Fraktionen haben unterschiedliche Auffassungen über Bauvorhaben

Ein sich veränderndes Stadtbild in Mühlheim

Baulücke: An der Markstraße, neben dem Wachthäuschen, werden laut Bauträger Eigentumswohnungen und Reiheneigenheime entstehen.
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Baulücke: An der Markstraße, neben dem Wachthäuschen, werden laut Bauträger Eigentumswohnungen und Reiheneigenheime entstehen.

Etliche Bauvorhaben in der Stadt ziehen Diskussionen nach sich. So war es etwa beim „Bender-Gelände“ in Dietesheim oder beim Waitz-Areal in Lämmerspiel. Auch dieser Tage eingesendete Mitteilungen von den Fraktionen von SPD, Grünen und BfM zeigen: Die Diskussionen werden nicht abebben.

Mühlheim – In der Dezember-Sitzung der Stadtverordnetenversammlung hatten die Bürger für Mühlheim (BfM) sich „für ein behutsames Wachstum der Stadt unter Erhaltung der bisherigen Strukturen“ ausgesprochen. Das sollte insbesondere für die Altstadt von Mühlheim sowie die gewachsenen Ortskerne von Dietesheim und Lämmerspiel gelten. Die BfM-Forderung lautete, „Stadtentwicklung muss durch die Stadt und nicht durch Investoren bestimmt werden“. Insbesondere sollte nach der Idee der BfM mit der Erstellung von Bebauungsplänen verhindert werden, „dass Investoren Grundstücke aufkaufen und mit optimalstem Gewinn durch maximale Verdichtung“ bauen. Der Antrag wurde mit den Stimmen von CDU, SPD und den Grünen abgelehnt. Daher sei es „jetzt umso verwunderlicher“, schreiben die BfM, „dass die Grünen gerade für die Altstadt Mühlheim einen Bebauungsplan fordern, um eine unkontrollierte Bebauung zu verhindern“.

Bauträger gibt keine Auskunft

Dieser steht für die kommende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 18 Uhr, in der Willy-Brandt-Halle unter dem Titel „Historische Altstadt bewahren“ auf der Agenda. Die Grünen verweisen auf das Bauprojekt der Gebrüder Ademaj GmbH, das aktuell an der Marktstraße, neben dem Wachthäuschen und gegenüber der St.-Markus-Kirche auf dem Gelände einer ehemaligen Hofreite in der Altstadt entsteht. Der Bauträger wirbt auf einem Plakat für neue Eigentumswohnungen und Reiheneigenheime. Auf Nachfrage unserer Zeitung wollte der Bauträger allerdings keinerlei weitere Angaben zu dem Projekt machen, sagte eine Sprecherin der GmbH am Telefon.

Die Grünen meinen, dass die Bauweise mit Flachdach, die auf den Abbildungen zu sehen ist, für die Altstadt völlig untypisch sei. Man sehe darin den „Beginn einer Zerstörung des derzeit noch sehr homogenen und qualitätsvollen städtebaulichen Ortsbilds“. Bislang habe sich das Erscheinungsbild in der Altstadt als sehr einheitlich dargestellt, „auch wenn baulicher Zustand und Alter der Gebäude unterschiedlich ist“. „Neubauten mit Flachdächern sind an dieser Stelle ein absoluter Fremdkörper und stören das harmonische Erscheinungsbild“, meint die Grünen-Stadtverordnete Margit Früchtl-Staab. In der Altstadt dürfe diese Baupraxis nicht weiter um sich greifen.

SPD: „Die Nachfrage nach Wohnraum ist in Mühlheim nach wie vor hoch“

Daher fordern die Grünen in ihrem Antrag, mit geeigneten planungsrechtlichen Instrumenten zukünftig weitere Flachdächer und sonstige, das Gesamtbild der Altstadt störende Gestaltungsmerkmale zu verhindern“. Dies könnte in einer Gestaltungssatzung oder einem einfachen Bebauungsplan erfolgen.

Anderer Meinung ist die SPD, wie sie in einer Mitteilung kundtut. „Die Nachfrage nach Wohnraum ist in Mühlheim nach wie vor hoch, an vielen Stellen im Stadtgebiet wird gebaut. Viele Bürgerinnen und Bürger wollen hier bleiben und suchen nach für sie geeigneten Wohnungen oder Häusern.“ Die Stadt könne dabei die Rahmenbedingungen für Neubauten in Bebauungsplänen festlegen und müsse öffentliche Interessen mit privaten Belangen in Einklang bringen. Dies führe in manchen Fällen zu Neubauten, die das bisherige Stadtbild verändern und gewohnte Blickachsen neu regeln. „Für neue Bebauungspläne sind immer klare städtebauliche Vorgaben zu machen, die für alle gelten,“ meint der SPD-Stadtverordnete und Architekt Richard Rocker. „Eine Unterscheidung zwischen auswärtigem Investor und einheimischen Bauherr, der sein Haus vergrößern will, gibt es nicht.“

Daher gelte für die SPD-Fraktion, „ein gesundes Wachstum zu ermöglichen, städtebauliche Akzente zu schaffen und die Interessen der heimischen Bevölkerung zu berücksichtigen“. In vielen Fällen habe sich gezeigt, „dass vor und während des Baus die Verunsicherung und Aufregung groß war“. So spielten „insbesondere“ Grüne und BfM „mit den Sorgen und Ängsten der Anwohner“. So sei beim Waitz-Gelände eine fünfgeschossige Bebauung als Horror-Szenario entwickelt worden, „die nie möglich war und ist“. Auch beim Traveller-Gelände an der Kolpingstraße sei von einem Getto gesprochen worden, heißt es vonseiten der SPD. „Ganz zu schweigen vom Bau auf dem ehemaligen Bender-Gelände in Dietesheim.“ Nun solle das Objekt in der Marktstraße für populistische Thesen herhalten.

Richtig sei, so schreiben die Sozialdemokraten, „dass durch die Giebeldachform an der Marktstraße der optische Blick von der Kirche aus dem bisher Gewohnten sehr nahe kommen wird“. Erst im weiteren Verlauf seien Flachdächer vorgesehen, „die immer wieder für Diskussionen sorgen“. Diese seien besonders geeignet, „Regenwasser nicht in den Kanal abzuleiten und sogar durch Dachbepflanzung und -begrünung für innerstädtische Qualitäten zu sorgen“. Weiter schreibt die SPD: „Warum gerade die Grünen Flachdächer in der stark versiegelten Altstadt bekämpfen, ist für uns überhaupt nicht nachvollziehbar.“ Rocker: „Wir wollen uns weiterhin für ein gutes Miteinander und nachhaltige Stadtentwicklung einsetzen.“ (Ronny Paul)

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