Schöffengericht verurteilt 38-Jährigen

Mühlheim: Einbrecher gibt Beute zurück

Einbrecher
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Im Stadtteil Buchschlag überfällt ein Trio ein Frau in ihren eigenen vier Wänden. Die Räuber fesseln die 68-Jährige und durchsuchen anschließend das Haus.

Eine Anwohnerin am Müllerweg in Mühlheim hatte am 14. August morgens um fünf Uhr uneingeladenen Besuch bekommen. In ihrer Wohnung stand ein fremder Mann. Der 38-Jährige musste sich nun vor dem Schöffengericht in Offenbach verantworten.

Mühlheim – Mit einem Urteil von 14 Monaten Gefängnis ohne Bewährung fuhr die Polizei den Einbrecher zurück in die Justizvollzugsanstalt. Nachdem Oberstaatsanwalt Alexander Homm die Anklage vorlas, erklärt Verteidiger Ralf Müller-Lühmann, sein Mandant A. werde sich inhaltlich genauso einlassen wie im Sommer nach seiner Verhaftung. Er habe morgens von der Straße aus gesehen, dass die Türe zum Balkon in einem Meter Höhe offen stand. Er sei in der Hoffnung eingestiegen, etwas Verwertbares zu finden, um davon seine Heimreise nach Albanien zu finanzieren. Dabei habe er ein Mobiltelefon entwendet.

Als ihn die Bewohnerin bemerkte, will der Fremde die Wohnung umgehend verlassen haben. Wieder draußen, habe er noch mal gegen Balkontüre geklopft. Die Geschädigte habe ihm geöffnet, um ihr geklautes Mobiltelefon in Empfang zu nehmen.

Seine Aussage deckt sich mit dem, was die Geschädigte damals der Polizei zu Protokoll gab. Richter Manfred Beck liest vor: Wegen großer Hitze habe sie die Balkontüre offen stehen lassen. Durch Geräusche, die sie erst der Katze zugeschrieben hätte, sei sie wach geworden. Im Flur sei sie auf den Mann getroffen, der „sorry, sorry“ sagte. Sie habe sich um ihre Tochter gesorgt, die in ihrem Zimmer schlief. Schließlich habe sie den Einbrecher dann Richtung Balkon gezerrt und ihm gedroht, die Polizei zu rufen.

Er habe weder einen aggressiven noch einen ängstlichen Einruck hinterlassen. Die Geschädigte bestätigt, dass der Einbrecher ihr vom Balkon aus das Handy zurückgab. Während des Einbruchs hatte der Angeklagte die Schuhe ausgezogen, die er sich dann auf dem Balkon wieder überstreifte.

Die alarmierte Mühlheimer Polizei nahm ihn schließlich auf der naheliegenden Grünfläche fest. Vor Gericht erzählt der Mann, er habe unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden. Laut Gutachten fanden sich in seinem Blut zwar Spuren von Kokain- und Cannabis, morgens hatte der Angeklagte aber 0,0 Promille Alkohol im Blut.

Ein Polizist berichtet, der Mann habe vermittelt, „keinen Bock auf das Ganze“ zu haben. Er soll geäußert haben, „sperrt mich doch ein, draußen erwartet mich doch nichts“. Bei der Gelegenheit stellten die Beamten ein Handy sicher, dass seit einem Wohnungseinbruch im April verschwunden war. Benebelt habe der Angeklagte während seiner Aussage nicht gewirkt.

Der Albaner fiel in Deutschland nicht das erste Mal durch eine Straftat auf. 2019 erwischte man ihn beim versuchten Wohnungseinbruch. Ein halbes Jahr nach dem Urteil von acht Monaten Gefängnis auf Bewährung stieg er im Müllerweg ein. Ein weiteres Verfahren steht in Frankfurt aus.

Oberstaatsanwalt Alexander Homm bemerkt, der Angeklagte habe Glück gehabt, dass die Geschädigte vor Gericht nicht aussagte, „sonst hätte sie vielleicht von traumatischen Folgen wegen ihrer Angst um die Tochter berichtet“. Für den Angeklagten spreche, „dass er die Beute nicht mitnahm“. Angesichts der Vorstrafe fordert Homm 22 Monate Gefängnis ohne Bewährung.

Verteidiger Müller-Lühmann argumentiert, der Angeklagte habe kein Gefährdungspotenzial dargestellt und keinen Widerstand geleistet, den Schaden außerdem sofort wieder repariert. Er hält ein Jahr Haft für angemessen, „natürlich macht es in dem Fall keinen Sinn, auf Bewährung zu plädieren“.

Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen verhängen 14 Monate Gefängnis. Beck betont, „Sie gaben das Handy zurück, damit die Frau die Polizei nicht ruft“. Alles in allem spreche das Gericht eine milde Strafe aus, „denn das Handy bekam die Frau schließlich sofort wieder“. (Von Stefan Mangold)

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