„Einfach froh, dass es wieder läuft“

Schleppender Start beim wöchentlichen Flohmarkt an der Willy-Brandt-Halle

Eldorado für Schnäppchenjäger: Der Flohmarkt an der Willy-Brandt-Halle findet wieder mittwochs statt.
+
Eldorado für Schnäppchenjäger: Der Flohmarkt an der Willy-Brandt-Halle findet wieder mittwochs statt.

Fahrradreifen mit Profil fürs Gelände lehnen am Campingtisch mit festlichem Porzellan, mittendrin thront eine alte, schwere Schreibmaschine, die nicht nur als Hingucker taugt. Auf der anderen Seite stapeln sich Bananenkisten, viele wurden bis zum Mittag nicht ausgepackt. Das lohnte sich auch kaum, die Beschicker des Freiluft-Flohmarktes an der Willy-Brandt-Halle ahnten schon, dass sie nicht überrannt werden.

Mühlheim – Nicole Heerdt ist einfach froh, dass es wieder läuft. Kaum hatte sie im vergangenen Jahr den Treffpunkt mit viel Aufwand und unter Corona-Bedingungen wieder eröffnet, musste sie ihn auch schon wieder schließen. Jetzt nimmt sie einen neuen Anlauf, hat wieder Stehtische aufgestellt, an denen die Besucher ihre Daten notieren müssen, Stationen zur Handdesinfektion und rote Schilder mit all den Anordnungen.

Beim Neustart vor einer Woche fuhr ihr noch Petrus in die Parade. Regen und Kühle hielten treue Teilnehmer wie Stammkunden fern. „Die Hausfrau guckt morgens aus dem Fenster und wenn der Himmel voller Geigen hängt, bleiben sie daheim“, hat die erfahrene Organisatorin gelernt. Ihr Vater Gerhard Schmidl hat die Firma GKS-Märkte vor mehr als 40 Jahren gegründet. Er starb vor sechs Jahren, seitdem führt seine Tochter vor allem die Antik-Messen in Bad Nauheim, Bad Orb und Langenselbold, aber auch Flohmärkte in Gelnhausen, Gründau und in Spessart-Gemeinden. Den Markt an jedem Mittwoch in Mühlheim habe ihr Vater vor 24 Jahren eröffnet.

„Für die Hygienemaßnahmen brauche ich mehr Personal“, erläutert sie, „macht 800 bis 1000 Euro extra“. Gleichzeitig seien die Zahlen der Stände und der Besucher deutlich niedriger als vor Corona. Etwa ein Zehntel der erlaubten 500 Personen tummeln sich am Vormittag vor den zwei Dutzend Ständen, alle mit Masken trotz der Adresse unter freiem Himmel. „Mir ist vor allem der Abstand wichtig“, betont die Dame an der Einlasskontrolle, „die Maske macht mir nichts aus“.

Viele, die sonst regelmäßig in den Auslagen stöberten und die Preise herunter handelten, warten noch ihre zweite Impfung ab, glaubt Gastgeberin Heerdt. „Es muss sich erst rumsprechen, dass wir wieder da sind“, schwört sie auf Mundpropaganda. Drei ihrer Märkte bleiben komplett geschlossen, weil die Kommunen die Pandemie-Unterstützung nutzten, um die Areale grundlegend zu sanieren.

Für Mühlheim melden sich üblicherweise viele Händler an. Sie machen gleich zwischen 5 Uhr in der Früh und 8 Uhr ihre Geschäfte, bedienen vor allem Sammler, die gezielt suchen. Erst danach kommt „Otto Normalverbraucher“. Die Initiatorin achtet darauf, dass auch die Profis mindestens 80, 90 Prozent Gebrauchtes auf dem Tisch haben und die Vielfalt nicht mit billiger Ein-Euro-Ware überschwemmen. Das kann Hans-Jürgen Roth garantieren: Er bietet Briefmarken mit aufgedruckten Pfennig-Beträgen an, auch ganze Alben.

Er profitiert ein bisschen von der Situation, dass die Vereine bislang keine Tauschtage ausrichten durften. Aber bei diesen Terminen gehe es sowieso nur noch um „Sahne-Stücke“, hat der Experte beobachtet. „Meine Stammkunden wissen, dass ich hier bin“. Vor allem ältere Semester pflegen das Hobby mit den „Aktien des kleinen Mannes“, und so ein Flohmarkt sei unter Sammlern als „Endstation“ für günstige Marken bekannt.

Nicole Heerdt versucht nun, wieder jeden Mittwoch neben der Willy-Brandt-Halle zu stehen. „Außer wenn Heiligabend auf einen Mittwoch fällt“, sagt sie. Am Imbisswagen sind die Absperrbänder wieder länger als die Warteschlangen vor der Theke. Doch die Stammgäste schwören auf Currywurst und frischen Kaffee – und einen Plausch unter Gleichgesinnten. (Von Michael Prochnow)

Infos:

Anmeldung per Mail an n.heerdt[at]bavaria-online.net.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare