Weil bisher keine Baufirma den Auftrag will

Einspurigkeit auf der B43: Verkehrsversuch verschoben

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Die testweise Einspurigkeit der nördlichen Mühlheimer Ortsdurchfahrt verschiebt sich um Wochen, eher Monate.

Mühlheim - Der für die Herbstferien geplante Start des Verkehrsversuchs zur Einspurigkeit auf Mühlheims nördlicher Ortsdurchfahrt verschiebt sich – wohl um Monate. Keine einzige Firma hat sich darum beworben, die provisorische Verkehrslenkung aufzubauen. Von Marcus Reinsch

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Blick in die mögliche Zukunft

Die Erwartungen an den großen Verkehrsversuch, mit dem die Stadt der Landesbehörde Hessen Mobil beweisen will, dass Mühlheims zweispurige nördliche Ortsdurchfahrt B43 auch mit nur einer Spur noch funktioniert, schwanken bekanntlich zwischen Furcht und Hoffnung. Was eher angebracht ist, wird sich bedeutend später herausstellen, als noch Anfang dieser Woche bei der Bürgerbeteiligung zum Thema gedacht. Heute Vormittag vermeldete die Stadt, dass sich der in den Herbstferien geplante Startschuss für die Testphase verschiebt. „Ziel ist nun“, sagt Bürgermeister Daniel Tybussek, „spätestens im Frühjahr mit der Einrichtung des einjährigen Tests zu beginnen.“

Am Wollen liegt es dabei gar nicht. Dafür am Können. Der Auslöser der Entscheidung ist in der Tat bemerkenswert. Tybussek: „Leider hat kein Bieter im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens ein Angebot abgegeben, um die Einrichtung der Leitelemente und Markierungen vorzunehmen.“ Der Bürgermeister zeigt sich offensiv enttäuscht: „Es ist schon sehr bitter, kurz vom Ziel eines so wichtigen und zukunftsweisenden Projekts ausgebremst zu werden.“ Es sei wohl der aktuellen Auslastung der Firmen geschuldet, dass nicht einmal ein Angebot abgegeben wurde. Denn, und da rückt der Blick auf den privaten Immobilienboom in der Niedrigzinsphase, die Förderung von kommunalen Infrastrukturprojekten durch Land und Bund und den vom Rechtsanspruch ausgelösten Zwang vieler Städte zum Hochziehen neuer Betreuungseinrichtungen: Landauf, landab würden gerade überall neben Häusern auch viele Straßen und Brücken saniert oder neu gebaut. Die Zeiten, in denen Baufirmen mangels Aufträgen am Existenzminimum herumkrebsten, sind vorbei und öffentliche Ausschreibungen schon lange keine Garantie mehr dafür, Aufträge auch loszuwerden.

„Wir werden uns mit unserem Planungsbüro und den involvierten Verkehrsbehörden abstimmen, wann es nun weitergehen kann“, kündigt Tybussek an. Dass es weitergehen muss, ist klar. Die Stadt verfolgt das Projekt Einspurigkeit spätestens seit dem Jahr 2010. Damals wurde es beim Bau des DRK-Altenheims an der Offenbacher Straße eng für den fließenden Verkehr. Aber es entstanden provisorische Parkplätze zwischen Bahnhofstraße und Marktstraße. Das kam bei vielen gut an. Die Gewerbetreibenden vor Ort etwa sammelten mehr als 1000 Unterschriften für die auch dauerhafte Einrichtung weiterer Parkplätze.

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Seither wird im Rathaus getüftelt, wie die Innenstadt auch für Fußgänger und Radler aufzuwerten wäre. Mittlerweile gab es Zählungen, Simulationen und Planungen zum einspurigen Verlauf, begleitet von Verhandlungen mit Verkehrsbehörden und zwei Informationsabenden, in denen Anregungen der Anwohner und Gewerbetreibenden aufgenommen wurden.

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