Diesen einen Moment einfangen

Fotografie ist Hans-Peter Schwengers Leidenschaft

Aufnahmen für die Seele: Die
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Die Leser unserer Zeitung kennen Hans-Peter Schwenger als den Mann, der in der Mühlheimer Natur die besonderen Bilder schießt. Bis 2012 stand der Bäckermeister in dritter Generation mit seiner Frau Mona im eigenen Geschäft an der Hanauer Straße 35. Stolz ist Schwenger, dass die Bäckerei auch unter neuer Flagge immer noch floriert.

Mühlheim – An Silvester vor acht Jahren hatte er das letzte Mal den Backofen ausgeschaltet. „Das fiel mir nicht leicht“, erinnert sich der 68-Jährige an diesen sentimentalen Moment. Besonders in einem Stadtteil wie Dietesheim, mit seinem dörflichen Charakter, sind die kleinen Geschäfte nicht nur Kaufgelegenheiten, sondern auch Treffpunkte, wo die Leute miteinander ins Gespräch kommen. „Jeder Ort sollte mindestens eine Kneipe, eine Apotheke, eine Metzgerei und eine Bäckerei haben“, konstatiert Schwenger, der auch zu den Initiatoren und Ideengebern des Buchs mit dem Titel „Vom Metzger-Peter zum Kino-Heiner“ gehört, das der Geschichtsverein 2013 anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Dietesheim herausbrachte.

Bäckermeister mit Faible für Technik

Die Familienbäckerei übernahm Schwenger 1980, „ich hatte es meinem Vater versprochen“. Ewigkeiten stand der er um zwei Uhr nachts auf, weil um fünf der Laden öffnete, um die werktätige Kundschaft mit belegten Brötchen zu versorgen, „viele stoppten auf dem Weg zur Frühschicht bei MAN Roland“. Ehrenamtlich übernahm der Mühlheimer eine Aufgabe, für die sich ebenfalls nicht jeder meldet, wenn es heißt, „wer will das machen?“. Von 1974 bis 1987 agierte er als Wehrführer. Das bedeutete manches Mal, vor dem Aufstehen erst gar nicht ins Bett zu kommen. Sein Faible für Technik habe ihn für die Feuerwehr begeistert. Wäre er nicht Bäcker geworden, „hätte ich mir Radio- und Fernsehtechniker als Beruf vorstellen können“.

Nachts arbeiten zu müssen, wirkt auf viele Menschen nur wenig attraktiv. Schwenger erzählt von Beate und Mandy, denen das lag; zwei Bäckergesellinnen, die der Meister selbst ausgebildet hatte. Über Jahrzehnte standen die beiden Frauen in der Backstube. Beate hatte Schwenger am Stand der Bäckerinnung auf einer Berufsmesse in Hausen kennengelernt. Mandy meldete sich auf eine Anzeige, die der Dietesheimer kurz nach dem Ende der DDR in einer Zeitung in Suhl aufgegeben hatte. Der Autor des Backbuchs „Frankfurter Bethmännchen – Schritt für Schritt illustriert und erklärt“ betrachtet die beiden als Glücksfall seines beruflichen Lebens: „Sie waren die Garanten, dass es auch mal ohne mich laufen konnte.“

Alleinunterhalter mit der Drehorgel

Hans-Peter Schwenger schätzen viele auch als den Mann an der Drehorgel. Zu seinem 50. Geburtstag vermied er es, Weinkaraffen und Teneriffa-Bildbände auf den Gabentisch gelegt zu bekommen. Stattdessen stellte der Jubilar bei seiner Feier ein Sammelschwein für einen Leierkasten auf. Mit eben diesem gehörte er nun während der Ausgangssperre auch zu jenen, die Bewohner des DRK-Altenheims vom Hof der benachbarten Goethe-Schule aus musikalisch unterhielten.

Die Mühlheimer kennen den Dietesheimer auch als unterhaltsamen Stadtführer, der durch Zufall ins Metier rutschte. Der im Oktober 2019 verstorbene Werner Kempf hatte Schwenger 2011 gebeten, anstatt seiner die Menschen durchs Naherholungsgebiet zu führen: „Hans-Peter, du kennst dich doch bestens aus.“

Das Interesse an der Fotografie forcierte er 2017, nachdem er vom Arzt die Diagnose erhielt, die auf jeden, den es trifft, wie ein Albtraum wirkt: Krebs. Schwenger entdeckte die Fotografie als Mittel, sich in trüben Momenten abzulenken. Seinen Bildern ist anzusehen, worauf es ihm ankommt, „nicht simpel einen Hügel oder ein Gebäude zu fotografieren, sondern diesen einen Moment einzufangen“.

Bei der jüngsten Untersuchung vor ein paar Wochen fanden sich keine Spuren von Krebs mehr. Er erzählt, wie er mit leichtem Herzen die Praxis verließ und einen süßlichen Geruch wahrnahm, „im Auto aß ich erst mal eine Packung Popcorn“. (Stefan Mangold)

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