Eine Portion Dankbarkeit

Horst Lehr zeichnet in einem Bildband die Geschichte der Sport-Union nach

Lange Geschichte: Horst Lehr präsentiert den Bildband der Sport-Union.
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Lange Geschichte: Horst Lehr präsentiert den Bildband der Sport-Union.

Viel ist nicht geblieben von den geplanten Veranstaltungen zum 75. Geburtstag. Was dagegen lange Bestand haben wird, ist ein Foto-Band mit historischen Aufnahmen aus allen Abteilungen der Sport-Union Mühlheim (SUM). Ehrenvorstandsmitglied Horst Lehr hat sich die Mühe gemacht, alte und jüngere Dokumente zusammenzutragen und in Buchform binden zu lassen.

Mühlheim – Auf 42 Seiten veröffentlicht er jetzt rund 260 Bilder, dazu informative Texte, übersichtlich angeordnet. Der prominente Autor bezeichnet sich selbst als einen, der „mit dem Löffel die Sport-Union-Milch eingenommen hat“. Opa Georg Lehr hatte damals im gemischten SUM-Chor gesungen. Der existiert wie der einstige SUMCA-Karneval nur noch im Archiv des Vereins. Und eben im Bildband des früheren Turners. „Wir haben sogar eigene Prinzenpaare gestellt“, sagt Mühlheims Ehrenbürger. Lehr war praktisch in der Halle an der Friedenstraße daheim, wohnte mit seiner Familie schräg gegenüber im Haus an der Kreuzung mit der Bieberer Straße.

Im vergangenen Jahrhundert zählte außerdem Budo zum Angebot. Die Fußballer machten sich 1952 selbstständig und gründeten die Kickers Viktoria, auch der Tennisclub zog autark ins Sportzentrum an der Anton-Dey-Straße. Zu den ältesten Gruppenfotos zählen die Bilder der Turnerinnen, voran die Damenriege mit Trainer Ludwig Schneider anno 1947. Der langjährige Erste Stadtrat bekam aber auch Motive von der Halle, die die SUM-Vorgängerin Freie Turnerschaft Mühlheim 1931 eingeweiht hat.

Noch älter ist die Fotografie mit schweren Brauereistühlen an langen Tischreihen, im Hintergrund die Empore mit dem gedrechselten Geländer, hinter dem die Tür zum Vorstandszimmer zu erkennen ist. „Da bin ich reingegangen“, zeigt Lehr auf ein anderes Foto von der Rückseite des Saals, wo sich heute das Kolleg befindet. Es stammt aus dem Jahr 1925 und ist eines der ältesten Dokumente, das der Hobbyhistoriker auftreiben konnte.

„Viele Fotos sind aus meinem eigenen Fundus“, sagt er, Mitglieder der Union und weitere Bürger haben ihm nach einem Aufruf in unserer Zeitung Material zugeschickt. Einfacher war es mit jüngeren Aufnahmen. Das Blasorchester hatte eine Fotografin beauftragt, die prächtige und originelle Perspektiven auf die Aktivitäten der Musiker beisteuerte. Die Entwicklung der Gruppe begann 1906 mit 60 Aktiven im Spielmannszug der Turnerschaft, die mit weißen Hemden und Hüten entweder Pfeife oder Trommel bedienten.

1949 wurde die Formation unter Stabführer Martin Kilian neu gegründet, dem Großvater des ersten musikalischen Leiters, Valentin Klasser. Er führte Jericho-Fanfaren ein, übergab 1967 den Taktstock an Theo Ehatt, der die Abteilung mit Harmonieinstrumenten wie Trompete, Saxofon, Querflöte und Klarinette zum Musikzug weiterentwickelte und damit deutschlandweit als Vorreiter galt. Sven Greifenstein ging aus den eigenen Reihen hervor und übernahm vor fast 25 Jahren ein symphonisches Blasorchester.

„Der Gedanke zum Buch kam aus innerster Überzeugung und ist auch eine Portion Dankbarkeit für viele schöne Stunden in dem Verein“, würdigt Horst Lehr seine zweite Heimat. Er erinnert sich noch gut an die Jubiläen zum 25. und zum 50. Bestehen: „Ich war damals schon aktiv dabei“, deutet er auf die Seite übers Gauturnfest. Der Turner war Teil der Riege mit dem Olympioniken Willi Jaschek aus Heusenstamm, spielte auch kurz Handball und holte beim Deutschen Zehnkampf in München Erfolge in leichtathletischen Disziplinen.

„Heute sind Spitzenturner selten, es gibt wenige Hochburgen wie Heusenstamm, und kaum Lehrkräfte, die Talente erkennen und fördern, zur Übungsstunde einladen.“ Lehr blättert um und erzählt vom Deutschem Turnfest in Hamburg 1953. Die Jugendturner aus Hessen übernachteten in einer Schulturnhalle auf Stroh. 1956 richtete die SUM ein großes Gauturnfest aus, ein Festzelt thronte zwischen der alten, kleinen Halle und der Tankstelle, alle 3000 Plätze waren besetzt, viele Besucher mussten draußen stehen.

Es war der große Tag der Prima Ballerina Heidi Boss, geborene Ganzwohl, die eine spektakuläre Choreografie zum Kaiserwalzer präsentierte. Die begehrte Turnerin heiratete einen starken Leichtathleten. Ihre Glanzzeit erlebte die Sport-Union in den 60er und 70er Jahren. „Wir boten höchste Leistungen, hatten die meisten Aktivitäten“, blickt der Herausgeber zurück. Turnwart Walter Röder wurde Vorsitzender und blieb stolze 30 Jahre im Amt. „Sein Vater war Tanzlehrer, ein Beispiel für Eleganz und Organisationstalent, ausgestattet auch mit viel Gespür für die Senioren“, erzählt der Buchautor. Mit Röder übernahm er regelmäßig Wirtschaftsdienst. Das Duo stand gemeinsam in der Küche und hinter der Theke, weil der Verein mal wieder keinen Wirt hatte.

„Ich bin ein bisschen stolz und zufrieden damit“, sagt Lehr. Wochenlang saß er am Computer, um Bilder einzufügen, die Größe zu ändern, Seiten neu zu gestalten und zu umrahmen. „Mir hat das Herz geblutet bei jedem Bild, das ich rausgeschmissen hab’“, zumal wenn sie Kameraden und Freunde zeigten. Lehr pflegt zu fast allen Sportarten „bis auf Tanzen und Schach“ eine enge Beziehung, „das hilft, die richtige Auswahl zu treffen“.

Wegen der Pandemie konnte das Werk noch nicht in allen Abteilungen vorgestellt werden. Für das Projekt ist Lehr privat in Vorlage getreten. Doch das ist für ihn keine Frage: „Wer investiert, muss Liebe und Herzblut für seinen Verein haben!“ (Von Michael Prochnow)

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