Ein Geschäft für einfach jeden

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Ein Bild vom Eröffnungstag des DRK-Kleiderladens. Der steht allen Kunden offen, nicht nur bedürftigen.

Mühlheim - Der vor wenigen Monaten eröffnete DRK-Kleiderladen in der Mühlheimer Innenstadt hat sich etabliert und ist neben Lebensladen und ökumenischer Kleiderkammer eine stabile Masche des sozialen Netzes in der Stadt geworden. Wobei: Noch etwas bekannter wäre noch besser. Von Marcus Reinsch

Wer den Klamottenladen an der Ecke der Mozartstraße mit der Bahnhofstraße verstehen will, macht seine geistigen Schubladen am besten komplett dicht. Dann muss er Christine Zoeller nicht immer wieder fragen, ob sie eben wirklich von „Sortimentswechsel“ gesprochen hat und von „Schlussverkauf“. Dann wundert er sich erst gar nicht über Schaufensterpuppen hinter Glas und dass es auf diesen vielleicht 100 Quadratmetern neben all dem Standard-Stoff auch Abendkleider, Skianzüge und, relativ frisch reingekommen, „solche verrückten Hüte für Karneval“ gibt.

Eine Winterjacke für drei Euro

Der Mühlheimer Kleiderladen ist Ende September letzten Jahres vom Kreisverband des Offenbacher Roten Kreuzes gegründet worden. Es ist - da unterscheidet er sich etwas von Kleiderkammern herkömmlicher Machart und ganz gewaltig von den mit Nächstenliebe schlicht unvereinbaren normalen Geschäften - kein Laden für Bedürftige. Es ist ein Laden für alle Menschen, der gespendete Kleidung an Normalverdiener sehr günstig verkauft und an Bedürftige über ein Gutscheinsystem fast verschenkt. Eine dicke Winterjacke, entgegen aller Erwartungen auch ein paar Tage nach dem aktuellen Kälteeinbruch noch zu haben, wechselt für einen bis drei Euro den Besitzer. Alles andere - Shirts, Hosen und Schuhe, Pullis, Herrenanzüge und fast jedes weitere erdenkliche Gewand - kostet bis auf die exquisitesten Stücke nicht mehr. Was in die Kasse kommt, begleicht Strom, Kaffee, Kosten für Regale und Kleiderständer, Fortbildungen und die Miete für die frühere Kneipe neben dem Reisebüro. Und wenn künftig mal was übrigbleibt, wird der DRK-Kreisverband mit dem Geld weitere Projekte in weiteren Städten finanzieren.

Wäschekörbe voller Klamotten

Das ist das Konzept der DRK-Kleiderläden, erdacht von Beatrix Duttine-Eberhardt, der Sachgebietsleiterin für Wohlfahrt und Soziales beim Kreisverband, und erklärt von Sachbearbeiterin Christine Zoeller. Vor Ort, in Mühlheim, kümmern sich momentan eineinhalb Dutzend Ehrenamtliche um den Betrieb, in aller Regel Damen der Schöpfung. Sie bilden Teams, was auch nötig ist, weil sich aus der anfänglich zweimaligen Öffnung pro Woche schnell mehr entwickelt habe, sagt Zoeller. Mittlerweile schließen die längst zu eingeschworenen Gemeinschaften gewordenen Helferinnen, die noch Verstärkung gebrauchen könnten, außer mittwochs und sonntags an jedem Tag von 10 bis 12 Uhr auf, dienstags und donnerstags auch von 15 bis 17 Uhr.

Während dieser Stunden sorgen Spender für Nachschub. „Sie kommen mit Wäschekörben voller sauberer, gut erhaltener Kleidung, die vorsortiert und aufgehängt wird“, erklärt Christine Zoeller. „Alles, was nicht saisonal ist, verpacken wir in Kisten und lagern es bis zum Sortimentswechsel im Keller.“

Für manche Stücke sei allerdings immer Saison oder eben nie: Gespendet worden seien auch Brautkleider. Gut für die Frau. Und der Bräutigam? „Ein Zylinder ist, glaube ich, das Einzige, was momentan fehlt“, sagt Zoeller.

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