Mühlheimer DLRG warnt

Einbruchgefahr: Eis auf Gewässern nicht dick genug

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Leser Hans-Peter Schwengers Foto vom Main an der Dietesheimer Schleuse zeigt, dass sein Eis-Kleid schollenweise dick, aber eben alles andere als flächendeckend und stabil genug ist. Rechts: Die DLRG formuliert in ihren Piktogrammen Verhaltensregeln auf dem Eis und für den Ernstfall.

Mühlheim - Die Mühlheimer DLRG warnt davor, das Eis auf den Seen im Naherholunggebiet Steinbrüche oder gar auf dem Main zu betreten. Die Gefahr, einzubrechen, sei akut. Von Marcus Reinsch

Ein bisschen Lokalstolz darf sein: Mühlheim hat mit den Steinbruch-Seen und dem Main echte Gewässer vor der Haustür, die meisten anderen hiesigen Städte haben im Vergleich nur bessere Pfützen. Als Nachteil gilt das nicht. In diesen Wochen aber ist‘s ein im Zweifel lebensgefährlicher Vorteil. Denn die Eiseskälte ist zwar noch recht stabil, das Eis aber war es noch nie. Trotzdem wurden in den Randbereichen schon Zeitgenossen gesichtet, die ihre Schlittschuhe offenbar mal wieder abgestaubt haben. Die Mühlheimer DLRG warnt also eindringlich davor, zugefrorene Flächen zu betreten.

Spiel- und Spaßverderber wollen die Retter nicht geben. In vielen Fällen sei die Eisdecke aber einfach zu dünn. Wie dünn, meldete das für den Main zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) beispielsweise vorgestern mit der Ankündigung, seine Eisbrecher notfalls auch ins Hessische zu schicken, um den Schiffverkehr zu sichern. Noch ist das nicht nötig, wie auch die Fotos zeigen, die unser Leser Hans-Peter Schwenger auf Höhe der Dietesheimer Schleuse gemacht hat. Die Eisdecke auf dem Main in Hessen, hat das WSV gemessen, sei „derzeit durchschnittlich ein bis fünf Zentimeter dick, an Stellen mit geringer Strömung bis zu 30 Zentimeter“.

Das reicht, um aus Sicherheitsgründen den Fährbetrieb in Mühlheim, Rumpenheim und Seligenstadt und auch Nachtschleusungen einzustellen. Aber es reicht bei Weiten nicht, da mögen die Kirchen die Anleihe in der Bibel vergeben, um über Wasser zu gehen. Johanna Ricker, die Öffentlichkeitsarbeiterin der Mühlheimer DLRG, rät zur Geduld: Eis brauche nunmal Zeit, um tragfähig zu sein. Bei stehenden Gewässern wie den Steinbruch-Seen sollten es mindestens 15 Zentimeter Dicke sein, bei Bächen und Flüssen sogar 20 Zentimeter.“

Eis sende Signale aus, die jeder erkennen sollte. Dunkle Stellen verraten: Es ist noch viel zu dünn. Hier droht Gefahr einzubrechen. Knacke und knistere das Eis, sollte man sich „am besten flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen, und sich in Bauchlage Richtung Ufer bewegen“. Besondere Vorsicht sei auf verschneiten Flächen und an bewachsenen Uferzonen geboten. Und vor allem an Zu- und Abflüssen könne das Eis innerhalb weniger Meter noch deutlich dünner und die Eisqualität völlig anders sein.

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Grundsätzlich aber lohnt das Risiko einfach nicht. Ein wenig, weil auf den Mühlheimer Gewässern im Sommer das Schwimmen verboten und im Winter das Betreten des Eises schon per Satzung verboten ist. Die Stadt selbst misst die Eisdicke auf ihren Seen auch nicht. Und auch, weil beispielsweise die Mühlheimer Angelsportler ein großes Interesse daran haben, dass auf ihrem See niemand mit Kufen herumläuft und den Fischbestand stört. Viel mehr allerdings, weil Leib und Leben in Gefahr sind, wie Bürgermeister Daniel Tybussek gestern sagt. Schon wenige Minuten im eiskalten Wasser reichen, um das Leben aus einem menschlichen Köper zu saugen. „Wir warnen also ausdrücklich davor, aufs Eis zu laufen.“

Falls es trotzdem unbedingt sein muss: Die Rettungsschwimmer der DLRG, die nicht nur im Sommer Rettungsdienst leisten, raten dringend dazu, „sich nie alleine auf das Eis zu wagen, schon gar nicht an unbewachten Gewässern“. Und jeder sollte sich zur eigenen Sicherheit vorher nach „geeigneten Rettungsmitteln“ umsehen. Da könne beispielsweise ein umgedrehter Schlitten sein, eine Leiter oder ein Seil. Keine Dinge, die normalerweise an einem See herumliegen.

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Die DLRG selbst, erklärt Johanna Ricker, habe eine spezielle Ausrüstung, um im Ernstfall zu helfen. Der „Rescue Sled“ etwa ist speziell für die Eisrettung entwickelt worden, ebenso der Kälteschutzanzug. Und sie übe diese Einsätze auch gemeinsam mit anderen Rettern, zum Beispiel mit der Feuerwehr.

Ganz geht die Verlockung Eislauf natürlich auch an den Lebensrettern selbst nicht vorbei. Allein: Sie geben einer Alternative den Vorzug, für die es nicht mal eine extrem seltene lange Frostphase wie die aktuelle braucht. Ausflüge führen in die Frankfurter Eissporthalle. Da ist es zwar nicht so schön und so kostenlos wie in den Steinbrüchen. Aber es fährt nur der Spaß mit und nie die Angst.

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