Anpacken wo andere nur zugucken

+
Übungen und Einsätze im Schulterschluss: Rotkreuzler übernehmen von den Wehrleuten die Verletzten.

Mühlheim - Kaum eine andere Organisation kann auf einen solch hohen Bekanntheitsgrad bauen wie Feuerwehr oder Rotes Kreuz. Das dokumentieren auch die Mitgliederzahlen. Von Michael Prochnow

Nahezu 1 200 Bürger gehören allein der DRK-Ortsvereinigung Mühlheim an, doch nur die wenigsten packen bei Blutspenden oder als Sanitäter mit an. Das möchte der Vorstand nun ändern und präsentiert bekannte und neue Aktivitäten, die vielerlei Talente herausfordern.

Mit Michael Gruber verfügt die Gruppe nun neben Michael Müller über einen zweiten Ausbilder. So können vierteljährlich „lebensrettende Sofortmaßnahmen“ für Führerscheinbewerber unterrichtet werden, dazu monatlich ein Kurs für Leute, die den Lkw-Führerschein machen wollen, für Lehrkräfte, Trainer und Übungsleiter. Zwischen zehn und 25 Teilnehmer sind über acht Doppelstunden an einem Wochenende dabei. Für die Pädagogen der Friedrich-Ebert-Schule und ortsansässiger Firmen bieten die Helfer eigene Termine an.

In diesem Jahr wollen die Rot-Kreuzler den Schulsanitätsdienst an der Haupt- und Realschule sowie am Gymnasium ausbauen. An der Rote-Warte-Schule besteht schon ein so genannter Pausenhof-Ersthelferdienst. Für Schüler in diesen Gruppen gibt es künftig monatliche Treffen mit dem Jugendrotkreuz, bei denen sie ihre Kenntnisse in Erster Hilfe erweitern können. Dieses Konzept diene auch dazu, das Nachwuchsproblem zu lösen, erläutert der stellvertretende Vorsitzende Walter Praschak.

Früher hatten sie zudem stets zwei bis drei vom Wehrdienst freigestellte junge Leute im Haus. Die gibt es nach der Aussetzung der Wehrpflicht nicht mehr. Schriftführer Sebastian Allen ist der letzte, Erster Vorsitzender Rainer Schmitt war der erste, der sich damals für zehn Jahre verpflichtet hatte.

DRK sucht Mitstreiter

Seit 2011 stellt die Ortsvereinigung eine „Schnelle Einsatzgruppe“ für den Katastrophenschutz, die SEG Nord unter Leitung von Dominik Christ. Sie umfasst zehn qualifizierte Sanitäter, die bei schweren Unfällen mit vielen Verletzten angefordert werden. Das Team bereitet sich regelmäßig mit Großübungen auf ihre Einsätze vor. Klare Regeln legen fest, mit welchen und wie vielen Kräften rausgefahren wird, verdeutlicht Christ. Bei schweren Unglücksfällen sorgt die Abteilung für die Betreuung und Verpflegung von Betroffenen und Brandschützern.

Die Aktive Bereitschaft findet auch in Sanitätsdiensten bei Großveranstaltung statt. Ihre Aufgaben führen die Helfer auf die Fastnachtszüge, aber auch zu Großereignissen im Rhein-Main-Gebiet. So wurden sie zu Fußball-WM und Hessentag gerufen. Sie stellen Streifen und „fangen die Mädchen auf, die bei Konzerten der Pop-Stars umfallen“, lächelt Sebastian Allen. Am kommenden Wochenende stehen die Mühlheimer wieder bei „Holiday On Ice“ in Frankfurt.

Wer als Sanitäter mit anpacken möchte, muss natürlich einen Erste-Hilfe-Kurs besucht haben und ein Einführungsseminar absolvieren. Es folgen verschiedene Fachlehrgänge, listet Christ auf. Dem DRK nutzen aber auch Leute, „die kein Blut sehen können“, betont Vorsitzender Schmitt. Technisch Versierte warten die Flotte von sechs Fahrzeugen, sichten die Medikamente und Material. „Wir haben Ehrenamtliche, die nur bei der Blutspende helfen“, bei den Terminen einen Imbiss bereiten. Von den Eltern-Baby-Kursen über Yoga und Rückenschule bis zur Seniorengymnastik spricht das DRK alle Generationen an. Der Seniorenclub besteht aus rund 60 Mitgliedern, die sich an jedem zweiten Donnerstag treffen, auch Vorträgen lauschen und Ausflüge unternehmen. Dienstags ab 19.45 Uhr treffen sich die Mitglieder im Rot-Kreuz-Haus an der Dietesheimer Straße 68a. Dann ist jeder willkommen, der mitmachen möchte.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare