Ingenieur im Ruhestand, Dr. Peter Mayer, widmet sich der Fotografie und der Malerei

Dr. Lufts Faible für Kunst

Unzählige Landschaften: Dr. Peter Mayer zeigt einige seiner Aquarelle.
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Unzählige Landschaften: Dr. Peter Mayer zeigt einige seiner Aquarelle.

Viele kennen ihn als Gastgeber am Umweltstammtisch. Der quirlige Bartträger gewinnt mit seiner bescheidenen, freundlichen Art viele Sympathien, ist sich auch nicht zu schade, mit Picker und Plastikbeutel am Bahndamm zu patrouillieren. Es ist Dr. Peter Mayer, Mayer mit „a-ypsilon“ – und mit viel Talent für die Bildgestaltung. Wobei ihn sein Weg über Pinsel und Farbe zu Objektiv und Digitalfotografie geführt hat.

Mühlheim – Die Wände in seinem lichten Wohnzimmer bestimmen Aquarelle. Mayer liebt Landschaften, von den Bergen bis zum Meer, das verrät die gerahmte Auswahl auf der weißen Raufaser. Die Fotografien schlummern auf der Fesplatte im Computer, einige aber haben Freunde in Bücher drucken lassen. „Ich habe schon als Kind gerne gezeichnet und gemalt“, verrät er. „Eine künstlerische Ausbildung kam aber nicht in Frage, also blieb ich ein Freizeitmaler.“

„Damals gab es in Mühlheim ein reiches künstlerisches Feld“

Gut, van Gogh hatte auch kein Geld für Farben, heute werden seine Bilder für Millionen versteigert, erzählt der Bewohner des Franzosenviertels. „Ich fühle mich im Innersten als Künstler, aber mit der Kunst verhungerst du.“ Darum erlernte er einen „soliden Beruf“, trug aber immer den Skizzenblock bei sich. In seiner Jugend wurde der Fotografie noch wenig Wert beigemessen, „die Apparate taugten noch nicht so viel, aber die Kamera hat mich immer mehr gelockt“. Längst verlässt er das Haus nicht mehr ohne Objektiv. Wieder zu Hause bearbeitet er seine Bilder mit dem Photoshop-Programm.

Peter Mayer wurde 1936 in Pinnau geboren, einem kleinen Dorf am Rande des Elbtals, gegenüber von Hitzacker, in der DDR. Sein Vater sah als junger Lehrer dort „keine Chance auf eine vernünftige Schulausbildung“. Die Familie wechselte rechtzeitig die Seiten, der Sohn machte sein Abitur in Uelzen. In Hannover studierte er Maschinenbau und promovierte. Fast sein ganzes Berufsleben verbrachte er in Offenbach.

Bei MAN-Roland war er zuletzt in der Forschung und Entwicklung von Bogendruckmaschinen beschäftigt, „Doktor Luft“, wie ihn die Kollegen würdigten, arbeitete an der Strömungsmechanik. „Der Ingenieur hat mich ernährt, der Künstler mich nicht verlassen“, resümiert er. Auch in seinem Hobby war er neuen Techniken nicht abgeneigt. Ehefrau Vera, an die zwei Töchter, zwei Enkel und ein Urenkel erinnern, habe ihn zu den Hobbykünstlern um Gerd Müller geschickt. „Damals gab es in Mühlheim ein reiches künstlerisches Feld“, blickt er zurück. Mayer selbst hat den Kreis in Künstlerwerkstatt umgetauft, die Gruppe genoss ein gutes Image, ist aber nach Unstimmigkeiten zerfallen. Man präsentierte sich erst in der Willy-Brandt-Halle, später in der Galerie Regenbogen von Nik Masters auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

„Kunst machen ist leicht, sie an den Mann bringen, schwer“

„Sie war sehr beliebt und bekannt“, sagt Mayer. Nach ihrem Tod sprang Karl-Christian Schelzke in die Presche und lud zur Ausstellung in den Hessischen Städte- und Gemeindebund ein. „Jetzt brauchen wir neue Ideen, neue Namen und ein neues Miteinander“, findet der kreative Kopf. „Kunst machen ist leicht, sie an den Mann bringen, schwer.“

Er selbst hat begonnen, seine Motive per Mail an Fans zu verschicken. Eine Freundin hat daraus Fotobücher erstellt, irgendwann entschieden sie sich, nur quadratische Bilder auszuwählen. Mittlerweile unterhält der Hobbyfotograf auf Facebook eine eigene Seite mit Mühlheimer Ansichten, die er regelmäßig austauscht. Und 2008 erschien sein Bildband „Mühlheim am Main mit offenen Augen entdecken“, die Texte sind von der heimischen Schriftstellerin Angela Ochel.

„Ich hatte nie den Wunsch, perfekt zu sein, auch nicht bei der Arbeit“, betont der überzeugte Mühlheimer, „ich habe eigentlich immer gemacht, was mir Freude bereitet“. Dazu gehörte sein Engagement für die Volksabstimmung zu den Stadtwerken und das „Bremsen“ der geplanten Biogasanlage. „Wo ich helfen kann, habe ich mich eingebracht, sonst rausgehalten.“ Als nächstes möchte er die Geschichte „500 Jahre Abtshof“ zur Neueröffnung des Restaurants in einem kleinen Heft vorlegen. „Aber wir sind beide noch nicht soweit.“ (Michael Prochnow)

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