Dietesheim feiert Geburtstag

Na, wer ist 1000 Jahre alt?

+
Keine Frage: Brezeln hatten Bäckersfrauen früher nicht am Kittel kleben. Er war eben sehr detailverliebt, der Festumzug.

Diddesem - In den jüngsten Tagen seiner tausendjährigen Geschichte muss Dietesheim ein einziges großes Trainingslager des Chorgesangs gewesen sein. Von Marcus Reinsch

Zu schließen ist das zuvorderst natürlich aus „Dietesheim singt“, jenem Riesenkonzert mit allen Vereinen, das nicht nur stolzen Eltern in bester Erinnerung bleiben wird. Ganz ohne Üben kann aber auch die Sache mit dem Schlachtruf nicht abgegangen sein. Freitagabend, Eröffnung im Festzelt: Bieranstich, Gratulanten stehen Schlange am Mikro, andere am Zapfhahn. Und das Sprüchlein, dessen Suche über unsere Zeitung einen lokalpatriotischen Sturm der Kreativität ausgelöst hat, sitzt fast so sicher wie das „Unser!“ auf die Kramwinkelche Kerb-Litanei „Wem ist die Kerb?“.

Wann immer einer der Honoratioren „Wer ist dausend Jahre alt?“ ins Zelt fragt, schmettern Tausend im Publikum zurück: „Diddesem und sein Basalt!“ Schönes Spiel. Darf er stolz drauf sein, der gebürtige Dietesheimer Hans-Peter Brehm, der am Sonntag beim Frühschoppen als Urheber des Schlachtrufs enttarnt werden und sein gewonnenes 20-Liter-Festbierfässchen sogleich in 150 Euro für die Dietesheimer St. Sebastian-Renovierung ummünzen wird. Von solchen Gaben ist auch Pfarrer Willi Gerd Kost berauscht.

Gefühlt mehr los als beim Fastnachtszug

Zeit- und Ortssprung; Samstagnachmittag, Dietesheimer Straßen und Gassen: Wer hier Haus und Hof hat, darf sich vieler Freunde und Besucher sicher sein. Gartenbank aufs Trottoir schleppen, niederlassen, gucken, Versorgung fest und flüssig durchs Küchenfenster - sehr praktisch. Andere Tausendschaften, gefühlt ist mehr los als beim Fastnachtszug, säumen die Straßenränder, die vielen engen Kurven, die der Festzug meistert.

Wer ihn verpasst, wird das wohl lange bereuen. Der Festausschuss, jene Runde aus sieben Dietesheimer Vereinen mit Rückendeckung der Stadt, hat generalstabsmäßige Arbeit geleistet, um alle und alles unter einen Hut zu kriegen. Vor allem: Der Zug ist zwar bis auf Einzelexemplare bonbonfrei, er hat aber andere Qualitäten. Bessere, zumindest aus Erwachsenensicht: Da sind Kostüme unterwegs, bei denen nicht sicher ist, ob es wirklich Kostüme sind oder Originale. Nicht solche aus der Gründerzeit, versteht sich. Doch aus dem vergangenen Jahrhundert steckt offenbar noch manches in Dietesheimer Schränken. Wichtiger Unterschied zur Vergangenheit: Die ganz den Diddesemer Traditionen Landwirtschaft, Basaltabbau, Weinanbau und Fischerei verpflichteten Historiengestalten in sechs Dutzend Nummern beim Festzug haben eindeutig mehr zu lachen als ihre Vorbilder.

Alle Bilder von der 1000-Jahr-Feier

Dietesheim feiert sich

Und, da schließt sich der Kreis zur Brehmschen Beschwörungsformel, mehr zu singen. Die akustische Kulisse passt zur historischen; vieles bahnt sich seinen Weg durch die Schluchten. Da ist auch mal ein verirrtes „Helau“ dabei und, der Original-Kerbborsch wurde für den Festumzug kurz aufgeweckt, ein „Wem ist die Kerb“.

Morgen gibt‘s Details zum Festzug, Basaltkopp-Abend und zum Großer Zapfenstreich.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare