„Morgens kommen die meisten“

Unterstützung für Kunden in Coronakrise: Einzelhändler starten „Mühlenrad Liefergemeinschaft“

Coronavirus: Bei Konstantinos Konstantinidis weist ein Schild auf den einzuhaltenden Abstand hin. 
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Coronavirus: Bei Konstantinos Konstantinidis weist ein Schild auf den einzuhaltenden Abstand hin. 

In Mühlheim versorgen Einzelhändler ihre Kunden aufgrund der Coronakrise jetzt per Liefergemeinschaft. Aber die Angst um die Geschäfte bleibt.

  • Einzelhändler in Mühlheim liefern während der Corona-Krise
  • Obst ist besonders beliebt
  • Bestellt werden kann in Mühlheim auch per WhatsApp

Mühlheim – „Seit ein paar Tagen krieg’ ich mehr Trinkgeld!“ Georgina Konstantinidis erfüllt mit ihrem Lachen nicht nur den kultigen Treffpunkt an der Bahnhofstraße.

„Vielleicht ist das auch nur so, weil die Kunden kein Wechselgeld entgegennehmen wollen“, folgert sie und erzeugt noch einmal ein betretenes Grinsen. Zumindest in dem beliebten Fachgeschäft für Feinkost, Obst und Gemüse herrscht noch eine gute Stimmung. Die Familie Konstantinidis sorgt aber auch dafür, dass es anderen gut geht, die gerade nicht in die Bahnhofstraße kommen können.

Mühlheimer Einzelhändler per Hotline erreichbar

Zusammen mit Nina und Andres Bornemann vom Unverpackt-Laden riefen sie die „Mühlenrad Liefergemeinschaft“ ins Leben. Bis gestern gab es erst wenige Bestellungen, die sie mit einem Kleintransporter an die Haustür der Kunden brachten. Zum Beispiel zu einer älteren Dame mit einer Vorerkrankung, die zwar nur um die Ecke wohne, aber das Haus in diesen Tagen wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus nicht verlassen möchte.

Jetzt wollen sich weitere Mitglieder der Gemeinschaft Mühlheimer Fachgeschäfte (GMF) der Aktion anschließen, die ihre Geschäftsräume wegen der Corona-Krise nicht mehr öffnen dürfen. Sie wollen telefonisch oder per Internet bestellte Waren ebenfalls den Käufern nach Hause bringen. Die Stadt unterstützt die Initiative, schaltet eine Telefon-Hotline und koordiniert die Hilfsdienste (siehe Artikel unten).

Mühlheim: Keine Hamsterkäufe von Klopapier

Stammkunden der Bornemanns haben eigene Verpackungsmaterialien für ihre Einkäufe – Gläser, Plastikdosen und Tragetaschen – im Laden deponiert. Ist das nicht der Fall, wird das Bestellte in Papiertüten zusammengestellt. Das entspreche wohl nicht der Unverpackt-Philosphie, sei aber ein Kompromiss, betont Andres. Statt für den täglichen Bedarf nehmen heuer viele Menschen Waren für zwei bis vier Tage mit. Vor allem Back- und Trockenhefe sei angesagt, „weil jetzt viele daheim das Kuchenbacken wieder entdeckt haben“.

Hamsterkäufe wie der stapelweise Abtransport von Klopapier oder Nudeln gab’s bei ihnen nicht, berichten die Bornemanns. „Unsere Kundschaft ist vielleicht etwas anders strukturiert“, formuliert der Inhaber vorsichtig und verweist auf den respektvollen Umgang der Einkäufer.

Obst in Mühlheim in zwei Stunden ausverkauft

Im engeren und stark frequentierten Raum vor der Theke von Konstantinos Konstantinidis, den die Bürger nur als Kosta kennen, fielen auch schon mal aggressive Töne. Jetzt haben sie Pfeile für den Gang zur Bedienung an der Theke und Haltelinien auf den Boden geklebt. Und zur Erinnerung an die allgemeinen Regeln ein Schild aufgehängt: „Bitte mindestens 1 Meter Abstand halten; Markierungen beachten!“

Ob im Laden oder per Bringservice: Ohne Obst und Gemüse geht’s nicht, daher unterstützen Einzelhändler die Bürger mit Lieferungen nach Hause.

„Manche wollten zum Supermarkt und haben bemerkt, dass wir eine große Auswahl haben“, schildert der Juniorchef. Nicht nur im Inneren, auch vor dem Schaufenster sind die Plastikkisten prall gefüllt. „Jetzt sind Kiwis wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts sehr beliebt“, sagt Kosta. Vor allem aber Bananen und Äpfel, weil die sich länger halten. „Von den gelben Südfrüchten waren zwei Kisten in zwei Stunden leer gekauft.“

Bestellungen in Mühlheim auch per WhatsApp möglich

Die Liefergemeinschaft hat vielleicht auch deswegen noch nicht so viele Aufträge, weil viele Kunden auch für ihre älteren Familienmitglieder, Verwandten und Nachbarn mit einkaufen, bemerkt der Obsthändler. „Morgens kommen die meisten“, sagt Nina Bornemann, „Viele Mühlheimer sind im Samstags-Modus“, was wohl am veränderten Arbeitsrhythmus durchs Homeoffice liege. Angst vor Ansteckung hat die junge Frau nicht. „Ich habe früher in einer Arztpraxis gearbeitet und jede Menge Grippepatienten empfangen“, erklärt sie. Mehr Angst habe sie um die Existenz vieler Geschäfte.

" Bei der die Hilfehotline der Stadt gibt’s unter 06108 601950 Infos zur Mühlenrad Liefergemeinschaft. Zudem sind die Bringdienste auf folgende Weise erreichbar: Feinkost, Obst und Gemüse Konstantinidis, 06108 799017, und Unverpackt-Laden, 06108 9759330, 0174 152774 (auch WhatsApp) oder an bestellung@natuerlichfrei.kaufen. Angegeben werden müssen Name, Adresse, Telefonnummer, mögliche Lieferzeit und Zahlungsart – möglichst in bar. Lieferkosten entstehen aktuell keine.

VON MICHAEL PROCHNOW

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