Besucher verabschieden Kerbborsch

Dietesheimer Kerb: Letzter Gang mit viel Getrommel

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Viele Dietesheimer haben ihren Kerbborsch auf seiner letzten Reise begleitet.

Mühlheim - Vier Tage hat Dietesheim rund um die Lenne Kerb, im übervollen Garten des Schwesternhauses wie an der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche gefeiert. Von Michael Prochnow 

Am Dienstagabend nahmen die Basaltköpp mit dem traditionellen Zug über die voll besetzten Festplätze Abschied von ihrem Kerbborsch.

Helau küsst Unser! Nach 42 Frisuren, Bartmoden, Hüten und Halstüchern führte der Kerbborsch nun zusammen, was zusammengehört: Kerb und Fastnacht. Diesmal nahmen nämlich Kappenträger der Kolpingfamilie St. Sebastian mit ihrer närrischen Kopfbedeckung den heimlichen Herrscher über vier Tage auf den Arm. Und nachdem Wolfgang Kramwinkel ganz offiziell das Mikrofon der Kappensitzungen aus der Hand gelegt hat, scheute er sich als Zeremonienmeister der Dietesheimer Kerb nicht, ein dreifach donnerndes „Helau“ einzufordern.

Korrekt heißt der Schlachtruf freilich: „Wem is’ die Kerb?“ Und das Volk schmettert mit einer Stimme: „Unser!“ Auch das übte Kramwinkel auf der evangelischen wie auf der katholischen Seite der Schiffschaukel. Wobei das Gerät noch nicht jenes war, das gerade von einem eigens formierten Verein aufgemöbelt wird. Aber Kerb-Guru Kramwinkel ließ den Initiator der Sanierung, Nick Zortea, unterm Nussbaum schon mal kräftig hochleben.

Die Kerbborschen schwangen sich also mit ihrem Herrscher mit dem Brauereistuhl auf dem Lämmerspieler Modell auf. Zuvor hatten sie den gut gekleideten Typ mit dem Plastikgesicht von seinem luftigen Aussichtspunkt am Schwesternhaus herabgelassen. Die Weinlaube am Haus Ruts und die Schiffschaukel hat er noch sehenden Auges erlebt, doch auf dem Rückweg zum Schwesternhaus packten ihn die Borschen unauffällig in die geräumige schwarze Kiste.

Dietesheimer Kerb 2018: Weitere Bilder

So zogen sie mit zwei Dutzend Musikern – darunter der Pfarrer Ralf Grombacher mit der Gitarre, Dekan Willi Gerd Kost mit seiner Quetschkommode und viele Vereinsleute aus Bieber, Hausen und Dietesheim – mit Gebläse und Getrommel um die Häuser. Das Repertoire ist klar: „Die Diddesemer Kerb“, „Jetzt kommen die lustigen Tage“, „Heut’ ist Kerb in Dietesheim“ und natürlich die Hymne „Steht auf, wenn ihr Basaltköpp seid“ – alles nach bekannten Melodien von Volksliedern und Evergreens.

In seiner Begrüßung nannte „Guru“ Kramwinkel im peruanischen Poncho die Gäste aus den Nachbarorten, Namen- und Wohnsitzlose, Immerdurstige und eben die Basaltköpp. Auch im Jahre 1005 Basaltaniens sang er das Hohelied auf die Kerbeltern Benner und die Kerbtochter Sonja, die den Kerbborsch wieder flott und modern ausgestattet hat. Zwei ehemalige und ein amtierender Bürgermeister verliehen dem Umzug am Samstag Glanz, Daniel Tybussek ließ das Freibier obendrein wieder nach einem einzigen Schlag mit dem Holzhammer fließen.

Viel Hallo löste auch die Mitteilung des Ponchoträgers aus, dass, nach einem aus den eigenen Reihen, der Müllerborsch nun aus Lämmerspiel komme und ein Bayer sei. Eine „Eilmeldung“ war Kramwinkel auch Gerhard Kaspar wert, der Generalsekretär der Kerb wurde jüngst vom Rathauschef mit dem Ehrenbrief geadelt. Gelächter löste die Nachricht aus, dass es im Garten diesmal auch Gemüsefrikadellen gab. „Dann lieber Wodka Soda an der Bar.“

Fotos zur Kerb 2018 in Dietesheim

Ernster war wohl der Alarm gemeint, dass auch für die Kerb 2019 neue Mitarbeiter gesucht werden. „Wenn zu wenig Helfer da sind, leiden wir an Hunger und Durst“, rief der Anführer in gleich zwei Mikrofone. Diese Drohung sollte unter echten Basaltköppen nicht ungehört verhallen.

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