Missstände in Seniorenheim Thema einer Bürgerversammlung

Empörung über den Pflegeskandal in Mühlheim

DRK Senioren-Zentrum Mühlheim
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Unmenschliche Zustände im Senioren-Zentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Mühlheim sorgen für Schlagzeilen. Der Bremer Gesundheitsökonom Heinz Rothgang und Verdi-Chef Frank Bsirske fordern von der künftigen Bundesregierung neue Mindeststandards für die personelle Besetzung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Mühlheim/Offenbach -  Die Stadt Mühlheim wird von einem Pflegeheim-Skandal erschüttert. Berichte über die schlimmen Zustände im DRK-Senioren-Zentrum haben viele Reaktionen ausgelöst. Zahlreiche Leser meldeten sich bei unser Zeitung, berichten über ähnliche Erlebnisse. Und Politiker äußerten sich empört.

Die Berichte schlagen hohe Wellen: Nach einer TV-Dokumentation über Misshandlungen steht das DRK-Senioren-Zentrum in Mühlheim in der Kritik. Pflegebedürftige werden in den Aufnahmen des Senders RTL vom Personal beleidigt und übel beschimpft. Eine ehemalige Mitarbeiterin gibt im Interview an, dass die Bewohner Angst hätten. Auch die Behörden hatten dem Heim bereits „erhebliche Mängel“ attestiert.

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Viele Menschen in der Region sind entsetzt. Die Stadt Mühlheim will die Missstände nun zum Thema ihrer Bürgerversammlung am 14. November machen. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Willy-Brandt-Halle, Dietesheimer Straße 90. Auch der DRK-Kreisverband werde darüber informiert und könne sich dort äußern, so ein schockierter Bürgermeister Daniel Tybussek. Bei der Stadt herrsche, obwohl weder Betreiberin der Einrichtung noch mit Einfluss auf die Pflege, „großes Entsetzen“. Es sei „unverantwortlich, wie die Pfleger, die gezeigt worden sind, mit älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern umgehen“.

Tybussek geht davon aus, „dass das gezeigte Fehlverhalten schnellstens abgestellt wird“. Gleichzeitig bitte er um einen fairen Umgang mit der Einrichtung. Auch im Mühlheimer Sozialausschuss sei am Dienstagabend „mehr Versachlichung angeregt“ worden.

Der SPD-Politiker: „Natürlich weckt der Bericht Ängste und Sorgen über ein Leben im Alter, vom Imageschaden für Mühlheim ganz zu schweigen.“ Die Stadt begrüße, dass umgehend Aufsichtsstellen reagierten. Ausreden oder Rechtfertigungen für das gezeigte Verhalten könne es nicht geben, betont Tybussek. „Aber die Politik sollte endlich für bessere Rahmenbedingungen in der Pflege sorgen. Die Generation, die unser Land oder auch unsere Stadt nach dem Krieg wieder aufgebaut hat, hat bessere Rahmenbedingungen für ein würdevolles Leben im Alter wahrlich verdient.“

Erster Eindruck zählt - Das richtige Pflegeheim finden

Massive Kritik kommt auch vom Heusenstammer Landtagsabgeordneten Ismail Tipi. „Solche Umstände, wie sie dem Heim vorgeworfen werden, sind unmenschlich und nicht zu tolerieren“, erklärt der CDU-Politiker in einer Stellungnahme. Zugleich fordert er, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Der Appell des Parlamentariers: „Es darf jetzt nicht nur intern geklärt werden, auch die zuständigen Behörden müssen hartnäckig an dieser Sache dranbleiben.“ (psh/mcr)

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