Aufkleber verschandeln nicht nur Kulturweg / Stadt ist auf Hinweise angewiesen

Diese „Offenbacher sind überall“

„Offenbacher sind überall“: Diese gelb-schwarzen Aufkleber verdecken vielen Wegweiser auf den Kulturweg der Naturfreunde und auf den Hessischen Radfernweg R4.
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„Offenbacher sind überall“: Diese gelb-schwarzen Aufkleber verdecken viele Wegweiser auf den Kulturweg der Naturfreunde und auf den Hessischen Radfernweg R4.

Dass Offenbacher überall sind, ärgert die Mühlheimer Naturfreunde. Und dabei geht’s nicht um die Nachbarn im Westen, sondern gelb-schwarze Aufkleber mit eben jenem Slogan: „Offenbacher sind überall“. Diese verdecken an vielen Stellen die Hinweise auf den 16 Kilometer langen Kulturweg der Naturfreunde rund um Mühlheim. Für das Ordnungsamt wiederum ist es schwierig, die Verursacher zu fassen, da helfen meist nur Hinweise aus der Bevölkerung.

Mühlheim – Gerd Katzmann, Pressewart der Naturfreunde, ist jedenfalls außer sich über den für ihn unverständlichen Vandalismus: „Die Übeltäter können wahrscheinlich nicht nachvollziehen, was das bedeutet, denn Wanderer und Radfahrer sind – um nicht ihre Touren wegen unleserlicher Beschilderung abbrechen zu müssen – auf die exakte Beschilderung angewiesen.“ Zudem entstehe den Naturfreunden ein nicht unerheblicher Schaden, „denn die Aufkleber kosten mittlerweile zwischen fünf bis zehn Euro das Stück“.

Der 2012 von dem Verein ausgeschilderte Kulturweg rund um die Mühlenstadt wird von Radfahrern und Wanderern gut angenommen. „Die positiven Rückmeldungen freuen natürlich besonders“, sagt Katzmann. Er fährt in regelmäßigen Abständen den Weg mit dem Fahrrad ab, um eventuell beschädigte oder unleserlich gewordene Schilder zu ersetzen. Nun stellt er seit etwa einem Jahr immer wieder fest, dass Menschen aus unerklärlichen Gründen viele der Hinweisschilder mit eben jenem gelb-schwarzen Logo überkleben. Auch einige Schilder, die auf den Hessischen Radfernweg R4 hinweisen, seien damit überklebt worden, hat Katzmann dokumentiert.

„Offenbacher sind überall“: Diese gelb-schwarzen Aufkleber verdecken vielen Wegweiser auf den Kulturweg der Naturfreunde und auf den Hessischen Radfernweg R4.

Für Stadt und Polizei sind wilde Aufkleber an Laternen oder Straßenschildern ebenfalls ein Ärgernis. Letztlich bleibe da nur die kostenpflichtige Entfernung der Sticker, eine Reinigung sei nur bei vergleichsweise neuerer Beschilderung möglich, erläutert Erster Stadtrat Dr. Alexander Krey auf Anfrage. Häufig müssten aber vorrangig ältere Verkehrszeichen komplett getauscht werden, „da die Folierung im Verlauf der jahrelangen Nutzungsdauer porös wird und eine Reinigung somit nicht mehr möglich ist“.

Der nötige Reinigungsvorgang sei einzelfall- und aufwandsabhängig, genaue Kosten kann der Mühlheimer Sozialdezernent nicht nennen. Diese reichten von einem knapp dreistelligen Betrag für eine Reinigung, bis zum Austausch ganzer Schilder. Eine Statistik, in der Kosten für Aufkleberentfernung differenziert aufgeführt sind, gibt es bei Stadt und Stadtwerken nicht. Krey sagt allerdings, dass pro Jahr durchschnittliche Kosten in vierstelliger Höhe zur Behebung von Vandalismusschäden anfallen, etwa auch für die Instandsetzung von Verteilerschränken oder Trafostationen.

Grundsätzlich werde grober Vandalismus zur Anzeige gebracht, sagt Krey und schränkt ein, dass die Ermittlung der Täter für die Polizei schwer sei. „Im Regelfall sind Stadt und Polizei von Beobachtungen und Zeugenaussagen der Bürgerschaft abhängig“, sagt der Erste Stadtrat. So habe man in der Vergangenheit einige „Vandalen auch in flagranti erwischt“.

Die Täter müssen dann neben einer Anzeige auch mit den Kosten der sachgemäßen Wiederherstellung rechnen. „Häufig sind diese Kosten von ahnungslosen und überraschten Eltern zu tragen, da Täterinnen und Täter oftmals noch nicht voll strafmündig sind“, informiert Krey. Zuständige Gerichte haben bei Straftaten dieser Art einen weiten Handlungsspielraum, erläutert der Jurist weiter, dieser reiche sowohl bei Jugendlichen als auch Erwachsenen von Sozialstunden bis zum Arrest. „Grundsätzlich sieht der Gesetzgeber aber einen Strafrahmen mit Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe im Erwachsenenstrafrecht vor.“

Gerd Katzmann hat mittlerweile neue Schilder besorgt und will sie in den kommenden Tagen neu aufhängen. Er hofft, dass die „gelb-schwarzen Offenbacher“ nicht bald wieder überall sind.  (ron)

Infos im Internet: naturfreunde-muehlheim.de/kulturweg.htm

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