Eine Königin auf der Leiter

Dietesheimer Sternsinger bei ihrer großen Shopping-Tour

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Die Kita-Kinder erwarteten die Sternsinger schon stilecht mit gekrönten Häuptern. Später war die Begegnung mit Dietesheimern zwangsläufig nicht mehr auf Augenhöhe. J Fotos:

Mühlheim - Es ist fast wie damals, der Stern führt zuerst zu den Kleinsten. Die Mädchen und Jungen der Kita an der Hermann-Hesse-Straße haben sich intensiv auf den Besuch der Sternsinger vorbereitet. Von Michael Prochnow

20 Teilnehmer an Dietesheims Dreikönigsaktion brachten den Segen in Wohnungen und Geschäfte. Manche der Kindergartenkinder tragen selbst Kronen, empfangen den Besuch der Buntgewandeten mit offenen Mündern und großen Augen. Die „Weisen“ von St. Sebastian haben eine kluge Wahl getroffen. Während ihre Kollegen in den Nachbargemeinden zuvor durch den Regen marschieren mussten, ist den jungen Dietesheimern mehr Wetterglück beschieden. Nach dem Auftritt vor dem Nachwuchs in der Pfarrei-Kita teilen sich Kronen- und Sternträger in vier Gruppen auf, um die heimische Geschäftswelt zu besuchen.

Kurz nach Weihnachten hatten sich die 20 Kinder mit den Betreuern und Gemeindereferent Dirk Stoll getroffen, die Lieder durchgesungen, Gruppen eingeteilt und den Film zum Leitwort der aktuellen Dreikönigsaktion geschaut: „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“ Auf dem Subkontinent und in vielen anderen Regionen der Erde, haben die Sternsinger vernommen, müssen Kinder arbeiten, können nicht zur Schule gehen.

Die europaweite Aktion wird bereits seit 1959 vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) veranstaltet. Sie hat sich zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder gemausert. Mehr als eine Milliarde Euro wurden seither gesammelt. Jährlich werden 3000 Projekte in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa Programme zur Bildung, Gesundheit, Pastoral, Ernährung, sozialer Integration und zur Nothilfe in gefördert. Vergangenes Jahr hatten die Gruppen in mehr als 10.000 Kirchengemeinden fast 47 Millionen Euro gesammelt. Zu diesen Pfarreien zählen auch St. Markus und St. Maximilian Kolbe, St. Lucia und St. Sebastian in Mühlheim, Markwald, Lämmerspiel und Dietesheim. In diesem Jahr werden sie rund 20.000 Euro zum Gesamtergebnis beisteuern.

Hessische Sternsinger bei Angela Merkel

Doch die Hilfe in Euro und Cent bildet nur einen Aspekt der Tradition, erklärt der Gemeindereferent. Das spüren auch Evelyn, Julia, Paula und Sarah auf ihrem Weg zu den Adressen auf ihrem Laufplan. Die Vier sind fast zehn Jahre alt und klingeln mit ihren Begleitern Jona (15) und Yannick (16) zuerst bei einem Elektro-Betrieb. Hinter der verschlossenen Tür antwortet ihnen nur Hundegebell. Dafür trifft das Team bei der nächsten Adresse auf umso mehr Zweibeiner. Bevor die Sänger den Friseursalon betreten, diskutieren sie, welches Lied sie drinnen singen wollen. Die Stimmen klingen noch etwas schüchtern, doch das soll sich rasch ändern.

Föns und Hauben müssen kurz pausieren, damit Caspar, Melchior und Balthasar ihre Segenswünsche aufsagen können. Dann werfen Frisörinnen und Kundinnen Münzen und Scheine in die Sammelbüchse, die Süßigkeiten packen die Jungs ein. Nächste Station: Blumenladen. Dort empfangen zwei Damen die Schüler freundlich und bedanken sich mit Spenden. Im Geschenkeladen besorgt die Inhaberin eine Leiter, damit eine noch nicht so lange „Königin“ den Aufkleber mit dem Segenswunsch an die Tür kleben kann. In die Villa Basalto kennt sich Sarah aus. „Hier gibt’s Wasser“, führt sie den Apparat vor. Eigentlich wäre sie jetzt auch in der Kita. Aber es ist ja Sternsingen!

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