Ortsdurchfahrt in Mühlheim

Einspurige B43a: Ein Traum oder ein Trauma

Mühlheim - Die Stadt hat die Details für den möglichen Wandel von der zweispurigen zur einspurigen Ortsdurchfahrt zwischen Ludwigstraße und Albertstraße vorgestellt. Ein Mammutprojekt, das Mühlheim mehr als alles andere verändern würde. Von Marcus Reinsch

Nach einer einjährigen Testphase ab diesem Oktober soll es entweder sterben oder im Diesseits ein Fall für die Ewigkeit werden. Nach Jahren, in denen die Reduzierung der nördlichen Mühlheimer Ortsdurchfahrt auf eine Spur kaum mehr war als ein Spielball der Politik, verlässt das Thema den Bereich der grauen Theorie: Die Details, die Edwin Mayer von der Rodgauer Ingenieurgesellschaft Habermehl & Follmann am Dienstagsabend auf den Tisch legte, machen klar: Die Grenze zwischen Traum und Trauma ist hauchdünn. Das machten vor allem die Bürger deutlich, die zum Auftakt der Bürgerbeteiligung im Rathaus waren. Zuvor hatte Bürgermeister Daniel Tybussek bereits erklärt, dass das Projekt Anwohner und Ladenbesitzer nicht zusätzlich belasten dürfe.

Die Essenz der Faktenflut: Einspurig werden sollen die als Bundesstraße B43 im Stadtplan zu findende Dietesheimer Straße und die Offenbacher Straße auf einem Kilometer Länge zwischen der Ludwigstraße im Osten und der Albertstraße im Westen. Es würde weiterhin Maximaltempo 50 gelten. Die verbleibende Fahrbahn soll dann mit fünf Metern etwas breiter sein als jede der zwei heutigen. Die haben zusammen 7,50 bis 8,50 Meter, je nach dem zwischen 10,50 und 16,50 Meter liegenden Abstand zwischen den Häusern. Die Spurverbreiterung hat einen Grund: Anderthalb Meter davon sind, ebenfalls durchgängig, als sogenannter Bedarfsstreifen vorgesehen. Eine Art Fahrradweg, den beispielsweise OVB- und Stadtbusse nutzen dürften, um die Haltestellen anzufahren.

Im Gegenzug würde an den Rändern Raum frei. Für Parkplätze – bis zu 100 statt aktuell 60, was als mächtiger Lockruf an die Geschäftswelt entlang der Ortsdurchfahrt selbst, in der Bahnhofstraße und der Marktstraße zu verstehen ist. Auch für teils deutlich breitere Gehwege. Und für weitere Dinge, für die es heute schlicht zu eng ist. Das berühmte „Straßenbegleitgrün“ beispielsweise. Die Kreuzungsbereiche mit den Seitenstraßen sollen gepflastert und vereinzelt logischer zugeschnitten werden.

Die über allem schwebende Frage aber ist natürlich, ob eine einspurige Ortsdurchfahrt überhaupt funktionieren würde. Viele Mühlheimer sprechen ihr das bekanntlich schon mit zwei Fahrstreifen ab. Entscheidend sei vor allem, dass die Ampeln für Autos und Fußgänger intelligent und koordiniert geschaltet sind. Als der Kernbereich der Ortsdurchfahrt anno 2010 schon einmal Großbaustelle war, war das nicht der Fall. Es gab große Rückstaus, Anwohner und Ladenbesitzer gingen auf die Barrikaden. Legendär sind bis heute die 1700 Unterschriften, die gegen die Missstände gesammelt wurden. Mit einem Ampeltakt, der bei Grün den kompletten Rückstau durchlotse, ohne dass in den Kreuzungsbereichen Fahrzeuge stecken bleiben, sei das Problem lösbar. Sagt Mayer.

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Die Planung beruht vor allem auf einer Verkehrserhebung aus dem November 2011, was manchen Besucher der Präsentation an der Brauchbarkeit der Daten zweifeln ließ. Heute sind im betreffenden Abschnitt täglich etwa 12 000 Autos (Prognose für 2020: 12 600) unterwegs, davon 230 (245) Lastwagen. Das würde die B43, auch einspurig, locker verkraften. Als entscheidend aber gelten die Stunden des Berufsverkehrs. Abends kommen 790 (830) Motorisierte durch, morgens zwischen 7.15 und 8.15 Uhr 1100 (1155).

Überzeugt werden müssen von der Einspurigkeit nicht die Mühlheimer alleine. Auch und vor allem „Hessen Mobil“ wird Empfänger der Ergebnisse des einjährigen, rund 300 000 Euro teuren Feldversuchs, der ab Oktober dieses Jahres möglich wäre. Denn die B43 ist eine Bundesstraße. Sprich: Die Stadt darf sich von der Verkehrsbehörde des Landes wünschen, was dort passiert – aber sie darf nicht selbst entscheiden. Zumal der Umbau Pilotcharakter hätte, was toll klingt, aber eben auch bedeutet, dass Erfahrungswerte knapp sind.

Während der einjährigen Testphase würde die Ortsdurchfahrt mit Pollern und Leitborden faktisch auf eine fünf Meter breite Spur reduziert. Vorteile wie breitere Gehwege wären dann zwar kaum zu sehen. Aber das sogenannte Monitoring würde zeigen, wie es um die Leistungsfähigkeit der Einspurigkeit unter realen Bedingungen bestellt ist. Vor der finalen Entscheidung, ob die Stadt den Versuch wagt oder nicht, stehen mehrere Hürden. Im März soll die Stadtverordnetenversammlung das Geld für die Testphase freigeben, im April wäre eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Stadt und „Hessen Mobil“ fällig.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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