttelt als Uffstumber die Bürger wach und schmachtet nach der Fähre wie Romeo nach seiner Julia.

Mühlheim - Der jüngste Spross unter fünf Kindern wuchs in der Bieberer Straße auf. Obwohl die Familie nicht im Geld schwamm, fuhr die Mama mit dem musikalischen Bub mit der Straßenbahn nach Frankfurt, um ihm eine Spielzeuggitarre zu kaufen. Der Händler überzeugte die Mutter davon, ein „richtiges“ Instrument zu erwerben. „Sie war weinrot geflammt“, schwärmt der Rudi noch heute von seiner ersten Gitarre. „Die Geschwister haben fast nichts zu Weihnachten bekommen, aber keiner war neidisch.“ Für 50 Pfennig hat er dann bei der katholischen Jugend Unterricht genommen, fortan jedes Zeltlager begleitet. „Mit der Gitarre warste der King, hast Mädchen angesungen und jede Woche in einem Partykeller gespielt.“

Für die Fastnachtssitzungen der Katholischen Karnevalisten „schrieb ich die ganz großen Gesangsnummern“, mit Sitzungspräsident Erich Kilian trug er sie vor. Unvergessen ist das „Traumschiff“: Über die Rodau sind sie ausgefahren, um viele lokale Ereignisse zu karikieren. Rudi und das Duo Ohrenschmaus präsentierten als „drei Tenöre“ den „Pizza-Mann“, der heute noch lautstark gegrölt wird. Es war die Zeit der ersten Jugendgottesdienste. Der heute 66-Jährige erzählt von einer Krachmacher-Messe, als Erwachsene aus der Kirche gelaufen sind. Er hatte seine Gitarre an ein Radio angeschlossen, Michael Schenke spielte Schlagzeug, Manfred Sondergeld Trompete, Erich Klein saß an der Orgel. So erfüllte „When The Saints Go Marching In“ St. Markus. Der damalige Kaplan Johannes Kotschner unterstützte den Nachwuchs, Rudi Eitel gründete die Sacro-Pop-Gruppe Exodus und leitete sie lange. „Ich brauch’ immer mal was Neues“, erklärt er seinen Wechsel zu den Mühlheimer Komödianten. Eine ganze Woche lang haben sie für Schulen Märchen in eigenen Bühnenfassungen gespielt. Für die „Salzprinzessin“ hat der „König“ die „Langstabinfettbratkartoffeln“ erfunden, kurz Pommes. Als Nächstes schloss Eitel sich Nico Sendlbeck an. Der Lämmerspieler Chorleiter schuf „die großartigsten Theaterstücke der Welt“, schwärmt er, noch immer begeistert. Eitel mimte das „Opfer“, Johannes den Täufer, der kopflos endete.

Zum ersten Hofsommer im August 1992 hat der seit 1977 mit der Mühlheimerin Ulrike verheiratete Vater eines Sohnes und Opa eines Enkels mit Monika Ackermann, Gaby Schmunck, Peter Kilian und Hans-Peter Brehm in seinem Wohnzimmer die Theatergruppe Querbeet gegründet. Unter Peter Kilian im Gewand des „König Henniger“ half Eitel noch als Maskenbildner. „Malen, das Kreative ist meine Sache“, sagt er dazu. Mit den Einnahmen aus den spektakulären Aufführungen wurde das Schanz als Spielstätte mitfinanziert. Für die zweite Auflage ab 2004 überzeugte Rudi Eiteler Statur und Stimme“ als König, für die „Magd Heidenfeld“ wurde eine Opernsängerin gewonnen. Nur noch acht statt 30 Personen standen nun in verschiedenen Rollen auf der Bühne. „Die Zeitreise“ und „König Henninger in Transsilvanien“ haben sie rund 80-mal gespielt. „Das ist mein Leben und wird für mich immer das Größte sein.“

In seinem „König-Henninger-Museum“ zeigt er Plakate, Fotos und Devotionalien vom Kult-Stück. Seine erste CD als Barde XXL umfasst 30 Liebeslieder an seine Stadt, „Hey Müllem, Du bist ein Genuss“. Die Einnahmen hat er „Rettet Kinder Rettet Leben“ gespendet. Ein weiteres Hobby würdigte er mit der CD „Wohnmobilbarde“. Und Rudi Eitel wird nicht müde. Nach dem Solo zum Auftakt von „Acht auf einen Streich“ der „Mühlheimer Kultur United“ grübelt er aktuell über einen Gedicht-Wettbewerb. „Ich bleibe hoffnungsvoll, dass wir alle mal wieder raus können.“ (Michael Prochnow)

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