Reaktionen auf Lockdown

Corona-Lockdown: So verkraften ihn Einzelhändler und Dienstleister

Während des Lockdowns geöffnet: Cornelia Roth bietet weiterhin Blumen an.
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Während des Lockdowns geöffnet: Cornelia Roth bietet weiterhin Blumen an.

Öffnen, liefern, abholen? Die Einzelhändler und Dienstleister in Mühlheim reagieren einmal mehr mit Fantasie und Engagement auf einen Lockdown. Doch einige kommen nur schwer über die Runden.

Mühlheim – Doch selbst wer sein Ladengeschäft weiterführen kann wie gewohnt, klagt: Nur wenige Passanten verirren sich auf die Bahnhofstraße und jenseits der Schaufenster. Dunkel bleibt’s fast allein bei den Anbietern von aktuellen Schnitten in Kleid und Haar.

So ist das auch bei Creativ Mode & Design an der Marktstraße. Gerlinde Belz und Petra Petri haben ihre Handynummern an die Ladentür geklebt und ihre Stammkunden per Mail informiert. Sie können die Boutique kontaktieren, „aber mit dem Anprobieren ist es schwierig“, bedauert Geschäftsführerin Belz. Gerne bringen die beiden Damen eine Auswahl ihrer Kollektion nach Hause. Sie fahren Bestellungen aus, verkaufen viele eigene Geschenk-Gutscheine und solche des Gewerbevereins.

Lockdown in Mühlheim: Öffnen, auch wenn die Einnahmen die Ausgaben nicht decken?

„Wir hatten während der ersten Schließung im März eine gute Phase“, blickt Mitinhaberin Petri zurück, „auf Dauer ist das natürlich schwierig“. Die Frühjahrsware sei längst bestellt, für die Wintermode kaum ein Schlussverkauf machbar. Und dann sei da noch das Jubiläum „20 Jahre Creativ Mode & Design“, auf das sie nicht anstoßen konnten. „Wir haben viele neue Kunden über Mundpropaganda gewonnen“, berichtet Petri und ist sich sicher, dass diese auch wieder kommen, wenn das Fachgeschäft wieder normal öffnet.

Despina Pelekanas darf ihre Änderungsschneiderei aufmachen, weil sie auch reinigt. „Ein paar Tischdecken sind in der Maschine“, sagt die Griechin, „aber das lohnt sich nicht“. Die Einnahmen decken nicht die Ausgaben für Strom, Miete, Telefon. Um 9 Uhr morgens sei die Straße leer, nur bei ihrem Schwager, dem Gemüsehändler Kosta, stehen schon Kunden vor der Tür.

Das Restaurant im Hildesheimer Hof probiert es mit einem Abholservice. Doch es sei sehr schwierig, die frischen Zutaten in den richtigen Mengen einzukaufen, erläutert Wirt Ljubo Gajic.

Mühlheim: Corona-Lockdown – „Die Mühlheimer sind sehr treu und verlässlich“

„Die Mühlheimer sind sehr treu und verlässlich“, zeigt sich bei Cornelia Roth. In ihrem Blumenladen lassen sich die Kunden Pflanzen für ein schönes Zuhause zusammenstellen. Dabei legen sie Wert auf Qualität und regionale Ware. „Das Mitbringsel zum Kaffee-Besuch am Nachmittag fällt weg“, sagt die Floristin. „Wir haben etwas weniger Umsatz, aber es könnte schlimmer sein.“ Cornelia Roth schwärmt vom Zusammenhalt der „super Kollegen: Man hilft und informiert sich gegenseitig“. Als sie im Frühjahr schließen musste, verkauften der Unverpackt- und der Teeladen ihre Blumen. Diesmal darf sie selbst öffnen, weil sie zu den Gruppen Landwirtschaft und Handwerk zähle. Letzteres gilt auch für Schuster Faiz Arya.

Die Reparatur von Sohlen und Schaft könne zwar warten. Der Afghane punktet aber mit einem Schlüsseldienst. Trotzdem zählte er am Freitag nur zwei Kunden. Arya studierte in seiner Heimat Medizin, war im Ketteler-Krankenhaus tätig. Nach einer Nervenerkrankung musste er seinen Beruf quittieren und übernahm im vergangenen Jahr die Schuhmacherei. Da hatte noch keiner an eine Pandemie gedacht. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt bei 253 (Stand: 20. Dezember).

Faiz Arya ist mit seinem Schlüsseldienst auch während des Lockdowns für die Kunden da.

Mühlheim im Corona-Lockdown: Bistro-Besitzer haben es schwer

„Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gesagt, die Leute sollen zu Hause bleiben, und die Mühlheimer nehmen sich das zu Herzen.“ Piotr Stachowiak hat erst vor wenigen Wochen mit Borce Kotevski das Bistro Mila eröffnet, „jetzt trauen sich die Leute nicht, ohne Mundschutz auf der Straße einen Kaffee zu trinken“. Die Warmhaltetheke ist außer Betrieb, in Kürze gibt’s kein Essen mehr. In ihrem Lebensmittelladen allerdings kaufen besonders polnische Landsleute eifrig in der Vorweihnachtszeit hausgemachtes Gebäck und Lebkuchen ein.

Bei Isabell Völker im Hinterhof haben Gourmets bereits im November Weine und Präsentkörbe reserviert. Die Fleisch-Sommeliere führt Premium-Ware aus der Region, berät jüngere und ältere Interessierte. Allein die geplanten Feiern und Vorträge im Bistro fallen flach. (Michael Prochnow)

Zur Kontrolle der Corona-Regeln bekommt auch die Stadt Mühlheim Unterstützung von der Bundespolizei. Noch immer versuchen einige Bürger im Kreis Offenbach sich der Maskenpflicht entziehen.

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