„Bedenken nicht zu bestätigen“

B43 einspurig: Feuerwehr tritt auf die Bremse

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Die nördliche Ortsdurchfahrt in Mühlheim

Mühlheim - Die Mühlheimer Feuerwehr wehrt sich dagegen, in der Diskussion um mögliche Folgen der neuen Einspurigkeit auf der Ortsdurchfahrt zum Spielball der Interessen zu werden. Von Marcus Reinsch 

Aus Sicht der Retter, sagt Stadtbrandinspektor Lars Kindermann, seien Bedenken „nicht zu bestätigen“, dass sie nun gefährlich länger zur Wache und zu Einsätzen brauchen. Mühlheims Freiwillige Feuerwehr tritt auf die Bremse. Aber nicht, weil sie auf der nördlichen Ortsdurchfahrt im Stau stecken bleiben würde. Sondern weil in den vergangenen Tagen Gegner der dortigen neuen Einspurigkeit mit ihrer Mutmaßung Gas gegeben haben, die neue Verkehrssituation gehe zu Lasten des Einsatztempos. „Aus Sicht der Freiwilligen Feuerwehr können die angemeldeten Bedenken nicht bestätigt werden“, sagt Stadtbrandinspektor Lars Kindermann.

Immer wieder wird vor allem in den sozialen Netzwerken bezweifelt, dass es Einsatzkräfte wegen der neuen Verkehrssituation schnell genug zum Feuerwehrhaus schaffen. Und dass die Löschzüge einen Einsatzort rechtzeitig erreichen, wenn sie die Ortsdurchfahrt nutzen müssen. Vor allem der Mühlheimer Simon-Cyrill Reith mit seiner bis gestern Nachmittag von mehr als 700 Menschen signierten Internet-Petition für die Rückkehr zur Zweispurigkeit hatte die Diskussion angefacht. Seine Argumentationskette hantiert unter anderem mit den Thesen „Einsatzkräfte der Feuerwehr brauchen länger zum Feuerwehrhaus“ und „Verzögerungen im Rettungsdienst“.

Mit Reith, gibt Kindermann zu Protokoll, habe er sich „ins Einvernehmen gesetzt“. Grundsätzlich begrüße er ja, wenn Menschen „die einzige Möglichkeit nutzen, demokratisch an den politischen Entwicklungen einer Stadt teilzunehmen“. Und „natürlich wird der Verkehr – insbesondere in Höhe des Schreibwarenladens mit Poststelle – dann problematisch, wenn der Anlieferverkehr die einzige zur Verfügung stehende Fahrbahn zum Be- und Entladen nutzt“. Da müsse „Abhilfe geschaffen werden, um nicht einen Stau zu provozieren“, fordert Kindermann.

Schlaue Autos schauen mit Assistenzsystemen um die Ecke

Dass der Feuerwehr bei dieser Streckenführung nicht ausgewichen werden könne, sehe er „derzeit auf Grund der Fahrbahnbreite sowie dem Fahrradstreifen“ aber nicht. Und auch nicht, dass es es zu Vollsperrungen komme, wenn die Feuerwehr einen Einsatz auf der Wegstrecke haben würde. Nur am Beispiel des DRK-Seniorenheims müsse man „zur Kenntnis nehmen, dass die Feuerwehr bei solchen Einsätzen generell die Straße sperren muss, damit zum einen die Arbeitssicherheit gewährleistet wird, zum anderen aber auch das An- und Abfahren von weiteren Rettungsfahrzeugen wie Krankenwagen ermöglicht“ wird. Ein diesbezügliches „Chaos“ stelle nach Auffassung der Feuerwehr ein „allgemeines Lebensrisiko dar, welches sich hoffentlich nicht täglich erfüllt“.

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Als Leiter der Wehr müsse er natürlich „ein Auge auf die Ausrückzeiten haben“. Gesetzliche Pflicht sei, die Hilfsfrist von zehn Minuten ab der Alarmierung bis zum Eintreffen der ersten Löschgruppe am Einsatzort einzuhalten. Feuerwehr und Brandschutzaufsichtsdienst würden „die Ausrückzeiten in den kommenden sechs Monaten mit den Vorjahren vergleichen und selbstverständlich umgehend aktiv werden, wenn sich eine signifikante Verschlechterung zum Nachteil unserer Bürger einstellen sollte“.

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