Auszeichnung für Werner Kempf

Ehrenbrief für einen Großen

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Der einstige Spitzenhandballer und spätere Städteführer Werner Kempf (Mitte) erhält von Landrat Oliver Quilling (links) und Bürgermeister Daniel Tybussek den Ehrenbrief des Landes.

Mühlheim - Werner Kempf steht im Trauzimmer des Rathauses im Mittelpunkt. Nicht, um zu heiraten. Von Stefan Mangold 

Landrat Oliver Quilling verlieh dem bald 82-jährigen früheren Handballer, Vizevorsitzenden und Städteführer im Auftrag von Ministerpräsident Volker Bouffier und in Anwesenheit von Bürgermeister Daniel Tybussek den Ehrenbrief des Landes Hessens. Oliver Quilling betont, der Hessische Ehrenbrief sei kein Dokument, das die Regierung in Wiesbaden so mir nichts, dir nichts alle naselang verteile, „er ist stets die Folge eines ehrenamtlichen Engagements über Jahrzehnte“.

Es kann also nicht wundern, dass es jetzt Werner Kempf traf, den groß gewachsenen Mann, der als Bub im Alter von zehn Jahren der Handballabteilung der kurz zuvor gegründeten Sport Union Mühlheim beitrat.

Im Verein übernahm der Ingenieur später den Posten des Schriftführers, des Jugendleiters und des Chefs der Handballabteilung. Landrat Oliver Quilling erwähnt, wie Kempf Ende der 60er Jahre eine Mädchenmannschaft ins Leben rief. Das passierte zu einer Zeit, als noch viele Kerle am Stammtisch faselten, Frauen sollten sich doch lieber dem Turnen oder der rhythmischen Sportgymnastik widmen, von athletischen Mannschaftssportarten wie Handball aber die Finger lassen.

Kempf selbst rannte in einer Zeit, als es hierzulande noch keinen Profisport gab, nicht als reiner Hobbyhandballer um den Kreis. Ende der 50er Jahre ließ er sich die Chance nicht entgehen und wechselte zur SG Dietzenbach, als Dietzenbach nicht nur erstklassig spielte, sondern auch zu den besten Handballmannschaften der Bundesrepublik gehörte. Mit seinen 192 Zentimetern wirkte der Mann auf Gegenspieler einschüchternd. Aus Kempfs Jahrgang erreichte kaum einer die Größe.

Von 1975 füllte der gebürtige Mühlheimer für sechs Jahre einen Posten aus, für den sich wohl generell nicht all zu viele zur Wahl stellen. Denn ein Rechtswart des Handballkreises Offenbach-Hanau-Gelnhausen des Hessischen Handball-Verbands muss schließlich vor allem dann aktiv werden, wenn durch unfaire Spielweise die Dauer von Sperren zu klären ist.

Als Funktionär des eigenen Vereins „war Kempf in den 70er Jahren eine der treibenden Kräfte beim Bau eines Handball-Kleinspielfeldes“. Der Landrat erinnert an das 50-jährige Jubiläum der Sport Union im Jahr 1995, „damals organisierten sie federführend die Festaktivitäten“. Von 1987 bis 1996 übernahm der Mann den Vizevorsitz des Gesamtvereins.

Werner Kempf kennen im Ort auch viele, die mit Sport wenig und mit Handball schon gar nichts am Hut haben. Kempf setzte sich für den Geschichtsverein ein, referierte über Brauchtum und Traditionen. Das geschah vor allem auf seinen Führungen durch den Ort, wenn der frisch Geehrte erklärte, wie Mühlheim einst aus dem Portfolio des einen Regionalherrschers in die Tasche des anderen verschoben wurde. Der ausgebildete Gästeführer zeigte im Auftrag der Stadt oder des Kreises Interessierten nicht nur das alte Rathaus, den Platz der ehemaligen Synagoge oder die neue „Rialtobrücke“ über die Rodau. In mehr als 60 Gästeführungen sprach Kempf auch über die Historie des Heusenstammer Schlosses oder die Funktion der Basilika in Seligenstadt. Im Geschichtsverein arbeitete er mehr als zehn Jahre als Mitglied im Autorenbeirat für den Museumsbrief mit. Außerdem half Kempf, Ausstellungen zu organisieren. Als Ingenieur lag sein Fokus auf der Industriegeschichte.

Landrat Quilling dankt auch Magda Kempf, der Gattin des Gewürdigten, „sie mussten schließlich ständig auf ihren Mann zu Hause verzichten“. Der Landesehrenbrief sei generell eine Auszeichnung, „die den Bürgern einen Anreiz gibt, sich ebenfalls ehrenamtlich zu engagieren“.

Auch Karl-Heinz Stier, der Vorsitzende des Geschichtsvereins, gratuliert Werner Kempf. Der Landesehrenbrief werde selten verliehen, „erst recht an ein Mitglied des Geschichtsvereins“.

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