Biogas hätte Gewinn gebracht

Ehemaliger CDU-Bürgermeister Müller blickt zurück

+
Arbeitet seit seiner Abwahl 2011 wieder als Rechtsanwalt: Der ehemalige Bürgermeister Bernd Müller.

Mühlheim - Er war bisher der einzige Mühlheimer Bürgermeister mit CDU-Parteibuch. Die erste Wahl gewann er 1999 ebenso überraschend, wie er seine dritte nach zwölf Jahren Amtszeit 2011 verlor. Seitdem arbeitet Bernd Müller wieder als Rechtsanwalt. Von Stefan Mangold 

Bernd Müller erschien meist mit leeren Händen. In der Regel ging er beim Musikverein, den Fastnachtern oder Kaninchenzüchtern ohne Zettel nach vorne. Müller trat stets ungestelzt humorig auf. Als Rechtsanwalt war er sowieso geübt, frei zu sprechen. Die Angler begrüßte der Christdemokrat einmal mit einem Bonmot, das von Jesus am See handelt. Ein Fischer fordert den Heiland auf, zu verschwinden mit den Worten: „Mir egal, wer dein Vadder is. Solang‘ ich hier angel, läuft mer kahner übers Wasser.“

Der heutige Kreistagsabgeordnete war 1999 der erste Kandidat der CDU, der sich bei der Wahl zum Bürgermeister in Mühlheim durchsetzen konnte. Keine zwei Jahre vorher hatte sich der SPD-Politiker Karl-Christian Schelzke noch haushoch im Amt bestätigen lassen. Schelzke wechselte aber zum Hessischen Städte- und Gemeindebund als Geschäftsführer. Nicht alle SPD-Wähler reagierten verständnisvoll auf diesen Schritt. Außerdem blies die politische Großwetterlage Bernd Müller zumindest eine sanfte Brise ins Kreuz. In Hessen hatte die CDU ein Jahr zuvor die Landtagswahlen gewonnen. Im Bund bröselten die Umfragewerte der Regierung Schröder. Müller hatte nach dem ersten Wahlgang hauchdünn vor SPD-Kandidat Klaus Barthelmes gelegen, nach der Stichwahl ziemlich deutlich. „Es war ein großer Erfolg für einen CDU-Mann in der Arbeiterstadt Mühlheim“, zeigt sich Müller heute noch stolz auf seinen historischen Sieg, den er sechs Jahre später im ersten Urnengang mit 51,2 Prozent bestätigen konnte.

Müller zählt auf der Habenseite seiner Amtszeit den Beginn der umfangreichen energetischen Sanierung der Wohnbauliegenschaften, das neue Feuerwehrhaus an der Anton-Dey-Straße, die Ansiedlung neuer Einkaufsmärkte und vor allem die Renaturierung der Rodau „mit attraktiver Neugestaltung der Mündung“. Mühlheim habe kein Alleinstellungsmerkmal, „keine Basilika wie Seligenstadt, kein Schloss wie Heusenstamm“. Seine Idee sei es gewesen, für die Stadt ein grünes Image zu entwickeln, „letztlich gehörte dazu auch die Biogasanlage“. Ein heikles Thema. Schließlich schaffte es Mühlheim durch deren Bau, der 6,7 Millionen Euro kostete, doch nie in Betrieb ging, ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler. Die rotgrüne Mehrheit im Stadtparlament kippte das Projekt der einstigen Regierung aus CDU, FDP und „Bürger für Mülheim“ wegen wirtschaftlicher Bedenken. Müller wertet es als Fehler, die Anlage nicht genutzt zu haben, „laut Erneuerbare-Energien-Gesetz sowie der garantierten Wärmeabnahme durch die Stadt, hätten wir auf jeden Fall jährlich 1,2 Millionen Euro eingenommen und damit mehr als die Kosten gedeckt“. Außerdem wäre das ökologische Kraftwerk ein Pilotprojekt in der Region gewesen.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Wohl auch wegen der Turbulenzen um die Biogasanlage verlor Müller Anfang 2011 die Wahl gegen Daniel Tybussek (SPD), „natürlich war das schmerzhaft. Aber ‘Lebbe geht weiter’“. Am folgenden Tag habe sein Telefon geläutet. Anwaltskollege Günter Thielmann sei dran gewesen, ob er wieder in die Kanzlei einsteigen wolle. Seitdem engagiert sich Müller vor allem im Seniorenrecht. Die berufliche Unabhängigkeit sei ihm wichtig gewesen. Er habe als Politiker nie in die Lage kommen wollen, „anderen nach dem Mund reden zu müssen, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare