Begegnung in Alaska

Die Franzeskos aus Mühlheim erkunden Welt mit Camper und Co.

Hand in Hand am Äquator: Heike und Günter Franzesko bei Cayambe in Ecuador. Sie steht auf der Nord-, er auf der Südhalbkugel.
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Hand in Hand am Äquator: Heike und Günter Franzesko bei Cayambe in Ecuador. Sie steht auf der Nord-, er auf der Südhalbkugel.

Heike und Günter Franzesko können von sich behaupten, sie haben die Welt gesehen. Sie waren auf den Osterinseln, 15 Mal in Australien, in Indien, und Feuerland, am Grab von Bob Marley in Jamaika, bei Lonesome George auf Galapagos, sind Fußball-Legende Horst Hrubesch in Auckland über den Weg gelaufen, von Insel zu Insel in Mikronesien „gehüpft“ und in einem gelben US-Schulbus von Bogota nach Rio gefahren.

Mühlheim - Die Liste der Orte, an denen die Mühlheimer bereits waren, füllt elf DIN-A4-Seiten und zeugt von einer Zeit vor der Pandemie, als Reisen noch einfach war. Aber im Grunde genommen haben es sich die Franzeskos nie einfach gemacht: „Wir waren auf allen fünf Kontinenten - auf ganz einfache Art und Weise“, sagt der 77-Jährige. All-inclusive, Hotelbetten oder Kreuzfahrten? Nichts für das Paar. Der Diplomingenieur im Ruhestand und die ehemalige Krankenschwester schwören auf Eigenversorgung, Zelt, Camper oder landesspezifische Verkehrsmittel. Und haben viel zu erzählen.

Es beginnt 1977 mit einer Gruppenreise für junge Menschen über Trek America. Quer durch die USA in einem größeren VW-Bus, von New York nach Los Angeles. Die Agentur stellt Fahrer und Zelte. „Da haben wir uns noch nicht alleine getraut“, sagt Heike Franzesko rückblickend. Aber quasi schon Blut geleckt. Das Zelten, die Natur, die Freiheit: Nach zwei weiteren Reisen mit Trek America sagen sich die beiden: „Organisieren können wir das auch selbst.“ Ab da sind sie immer „auf eigene Faust unterwegs“. Das ist damals allerdings nicht mit ein paar Mausklicks getan und bedeutet: Flugpläne studieren, richtige Wälzer. „Es hat alles immer geklappt“, sagt Heike Franzesko. Dabei hat das Paar einige brenzlige Situationen überstanden.

Bei einer Fahrt auf der Gibb River Road, die zu den gefährlichsten Strecken der Welt gehört, bricht eine Blattfeder am Camper. Mitten im Westen Australiens bei 45 Grad. 40 Kilometer weit und breit keine Zivilisation. „Meine Frau kam dann auf die Idee, einen Ast in der Länge der Blattfeder zu suchen und als Ersatz zu nutzen“, erinnert sich der Mitbegründer des Budo-Clubs. Gesagt, getan: Das Paar schafft es so im Schneckentempo zum nächsten Roadhouse.

Eine höchstgefährliche Situation erleben die Mühlheimer, die jüngst goldene Hochzeit gefeiert haben, ebenfalls im australischen Outback. Heike Franzesko erblickt nachts beim Campen eine Schlange. Günter Franzesko zögert nicht und scheucht sie mit einem Stock weg. Später erfahren die Franzeskos, dass sich ihnen ein Taipan in den Weg gestellt hat – die giftigste Schlange der Welt.

Als sie Ende der 1970er Jahre in der Wildnis von Alaska die Zelte aufgeschlagen haben, suchen sie nach einem Lokal und sehen auf einem Schild: „German bread“, treten ein und vernehmen deutsche Sprache. Sie treffen auf Bäcker Günter Hoffmann, der für seine Nepal-Hilfe bekannt ist. „Wir haben uns in Mühlheim nie kennengelernt, aber dann in Alaska“, sagt Günter Franzesko. 43 Reisen hat das Paar gemacht, die beeindruckendste, sagt Heike Franzesko, war die nach Papua Neuguinea 1983 mit dem deutschen Ethnologen Albrecht Schäfer.

Neben unzähligen Menschen, die sie in der ganzen Welt kennengelernt haben und mit denen die Mühlheimer bis heute Freundschaften pflegen, wollte Günter Franzesko auch immer ein Stück Heimat bei sich haben. Er habe sich unsere Zeitung in die ganze Welt hinterherschicken lassen, sagt er. „Selbst nach Samoa oder Manaus.“

Ihre bislang letzte Reise nach Südafrika endete im März 2020, eine Woche bevor in Deutschland die Pandemie das Leben still stehen ließ. Nach Südafrika wollen die beiden unbedingt noch einmal. Aber diesmal nicht mit dem Camper, sondern mit dem Auto, mit Übernachtung in Hotels. „Im Alter wünscht man sich mehr Bequemlichkeit“, sagt Heike Franzesko. Ihr Mann betont: „Wir werden aber selbst fahren und uns selbst versorgen.“ (Ronny Paul)

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