Im Jugendzentrum lässt der Nachwuchs von damals die achtziger und neunziger Jahre aufleben

Als die Disco noch zündete

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Steffen Wüscht war damals schon eine Generation nach Marion Bentes (rechts), die zum Treffen der Ehemaligen Tochter Anna-Lisa mitbringt. Unten: Die beiden kennen sich auch schon über 20 Jahre. Eva Scholz (links), Mühlheims Frauenbeauftragte, arbeite als Pädagogin im Juz, als Bianca Civale hier aus und einging.

Mühlheim - Klassentreffen sind ein Klassiker. Dass sich Einstige eines Jugendzentrums Jahre später am Ort der eigenen Pubertät wieder sehen, ist recht neu. Im Juz an der Rodaustraße trafen sich viele, die hier früher die Nachmittage verbrachten. Von Stefan Mangold

Die sozialen Netzwerke stehen bei manchen im Ruf, lediglich Placebo-Freundschaften zu fördern. Man schickt 1000 Leuten in der Hoffnung auf „Likes“ ein Bild der Pizza, die man zu verspeisen gedenkt. Das schützt niemanden vor Einsamkeit. Manchmal bringt so ein Portal jedoch auch fürs reale Leben was. Denn ohne die Publikation dort wäre das Treffen im Mühlheimer Jugendzentrum wohl nicht zustande gekommen. Bianca Civale hatte die Geschichte organisiert und wegen der relativ wenigen Rückmeldungen Angst gehabt, es käme nur eine Handvoll vorbei. Zu Unrecht: Es erscheinen an die 30 noch aktuelle und einstige Mühlheimer. Die 37-Jährige verbrachte in den 90er Jahren so manchen Nachmittag in dem Bau, der 1951 als erstes Juz in Hessen in Auftrag ging. Ein wichtiger Kontakt von damals bestimmt heute noch den Alltag von Bianca Civale. Hier entstand die Verbindung mit ihrem heutigen Gatten Francesco, aus der eine Familie resultierte. Francesco Civale steht hinter dem Tresen und gibt Flaschen aus.

„Nostalgie spielt natürlich eine Rolle“, nennt Bianca einen Grund für die Party der Ehemaligen. Sie hat immer noch die Geräusche vom Tischkicker im Ohr, die bestimmten Hits aus dem Radio, erinnert sich an die Momente in der Mädchengruppe, „wenn wir mit Eva Scholz über reine Mädchenthemen sprachen“. Scholz, heute im Rathaus die Leiterin des Sachgebiets für Gleichberechtigung, Integration und Prävention, arbeitete damals im Juz als Pädagogin. Auch sie schaut heute dort vorbei, wo 1995 ihr Erwerbsleben begann, mit damals 24 Jahren. Das Diplom hatte Scholz zwar schon ein Jahr vorher in der Tasche. Doch ihr Professor riet damals, sich ob ihrer Jugend vor der ersten Bewerbung noch ein wenig im Dunstkreis der Uni zu bewegen.

Scholz erinnert sich auch an Konflikte zwischen den männlichen Besuchern von damals, die sich meist schon außerhalb des Juz angebahnt hatten und sich nicht selten innerhalb körperlich entluden. Das habe insofern sein Gutes gehabt, „dass wir hinterher den Streit mit den Kontrahenten besprechen und oft auch lösen konnten“. Scholz stellte 1997 Alexander Meister als Honorarkraft ein. Der mittlerweile 48-Jährige arbeitet hier längst fest und erinnert sich noch an die Zeit, als Bianca Civale regelmäßig vorbeikam und die Juz-Disko noch als Aufreger galt. Die wurde später eingestellt, weil sie niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockte. „Keine dolle Licht- und Lautsprecheranlage, außerdem wirkt das Alkohol- und Rauchverbot so unattraktiv wie der Zapfenstreich um Mitternacht“, erklärt Meister, warum der Knüller von einst schon ewig nicht mehr zündet.

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Über Facebook erfuhr auch Steffen Wüscht von dem Treffen. Er schaute ebenfalls in den 90er Jahren regelmäßig an der Rodaustraße vorbei, um sich zu informieren, „was heute hier los ist“. Der 37-Jährige erinnert sich besonders an die Ferienfahrten, die das Juz organisierte, in die Toscana, auf die Inseln Elba und Sardinien, „mit dem Bus ging es in Mühlheim los“. Das Ende der Schulzeit läutet in der Regel das Ende der Besuche im Jugendzentrum ein. „Mit dem Beginn der Ausbildung gehen die Wege auseinander“, weiß Wüscht. Ganz natürlich. Neben ihm spielt Marion Bentes mit Tochter Anna-Lisa eine Partie Uno. Die älteren Geschwister der 40-Jährigen bekamen damals von der Mutter die Direktive, die Kleine ins Jugendzentrum mitzunehmen, „murrend führten sie das aus“.

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