Nach einem Feuer kämpft Hausbesitzer Klaus Barthelmes mit Nachwirkungen

Ein Leben aus dem Koffer

Raub der Flammen: Das Haus von Klaus Barthelmes ist unbewohnbar, es ist noch viel Arbeit nötig.
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Raub der Flammen: Das Haus von Klaus Barthelmes ist unbewohnbar, es ist noch viel Arbeit nötig.

Es war Sonntag, der 29. November, 1. Advent. In der Friedenskirche lauschen Gläubige gerade, wie sich Menschen besser verstehen können. Die Martinshörner mehrerer Feuerwehr-Fahrzeuge und der Polizei zerreißen die Stille, halten ganz in der Nähe. Ihr Ziel ist die Büttnerstraße 37. Aus dem Haus zieht noch dunkler Qualm, schwarzer Ruß säumt die Fenster im Erdgeschoss. Der Brand ist längst gelöscht, doch für Hausbesitzer Klaus Barthelmes hat die Arbeit erst begonnen.

Mühlheim – Der ehemalige Kandidat fürs Mühlheimer Bürgermeisteramt erhält kurz nach 10 Uhr einen Anruf von seinem Nachbarn. Barthelmes befindet sich gerade im Saarland, gut zwei Stunden Autofahrt entfernt. Nach seiner Rückkehr stellt er erleichtert fest – seine eigene Wohnung im ersten Stock wurde kein Raub der Flammen. Aber ein Opfer der Rußschwaden. Und die klebrige Ablagerung sollte ihn und seine professionellen Helfer noch lange beschäftigen.

Mittlerweile stehen nur noch die bloßen Wände

Die Räume unter den seinen hingegen stellen einen Totalschaden dar. Der Mieter hatte ebenfalls das Haus verlassen, die Polizei suchte zunächst nach ihm. „Das Feuer ist offensichtlich im Schlafzimmer ausgebrochen“, erkannte der Hausbesitzer. Von den Ermittlern erhielt er noch keine Auskünfte zur Ursache. Der Nachbar von gegenüber hatte die Flammen mit zwei Feuerlöschern von der Straße aus in Schach gehalten.

Schnell war klar, die komplette Wohnung ist durch den starken Rauch unbewohnbar. Aller Hausrat, Küche und Badeinrichtung verschwanden in Containern, die Etage wurde entkernt. Barthelmes fand rasch eine Firma, die das Parterre entkernt. Mittlerweile stehen nur noch die bloßen Wände, die Fenster blieben zunächst, weil sonst der Frost eindringen könnte. Mieter wie Vermieter sind ausgezogen. „Es ist ein Leben aus dem Koffer“, sagt der Eigentümer, der sich entweder bei Freunden in Mühlheim oder bei seiner Lebensgefährtin bei Saarbrücken aufhält.

Sein Arzt verschrieb ihm ein Aerosol für die Atemwege, weil er mit seiner Partnerin begann, die Küche vom Rußfilm zu befreien. Das erwies sich als ein kaum zu bewältigendes Unterfangen. Im Treppenhaus war bereits eine Spezialfirma mit der Reinigung beschäftigt. „Die Arbeiter haben zuerst ein Flies gelegt, damit die Gutachter ins Haus können“, schildert der Betroffene. Dann bauten sie im Hof eine Waschstraße auf.

Mittlerweile ist er Stammkunde auf dem Wertstoffhof

„Fünf Wochen haben sie dann allein das Treppenhaus in Ganzkörperanzügen geschrubbt, jeder durfte nur 45 Minuten mit einer FFP-3-Maske arbeiten, dann eine Pause machen.“ Die Fachleute setzten einen Spezialsauger, große Bürsten und verschiedene Chemikalien ein. „Der Brandgeruch drang selbst in die Verschalung der Rollladenkästen“ – und die sind noch immer geöffnet.

„Der Ruß ist giftig, ich musste sogar alle Lebensmittel im Kühlschrank wegwerfen“, berichtet Barthelmes weiter. Von der Versicherung gab’s eine Pauschale. Zwei Tage brauchten die Experten, um in einem Raum jeden Teller, jedes Glas einzeln zu säubern. Von allen Elektrogeräten musste er eine Liste erstellen, macht 82 Positionen, vom Eierkocher über die elektrische Zahnbürste bis zur Espressomaschine. Auch Stehlampen, Stereoanlage und Fernseher muss er nun neu kaufen.

Der Diplom-Verwaltungswirt war bis zu seiner Pensionierung Fachdienstleiter Steuerung und Finanzen bei der Stadt Rodgau, verfügt über Berufserfahrung in der Abwicklung von Schäden, doch mit dem gewaltigen Aufwand im eigenen Haus hat er nicht gerechnet. Mittlerweile ist er Stammkunde auf dem Wertstoffhof, sortierte auch viele Erinnerungen aus. Jetzt brummen in seiner Wohnung Ozon- und Luftreinigungsgeräte. Sie braucht noch neue Vertäfelungen, Tapeten und Farbe. Künftig stehen Pulver- und Schaumlöscher in Heizungskeller, Treppenhaus und Hof, das rieten ihm Wehrleute. Sein Vater war auch einer, er selbst fördert die Brandschützer. (Michael Prochnow)

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